Kampf ums Alte Amtshaus

Ehemals Katasteramt, später Rathaus des Amtes Bilstein, heute Museum und Atrchiv der Stadt Lennestadt -. und morgen?
Ehemals Katasteramt, später Rathaus des Amtes Bilstein, heute Museum und Atrchiv der Stadt Lennestadt -. und morgen?
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Stadt Lennestadt will das Alte Amtshaus in Grevenbrück verkaufen, der dortige Heimatverein will,das Gebäude als Domizil des Lennestädter Heimatmuseums erhalten.

Lennestadt..  Es gibt für Rat und Verwaltung kein Tabu im Rahmen der Haushalts-Konsolidierung. Denn ansonsten drohte die Haushaltssicherung. Und um dort nicht hinein zu geraten, werden kurz- und mittelfristig alle Hebel in Bewegung gesetzt.

Schwimmbecken-Schließungen, der Verkauf von städtischen Miethäusern, Zuschuss-Kürzungen - die Streichliste ist lang. Und auch vor dem Alten Amtshaus in dere Kölner Straße 50 in Grevenbrück wird kein Halt gemacht. Das beherbergt derzeit - noch? - das Lennestädter Heimatmuseum. Doch das kann und soll - so die Pläne der Etat-Sanierer - in den Kultur-Bahnhof umziehen. In der ersten Etage - natürlich behindertengerecht per Aufzug zu erreichen - könnte die Dauerausstellung attraktiv untergebracht werden. Im Parterre wäre dann neben dem Ess-Bahnhof immer noch genügend Platz für Wechselausstellungen.

Vorstand ist sauer

Alles andere als begeistert zeigt sich der Heimatverein Grevenbrück, ehrenamtlicher Betreiber des Heimatmuseums. Was den Vorstand mit Vorsitzendem Engelbert Stens, seinem Stellvertreter Michael Linn und Kassierer Hubertus Kaiser besonders wurmt ist die Tatsache, dass sie von den Plänen der Stadt erst aus der Zeitung erfahren haben. Stens: „Wir fühlen uns gekränkt bis in die Seele. Das kam ohne Vorwarnung - und das im Grevenbrücker Jubiläumsjahr.“ Sein Vize wird noch deutlicher: „Dieser Umgang mit uns ist gar nicht gut..“ Den Plänen der Stadt erteilt das Trio eine klare Absage: „Ein Umzug von Archiv und Museum 1:1 in den Kulturbahnhof ist nicht umsetzbar.“

Sicherlich könnte man dort im Parterre Sonderausstellungen wie die erfolgreiche „störig“-Präsentation durchführen. Bürgermeister Hundt habe sich in der Thomas-Hundt-Sitzung ja mit den dabei gezählten 2500 Besuchern gebrüstet. Doch für den gesamten Fundus des Museums samt städtischem Archiv sei der Bahnhof viel zu klein.

5400 Exponate hat der Heimatverein in den Jahren seit der Museumsgründung gesammelt. Alles in ehrenamtlicher Arbeit. Die werde jetzt mit Füßen getreten. Sonderausstellungen, die Exponate aus den Peperburg-Grabungen oder die regelmäßigen interaktiven Web- und Handarbeitsveranstaltungen im Museum lockten pro Jahr mehr als 2000 Besucherinnen und Besucher an.

Ehrenamtliche Arbeit

Stens: „Pro Jahr sind das rund 1000 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Mal 25 Jahre - da kommt ein gewaltiger Batzen zusammen.“

Das Alte Amtshaus besitze Ortsbild prägenden Charakter, steht unter Denkmalschutz. Als Mietobjekt sei es sicherlich ebenfalls nicht tauglich. Linn: „Wer will das kaufen?“ Stens: „Schlimmstenfalls könnten hier Flüchtlinge untergebracht werden.“

Bicher-Nachlass

Der mühsam erarbeitete Museums-Entwicklungsplan würde bei einem Verkauf des Hauses über Bord geworfen. Vom gesamten Nachlass des Grevenbrücker Malers Reinhold Bicher einmal ganz abgesehen: „Der Heimatverein hat den gesamten künstlerischen Nachlass mit rund 700 Exponaten übernommen. Wie will man die denn im Bahnhof zusätzlich unterbringen?

Auf jeden Fall wollen die Grevenbrücker die städtischen Verkaufspläne nicht widerspruchslos hinnehmen. Gespräche mit dem Bürgermeister sind ebenso vorgesehen wie eine Bürgerversammlung:„Wir werden um dieses Haus kämpfen“, macht Engelbert Stens die Ambitionen des Heimatvereins und seiner zahlreichen ehrenamtlichen Mitstreiterdeutlich.