Keine Bedrohung für Amateursport

Mindestlohn/Vereinssport. Es ist immer wieder erschreckend, wie manche Politiker und Ex-Politiker sich zum Thema Mindestlohn äußern. Da wird zum Teil Unwissenheit mit populistischen Forderungen vermischt und die angebliche Sorge um den Niedergang der heimischen Fußballvereine wird dazu genutzt, den ab dem 1.Januar 2015 geltenden gesetzlichen Mindestlohn in Misskredit zu bringen.

Im Kreis Olpe gibt es von der Struktur her überwiegend kleine und mittelgroße Sportvereine. Diese werden von Ehrenamtlichen geführt, deren Tätigkeiten generell nicht unter das Mindestlohngesetz fallen. Gesellschaftliches Engagement, in Form des Ehrenamtes, kann daher unverändert fortgeführt werden. Ebenfalls vom Gesetz nicht betroffen sind Übungsleiter, Trainer etc. die allesamt jährlich höchstens 2400 Euro verdienen und daher unter dem Übungsleiterfreibetrag liegen. Auf Anfrage erklärt das Präsidiumsmitglied des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes Dr. Stephan Osnabrügge dazu: „Halten sich die Vereinsverantwortlichen an einige Regeln, hat das neue Gesetz nur geringfügige Auswirkungen und ist sicherlich nicht existenzbedrohend für den heimischen Amateursport. An der praktischen Handhabung im typischen Vereinsleben wird sich kaum etwas verändern, so lange auch die schon bisher geltenden gesetzlichen Bestimmungen beachtet werden. Natürlich muss ein Vertragsspieler weiterhin ordnungsgemäß gemeldet werden und für ihn sind Steuern und Sozialabgaben abzuführen. Dies haben die seriös geführten Vereine im Kreis Olpe schon in der Vergangenheit korrekt durchgeführt und werden dies zukünftig nicht anders handhaben.

Liest man zwischen den Zeilen des Artikels, so erkennt man unschwer, dass Kunibert Kinkel und Dr. Heider nicht nur die Dokumentationspflicht, sondern der Mindestlohn an sich, ein Dorn im Auge ist. Hier sind sie auf der Linie vieler CDU-Abgeordneter des Deutschen Bundestages.

Wer sich mit Arbeitnehmern unterhält, die von dieser Regelung betroffen sind, gewinnt Einblick in die Wirklichkeit des deutschen Arbeitsmarktes: Chefs, die bisher schon Hungerlöhne gezahlt haben, wollen ihre Mitarbeiter weiter austricksen. Dafür suchen sie händeringend Auswege. Eine fehlende Dokumentationspflicht der geleisteten Stunden würde diesem Vorhaben Tür und Tor öffnen und für alle Unternehmen die selbstverständlich anständige Löhne zahlen, einen erheblichen Wettbewerbsnachteil bedeuten.

Für die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns braucht es Kontrollmechanismen in der Erfassung der Arbeitszeit. Dieser Lohn bezieht sich auf die Bezahlung pro Stunde und deswegen ist nicht nur die Lohnhöhe, sondern auch die Länge der Arbeitszeit maßgeblich. Insbesondere bei Minijobbern ist es heute oft so, dass bei Krankheit oder Urlaub nicht die gesetzlich vorgeschriebene Entgeltfortzahlung stattfindet.

Wenn Kunibert Kinkel davon spricht, dass in die gesetzgebende Politik Menschen mit gesundem Menschenverstand gewählt werden sollten, kann er seinen CDU-Mitstreiter, den Bundestagsabgeordneten Dr. Heider, nicht gemeint haben. Diesem scheinen in Berlin die Realitäten der deutschen Arbeitswelt verloren gegangen zu sein, wenn er sie denn je besessen hat.