Kartografierte Ruhebänke als Helfer im Notfall
09.07.2008 | 18:26 Uhr 2008-07-09T18:26:43+0200Attendorn. (pr) Der rührige Seniorenrat der Stadt Attendorn befasst sich zurzeit intensiv mit dem Aufspüren, Katalogisieren und Kartografieren von Ruhebänken in Feld und Flur in der Umgebung der Hansestadt. ...
... Sinn und Zweck der aufwändigen Arbeit ist die exakte Standortbestimmung bei eventuellen Notfällen. Die Positionen der Ruhebänke werden per GPS-Koordinaten vermessen und diese bei der Kreis-Rettungsleitstelle in Olpe hinterlegt. Die Ruhebänke, rund 300 wurden bisher in der Attendorner Region aufgespürt, werden zusätzlich mit Nummern versehen. Die Kennzeichnung besteht jeweils aus dem Halbmond des Attendorner Stadtwappens, gefolgt von dem Buchstaben "A" und einer fortlaufenden Identifizierungsnummer von A 1 bis A 300 + an der Rückenlehne der Bank.
In einem Notfall muss der Leitstelle über den Notruf 112 nur die Nummer der nächsten Bank mitgeteilt werden, und dort weiß man anhand der erfassten Koordinaten sofort, wohin die Retter in Marsch gesetzt werden müssen. Unterwegs erhalten sie, falls erforderlich, aufgrund der GPS-Ortungsdaten weitere Hinweise für den kürzesten oder schnellsten Weg zum Einsatzort. Das spart unter Umständen lebenswichtige Zeit. Der Alarmierende sollte auf der Bank auf die Hilfskräfte warten. So sorgt das Banknummernsystem dafür, dass jede der Ruhebänke in der waldreichen Umgebung von Attendorn zu einer "Rettungsinsel" für Wanderer, Mountainbiker, Jogger und Spaziergänger wird. Vorausgesetzt, es werden Mobiltelefone mitgeführt und die Kennzeichnung der Bänke bleibt von Rowdytum verschont.
"Wir finden immer neue Bänke", berichtet Hans-Walter Neu, mit Ulli Lingemann und Franz Richard einer der Initiatoren der Aktion, von seinen Exkursionen ins Ebbe. Die Arbeit ist in vollem Gange und etliche Bänke sind bereits nummeriert und erfasst.
Weitere zentrale Themen des Seniorenrats sind die "Zertifizierung" der Attendorner Geschäfte und Arztpraxen sowie das Projekt Barrierefreiheit. In Kooperation mit der Attendorner Werbegemeinschaft wurden deren Mitglieder angeschrieben und gebeten, ihre Läden und Praxen auf Behindertentauglichkeit zu untersuchen und, falls erforderlich, Rollstuhlfahrern einen selbstständigen Zugang zu ermöglichen. Die Mitglieder des Seniorenrates wissen sehr wohl, dass das nicht immer möglich ist. Aber auch sensibilisierte Mitarbeiter, die mit Behinderungen der Kunden umgehen können, sorgen für Pluspunkte bei der Zertifizierung.
Optimal sind ein ebenerdiger Eingang, Rampen, selbsttätig öffnende und schließende Türen sowie eine Behinderten-Toilette. Ein Fragenkatalog gibt die Kriterien für die Zertifizierung vor und eine "Prüfkommission" wird gegebenenfalls das Zertifikat mit einem Aufkleber an der Eingangstür bestätigen. Behinderte und besonders Rollstuhlfahrer werden so problemlos die Lokalität als eine behindertenfreundliche Stätte erkennen können.
Das gemeinsam von Seniorenrat, CDU-Frauen-Union und der Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen betriebene Projekt Barrierefreiheit befasst sich mit der Auflistung baulich schwieriger Situationen im öffentlichen Verkehrsraum, die die Mobilität von Senioren und Behinderten empfindlich beeinträchtigen. Dazu gehören unter anderem fehlende Zebrastreifen, holpriges Kopfsteinpflaster, Schrägungen auf Bürgersteigen und an Ampelübergänge sowie nicht ausreichend abgesenkte Bordsteine.
Die Auflistung wird der Stadtverwaltung mit der Bitte um Abänderung mitgeteilt. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass diese Mängel nicht kurzfristig behoben werden können. Die meisten sind im Verlauf von Jahrzehnten entstanden und wurden Jahrzehnte so akzeptiert. Es wird schwer, jetzt plötzlich Änderungen durchzusetzen", wissen die Seniorenräte.
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