Jäger mahnen: Finger weg von den Rehkitzen

Lennestadt/Kreis Olpe..  Einen dringenden Appell richtet die heimische Jägerschaft an Spaziergänger und Wanderer: „Wer ein junges Rehkitz findet, das scheinbar verlassen wurde – bitte auf keinen Fall anfassen oder aufheben“, so Wolfgang Rameil, Leiter des Hegerings Kirchhundem. Sein „Bilsteiner Kollege“ Thomas Demmerling ergänzt: „Auch wenn es auf den ersten Anschein nicht so aussieht – die Ricke ist ganz in der Nähe. Selbst wenn das Kitz jämmerlich klagt: Finger weg!“ Denn wird das Kitz von Menschen berührt und wittert das Muttertier bei seiner Rückkehr den menschlichen Geruch, kann es sein, dass es das Kitz verstößt.

Tragzeit

Jetzt sind in der Natur die ersten Rehkitze zu beobachten. Nach einer Gesamttragzeit von 9 1/2 Monaten setzen die Ricken ihre Kitze. Die lange Tragzeit liegt an der Keimruhe des befruchteten Eies. Dieses hält eine Keimruhe bis Dezember, erst dann beginnt die Weiterentwicklung. Im Sauerland, so Rameil, werden meist ein bis zwei Kitze je Ricke ausgetragen und im Mai und Juni zur Welt gebracht. In anderen Regionen gibt es schon mal Drillinge oder sehr selten sogar Vierlinge. Die Kitze werden in den ersten drei bis vier Wochen von den Ricken in Deckung abgelegt, während das Muttertier äst, also Nahrung aufnimmt. Die Ricke kommt regelmäßig zum Säugen zurück.

Hervorragende Tarnung

Trotz hervorragender Tarnung können Wanderer und Spaziergänger die abgelegten, aber keinesfalls verlassenen Jungtiere finden. Rameil: „Bitte halten Sie Abstand und entfernen sich vom Kitz. Wenn man ein Kitz berührt oder sogar aufnimmt, kann es von der zurückkehrenden Mutter verstoßen und nicht mehr gesäugt werden. Das würde für das Kitz den sicheren Tod bedeuten.“

Doch dieses menschliche Fehlverhalten kommt mehrmals im Jahr vor, wie Demmerling zu berichten weiß: „Zuletzt wurde in Theten ein Rehkitz bei einem Jäger abgegeben. Bei seiner Mutter wäre es sicherlich viel besser aufgehoben.“

Neben den Rehkitzen sind zahlreiche andere frisch geborene Säugetiere und Vögel in der Natur angekommen. Deshalb sind alle Besitzer von Hunden und Katzen dringend dazu aufgerufen, auf ihre Vierbeiner sorgfältig zu achten und an die Leine zu nehmen. Rameil: „Die Jungtiere und deren Eltern haben oft nicht die Möglichkeit zur Flucht und könnten leicht Beute werden.“

Eine dringende Bitte richten die Hegeringleiter auch an die Landwirte: „Bitte informieren Sie vor der jetzt anstehenden ersten Mahd die örtlichen Jagdpächter oder deren Jagdaufseher. Dann können gemeinsame Maßnahmen wie das Absuchen der Wiesen ergriffen werden, um völlig überflüssige Verluste bei Jungtieren zu vermeiden.“