Julia Hense zog Fahrer aus brennendem Lkw

Flammendes Inferno auf der Sauerlandlinie: Zufällig fuhr Julia Hense die Strecke und hielt sofort an.
Flammendes Inferno auf der Sauerlandlinie: Zufällig fuhr Julia Hense die Strecke und hielt sofort an.
Foto: Alex Talash
Was wir bereits wissen
Die Rettungsassistentin der Wache Finnentrop kam auf dem Weg zur Arbeit an der Unfallstelle vorbei und zeigte bewundernswerten Mut.

Finnentrop/Dortmund..  Sie ist nicht nur außergewöhnlich mutig, sondern kann, wenn es drauf ankommt, auch richtig zupacken. Beide Eigenschaften haben einem 50-jährigen Lkw-Fahrer vermutlich das Leben gerettet: Die Rede ist von Julia Hense, 30-jährige Rettungsassistentin auf der Rettungswache in Finnentrop.

„Es war schon ein bisschen warm“

Die Dortmunderin, ganz nebenbei alleinerziehende Mutter von zwei Jungs (5 und 2 Jahre alt), spricht über ihren unfreiwilligen Einsatz am vergangenen Freitag, als ob’s (fast) nichts gewesen sei. Angst? „Ja doch, die hatte ich, aber in so einer Situation handelt man einfach.“ Was dringend von Nöten war: Denn ein 50-jähriger Lkw-Fahrer war auf der A 45 so heftig in eine Betonwand gerast, dass das Fahrzeug Feuer fing.

Julia Hense war da gerade unterwegs von Dortmund nach Finnentrop zur 24-Stunden-Schicht: „Kurz vor der Ausfahrt Lüdenscheid Nord sah ich die Warnblinkanlagen und dann auch schon den brennenden Lkw.“ Das Feuer habe das Führerhaus zwar noch nicht erreicht, aber: „Es war ziemlich verraucht und es wurde auch ein bisschen warm.“

Kurz zuvor habe ein Mann, offenbar ein Autofahrer, der ebenfalls angehalten hatte und eine Warnweste trug, gerufen: „Da liegt noch einer bewusstlos im Auto.“

Die Rettungsassistentin überlegte nicht lange, obwohl die Situation brenzlig war: „Der Fahrer lag quer im Fußraum. Es war nicht leicht, ihn da herauszukriegen.“ Aber, so sagt die 1,70 m große Frau sogar ein wenig amüsiert: „Ich bin eher kräftig, und wir müssen ja auch bei der Rettungswache schon mal Schweres schleppen.“

Blutdruck gemessen, Lunge abgehört

Nach einigem Zerren seien dann noch weitere Helfer hinzugekommen, die die Beine des Fahrers entgegen genommen hätten. Mit vereinten Kräften sei es dann gelungen, den kurze Zeit später wieder ansprechbaren Mann weit genug vom brennenden Lkw wegzutragen.

Äußerlich, erinnert sich die 30-Jährige, sei der Mann nicht verletzt gewesen: „Ich hatte meine Notfalltasche dabei, habe Blutdruck gemessen und die Lunge abgehört.“ Kurz darauf sei eine zufällig auf der A 45 unterwegs gewesene Ärztin zur Unfallstelle gekommen und habe dem Mann noch eine Infusion gelegt. Auch die hatte die Rettungsassistentin an diesem Tag in ihrem Notfallkoffer.

„Komme 20 Minuten später“

Dass die junge Frau hart im Nehmen ist, bewies sie kurz nach der Rettungsaktion mit ihrer unaufgeregten Reaktion: „Ich hab’ meinen Chef angerufen und gesagt, dass ich 20 Minuten später komme.“ Eine weitere Verschnaufpause habe sie nicht benötigt - die 24-Stunden-Schicht normal durchgezogen.

Ein riesiges Lob gab es gestern von Olpes Kreisdirektor Theo Melcher, zuständig für das Rettungswesen im Kreis: „Ich habe sie am Freitag sofort angerufen und sie ausdrücklich für ihr mutiges Verhalten gelobt. Sie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass es noch Menschen gibt, die an einer solch gefährlichen Situation nicht achtlos vorbei fahren.“