Keinerlei Zweifel an Fähigkeit der Piloten und Sicherheit

Lennestadt..  Nach dem tragischen Tod von 150 Menschen durch den Absturz der Germanwings-Maschine haben auch im Kreis Olpe viele Menschen Angst davor, ihr nächstes Urlaubsziel mit einem Passagierflugzeug anzusteuern. Wir sprachen darüber mit der Chefstewardess Janine Hoppe (40) aus Elspe.


Frau Hoppe, Sie arbeiten seit 17 Jahren für die Lufthansa. Wie gehen Sie und Ihre Kollegen mit dem schrecklichen Unglück in Frankreich um?

Janine Hoppe: Alle Kollegen versuchen professionell mit dieser Situation umzugehen. Das, was da passiert ist, versetzt uns in eine Art Schockzustand, ähnlich wie nach den Anschlägen vom 11. September.

Damals und auch heute gehen wir sehr offensiv mit der Situation um, wir sprechen offen über die Situation, über unsere Gefühle wie Betroffenheit und Ängste. Auch wenn wir einen stressigen und sehr zeitnah geplanten Beruf haben, bleibt vor und zwischen den Flügen immer Zeit für ein gemeinsames Gespräch.


Haben Sie persönlich nach dem Unglück Angst, wieder ins Flugzeug zu steigen?

Ich kann nicht für alle meine Kollegen sprechen, aber Carsten Spohr, unser Vorstandsvorsitzender, hat in einer Pressekonferenz gesagt, dass unsere Piloten die Besten der Welt seien und dass er sofort ohne jeden Zweifel in jede unserer Maschinen einsteigen würde - und genau diese Meinung teile ich auch. Ich würde auf keinen Fall mit Angst oder nur einem mulmigen Gefühl in eines unserer Flugzeuge steigen.


Wird genug für die Sicherheit der Passagiere getan?

Ich habe Verständnis dafür, dass einige Crews von Germanwings am Tag nach dem Unglück nicht ihren Dienst angetreten haben; leider wurde da hineininterpretiert, dass man Sicherheitsbedenken habe. Wir sind auch nur Menschen und auch wenn wir in einem großen Konzern arbeiten, kennen wir uns untereinander. Um einen Flug anzutreten, müssen wir hundertprozentig fit sein. Es gibt bei uns die Möglichkeit, sich „unfit to fly“ zu melden - davon haben diese Crews Gebrauch gemacht und dafür habe ich vollstes Verständnis. Leider schürt so etwas dann aber auch wieder die Ängste der Passagiere.
Zu Ihrer Frage bezüglich der Sicherheit, hier der Standardsatz: Fliegen ist die sicherste Methode von A nach B zu kommen. Unsere Sicherheitsstandards bei Lufthansa sind, was Mensch und Maschine angeht, die höchsten der Welt. Ich würde nicht den Bruchteil einer Sekunde an der Fähigkeit unserer Piloten oder an der Sicherheit unserer Maschinen zweifeln.


Was würden Sie Fluggästen sagen, die jetzt über eine Stornierung von Urlaubs- und sonstigen Flügen nachdenken?

Ich habe den 11. September leider sehr zu spüren bekommen, ich hatte an diesem Tag zwar frei, musste aber direkt danach wieder fliegen und die Wochen danach waren furchtbar. Viele Passagiere und auch Crewmitglieder hatten schreckliche Angst - so etwas hatte es ja noch nie gegeben - und ich hatte viele Menschen mit Panikattacken an Bord. Es hat sehr lange gedauert, bis sich der Flugbetrieb wieder normalisiert hatte, aber für die Fliegerei hat sich danach alles verändert.

Menschen mit Flugangst sollten nicht jetzt aufgrund von diesem schrecklichen Unglück ihren Flug stornieren. Wie auch wir sollten sie offensiv mit ihrer Angst umgehen, über jedes Gefühl sprechen: ob mit Mitreisenden oder mit uns; wir sind für alle Fragen offen und sind auch psychologisch sehr gut geschult.

In der Regel erkennen wir Menschen mit Angst an Bord. Auch wenn sie sich nicht direkt an uns wenden, gehen wir auf diese Passagiere ein. Oft ist es die Enge des Flugzeugs oder sind es die ungewohnten Geräusche oder Bewegungen. Man soll sich trauen, die Crewmitglieder anzusprechen, nachfragen, was dieses oder jenes Geräusch zu bedeuten hat. Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich sagen, daß das auf jeden Fall hilft.


Sie haben Flugangstseminare an Bord begleitet und kennen die Ängste vieler Menschen vor dem Fliegen. Was raten Sie Passagieren, die mit zitternden Knien ins Flugzeug steigen?

Die Tatsache, daß man völlig ausgeliefert ist macht es diesen Menschen gerade im Hinblick auf diesen schlimmen Fall nicht leicht. Das Problem dabei ist auch, dass man ein langes Prozedere durchläuft, bevor man letztendlich in den Flieger einsteigt; und in dieser Zeit steigert sich oftmals die Angst. Man sollte versuchen, soweit das möglich ist, entspannt in das Flugzeug zu steigen, zum Beispiel beruhigende Musik während der Wartezeit vor dem Abflug zu hören.