Kaffeekanne wird zum Kalklager

Carina kann es kaum fassen: Nur eine Nacht lang stand das Waser in der Kaffeekanne - jetzt istz diese völlig verkalkt - von glasklarem Durchblick keine Spur
Carina kann es kaum fassen: Nur eine Nacht lang stand das Waser in der Kaffeekanne - jetzt istz diese völlig verkalkt - von glasklarem Durchblick keine Spur
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wenn von Verkalkung die Rede ist, denkt man unwillkürlich an medizinische Probleme. Doch was Bürger derzeit in Lennestadt auf die Palme bringt, hat ebenfalls etwas mit Kalk zu tun. Allerdings im Trinkwasser.

Lennestadt/Kreis Olpe..  Wenn von Verkalkung die Rede ist, denkt man unwillkürlich an medizinische Probleme. Doch was Bürger derzeit in Lennestadt auf die Palme bringt, hat ebenfalls etwas mit Kalk zu tun. Allerdings im Trinkwasser.

„In den letzten Jahren haben sich immer mal wieder Bürger über den Kalkgehalt des Trinkwassers, also die ihrer Meinung nach zu große Wasserhärte beschwert“, erläutert Lennestadts Stadtwerkeleiter Peter Quinke. Häufig werde dabei auf die Wasserqualität im Luftkurort Saalhausen verwiesen, der über eine eigene Wasserversorgung verfügt. Der geplante Anschluss an das Netz der Kreiswasserwerke scheiterte vor Jahren am Protest der Saalhauser. Stattdessen wurden - erfolgreiche - Tiefenbohrungen im Milchenbacher Tal durchgeführt und der rund 400 Kubikmeter fassende Wasserhochbehälter am Fuße des Herrscheids aufwändig saniert. Quinke: „Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird die Wasserversorgung des Ortes aus dem neuen Tiefbrunnen erfolgen.“ Die Quellen im Böddestal hätten nicht mehr die benötigte Wassermenge geliefert. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sie ganz aus dem Versorgungssystem genommen würden.

Ob sich der Luftkurort mit den neuen „Quellen“ dann immer noch über ein „weiches Wasser“ mit Härtegraden zwischen 4 und 5 freuen kann, bleibt abzuwarten. Das Wasser, das die Kreiswerke, Abteilung Wasser - ehemals Kreiswasserwerke - liefern, besitzt eine Härte von 11,3 Grad. Offensichtlich sorgt dieser Wert aber für Verärgerung in der Lennestädter Bevölkerung.

Kalkschicht über Nacht

In einem Altenhundemer Büro wurde per Kaffeemaschine eine Kanne heißes Wasser bereitet, um ein paar Tassen Tee aufbrühen zu können. Der Rest des Wassers blieb über Nacht in der Kanne. Die Mitarbeiter trauten am nächsten Morgen ihren Augen nicht: An Boden und Wänden der Glaskanne hatte sich eine dicke trübe Kalkschicht abgelagert. Neben einem optischen Unbehagen entstand die Frage, wie sehr Spül- und Waschmaschinen oder auch Kaffee- und Teeautomaten durch derartiges Wasser gefährdet sind.

Wir verändern absolut nichts

Die Stadt Lennestadt ist sich keiner Schuld bewusst: „Wir übernehmen das Wasser von den Kreiswerken und verändern absolut nichts“, so Quinke. In dieser konkreten Form lägen bisher noch keine Beschwerden vor: „Wir nehmen diesen Vorfall zum Anlass, Wasserproben zu entnehmen.“

Joachim Janke, Leiter der „Kreiswasserwerke“, sieht das Problem gelassen. Das Wasser für Altenhundem stamme aus dem Hochbehälter im Repetal. Seit Jahren habe man nichts verändert, die Wasserqualität unterliege genauesten Kontrollen. Andere Lennestädter Ortsteile würden mit dem gleichen Wasser beliefert, von dort gebe es aber keine Reklamationen. Beschwerden habe es in der Vergangenheit z.B. aus Zahnarztpraxen gegeben. Janke: „Es ist aber ein offenes Gehemins, dass Geräte alle drei Monate entkalkt werden müssen. Vor der Anschaffung von Geräten sollten sich die Benutzer beim Hersteller auch über die benötigte Wasserqualität informieren.“

Im Übrigen habe der Kalkgehalt nichts mit der Wasserqualität zu tun. Ob weich, mittel oder hart - werde das Wasser über 80 Grad erhitzt, würde Kalk ausgeschieden. In Finnentrop habe der Härtegrad bei 14-15 Grad gelegen. Nach häufigen Beschwerden aus der Bevölkerung wurde dort in Müllen eine sündhaft teure Nano-Filteranlage installiert. In Thüringen beispielsweise seien Härtegrade von 40 und darüber an der Tagesordnung.

Härteres Wasser ist nicht schlechter

Das kann die Bürger in Altenhundem und Umgebung aber nicht trösten. Obwohl Janke betont: „Härteres Wasser ist nicht schlechter. In der Trinkwasserverordnung gibt es keine Grenzwerte, bei uns ist alles in Ordnung. Unser Wasser ist von hervorragender Qualität.“ So könne man seit Jahren auf den Einsatz von Chlor verzichten. Möglich sei eine Beeinflussung durch Baumaßnahmen am Wasserleitungsnetz durch die Stadt Lennestadt von den Hochbehältern zu den Haushalten. Doch da kann Peter Quinke beruhigen: „Wir haben im Netz nicht das geringste verändert.“ Und weil nun auch die Kreiswerke Wasserproben ziehen wollen, kann man gespannt sein auf die Ergebnisse. Und sich danach dann Gedanken machen über die Lebensdauer von Waschmaschine und Co.