Kästners Intention perfekt umgesetzt

Erich Kästners Roman „Pünktchen und Anton“ begeisterte vollends als Musical im PZ. Erich Kästners Werk fiel am 10. Mai 1933 der Bücherverbrennung zum Opfer.
Erich Kästners Roman „Pünktchen und Anton“ begeisterte vollends als Musical im PZ. Erich Kästners Werk fiel am 10. Mai 1933 der Bücherverbrennung zum Opfer.
Foto: Julia Eiden
Was wir bereits wissen
Das Junge Theater Bonn gastierte mit dem Musical „Pünktchen und Anton“ nach dem Erfolgsroman von Erich Kästner auf der Bühne des PZ in Meggen.

Meggen..  Der Roman „Pünktchen und Anton“, von Erich Kästner im Jahr 1931 geschrieben, fiel am 10. Mai 1933 der Bücherverbrennung zum Opfer. Doch sein Eintreten für Freundschaft und Verlässlichkeit, besonders aber seine pointierte Sozialkritik – heute erneut beängstigend aktuell - konnten die Nationalsozialisten nicht zerstören. Dies wurde, auch dank des atmosphärisch dichten, auf die damalige Zeit abgestimmten Bühnenbildes, bei der Jugendaufführung im Pädagogischen Zentrum in Meggen sehr deutlich.

Junges Theater Bonn

Für das Junge Theater Bonn schufen Komponist Marc Schubring und Wolfgang Adenberg aus dem im Berlin der 30er Jahre spielenden Roman ein Musical, das sich wohltuend vom Gros der diesbezüglichen Massenware abhebt.

Mitreißende, choreographisch perfekt inszenierte Tanzszenen und schmissige Lieder unterstreichen in ihrer vordergründigen Fröhlichkeit noch die drohenden Anzeichen des politischen wie gesellschaftlichen Umbruchs. Ohnehin von der Handlung in Bann gezogen, war es auffallend, wie sensibel die Kinder durch wandlungsfähige Art des Mitklatschens auf die unterschiedliche Aussage der Lieder reagierten.

Obwohl bei der Aufführung des JTB die Freundschaft zwischen den beiden ihrer Herkunft nach so ungleichen Kindern im Mittelpunkt steht, ist die Entwicklung der immer stärker angespannten sozialpolitischen Lage, dem „Nährboden“ (Programmheft) für die Entwicklung des „Dritten Reiches“, durchaus deutlich sichtbar. Eindrucksvoll herausgearbeitet ist auch die warmherzige Beziehung zwischen der in ärmlichsten Verhältnissen lebenden Mutter (Andrea Brunetti) zu Sohn Anton (Benedikt Lewalter), die in krassem Gegensatz zu dem unterkühlten Verhältnis von Pünktchens (Tamina Friedrich) wohlhabenden Eltern (Nicole Johannhanwahr und Christian Steinborn) zu ihrer reizenden Tochter steht- ganz zu schweigen vom Kindermädchen (Katharina Felschen), das in seiner emotionalen Eingeschränktheit fast schon zu bedauern ist.

Das Herz erwärmend wie immer, dabei mit dem ihr eigenen Humor, bereichert Giselheid Hönsch als Köchin Berta das Geschehen, schlägt sogar den Einbrecher, Prototyp des sich entwickelnden Mobs und schön fies dargestellt von Thomas Kahle, k.o. Ende gut, alles gut.

14 Kinder in zwei Besetzungen

Neben den Erwachsenen machen insgesamt 14 Kinder in zwei alternierenden Besetzungen das Musical zu einem großartigen Erlebnis. Im PZ glänzte Tamina Friedrich als Pünktchen mit kindlicher Spontanität sowie unbeschwerten Tanz- und Gesangszenen, während Benedikt Lewalter als durch seine Lebensumstände schon gereifterer Junge einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Großer Applaus.