Innenstadt wird komplett umgekrempelt

Der Seewerngraben zwischen Kirche und Rathaus soll für den Durchgangsverkehr gesperrt werden
Der Seewerngraben zwischen Kirche und Rathaus soll für den Durchgangsverkehr gesperrt werden
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wer einen längeren Auslands- oder Gefängnisaufenthalt plant, die Hansestadt also in diesem Jahr verlässt und sie vielleicht erst 2022/23 wieder besucht, wird sie kaum wiedererkennen.

Attendorn..  Wer einen längeren Auslands- oder Gefängnisaufenthalt plant, die Hansestadt also in diesem Jahr verlässt und sie vielleicht erst 2022/23 wieder besucht, wird sie kaum wiedererkennen. Wenn alles das, was am Dienstagabend in der Stadthalle vorgestellt worden ist, umgesetzt sein wird, wird Attendorn sein Gesicht verändert haben.

95 Einzelmaßnahmen zählt, wer sich das Innenstadtentwicklungskonzept genau ansieht, Maßnahmen, die sich bei einer ersten, oberflächlichen Addition auf mehr als 20 Millionen Euro summieren. Die Hälfte der Kosten könnte man über Fördermittel an das Land weiterreichen, allerdings muss die Hansestadt alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit dem Verkehr (auch dem ruhenden) stehen, selbst tragen. Will die Stadt Fördermittel in Anspruch nehmen, muss sie mit Hochdruck zur Sache gehen, denn dann müssen die Projekte innerhalb von acht Jahren umgesetzt werden.

Bürgermeister Christian Pospischil, der Beigeordnete Carsten Graumann, sowie die Planer Hans Rainer Runge (Düsseldorf) und Bernd Niedermeier (Aachen) stellten die Planungen vor, anschließend gab es Zeit für Fragen und Anregungen.

Die sogenannte „Quartiersentwicklung“, die sich vor allem die Verbesserung der Aufenthaltsqualität zur Aufgabe gemacht hat, ist offensichtlich mehrheitsfähig.

Diskussionsbedarf gibt es vor allem bei der künftigen Verkehrsführung (inklusive Parkplätzen) und der ewigen Attendorner Wunde, den Hoesch-Hallen.

Hans Rainer Runge stellte klar, dass er dem Rat die Variante IV, das sogenannte „Schleifenkonzept“ empfiehlt. Das Ziel, die Innenstadt konsequent vom Durchgangsverkehr zu entlasten, soll erreicht werden, indem der Seewerngraben zwischen Erlöserkirche und Rathaus für den Durchgangsverkehr gesperrt wird. Von dort gäbe es dann keine Verbindung mehr in Richtung Breite Straße / Wassertor. Wer also in die südliche Innenstadt will, müsste über Hansastraße / Kölner Straße / Zollstock fahren.

Ein Thema bleiben werden auch die Parkplätze und dabei insbesondere die Frage, wie konsequent man die Innenstadt vom Verkehr befreien will. Christian Springob, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, mahnte noch einmal in der Ennester Straße die in der Politik umstrittenen Kurzzeitparkplätze an.

Dauerparker werden schon bald genau wissen, wo die Mühlwiese (Recycling-Hof) ist, dort sollen mehr als 200 kostenlose Plätze entstehen.

Sicher ist wohl, dass die Niederste Straße kurzfristig ab Einmündung Nordwall/Ostwall zur Einbahnstraße wird, und es dadurch zum Beispiel für Autofahrer auch ohne Poller keinen Sinn mehr macht, sich Schleichwege wie den Kleinen Graben oder die Schemper Straße zu suchen, weil man doch immer wieder in Richtung Windhauser Straße geführt wird.

Und die Hoesch-Hallen? Carsten Graumann bestätigte, dass die Stadt noch einmal mit Hermann Seelbach gesprochen hat, weitere Verhandlungen aber für sinnlos hält. Die Preisvorstellungen sind vermutlich unverändert. Vor ein paar Jahren war einmal die Summe von zehn Millionen Euro als die Untergrenze kolportiert worden, ab der Seelbach bereit sei nachzudenken. Hans-Rainer Runge warnte vor solchen Projekten, da er im Ruhrgebiet entsprechende Erfahrungen gemacht habe: „Unter 20 Millionen geht da meistens nichts. Man hat den Erwerb, den Abriss und die Sanierung der Hinterlassenschaften und das ist meistens das Teuerste.“ Die Verwaltung will dem Rat das Ergebnis der Gespräche mit Hermann Seelbach zur Entscheidung vorlegen.

Trotzdem gab es aus den Reihen der Besucher Stimmen, die dazu aufriefen, sich des Themas weiter anzunehmen. Uwe Beul („Billiger wird es nicht mehr“) riet dazu, ebenso Nicole Kost („Man darf das Gelände nicht nur auf mögliche Parkplätze reduzieren“).

Einzelhandel aufwerten

Bleibt die Frage, warum Bürger und Besucher künftig die Attendorner Innenstadt besuchen sollen. Konsens scheint zu sein, dass das Zentrum durch zusätzlichen, attraktiven Einzelhandel aufgewertet werden muss. Aber wo?

Nach Aussage von Bürgermeister Pospischil gibt es durchaus Interessenten. Im Gespräch sind in diesem Zusammenhang die Bereiche Wasserstraße/Tangel, Kölner Straße und Alter Busbahnhof. Ein weiterer Vorschlag kam aus dem Plenum: Die Sparkasse blockiert mit ihrer Hauptstelle an der Kölner Straße eine 1a-Lage. Das sei künftig für Abhebungen am Automaten oder Beratungsgespräche nicht mehr nötig. Also: Sparkasse abreißen und einen Frequenzbringer/Ankermieter werben. Bürgermeister Pospischil warf sich für das Rote „S“ in die Bresche: „Die Sparkasse ist auch ein Frequenzbringer.“

„Mal mitnehmen“ will Christian Pospischil die Idee von Maik Rosenberg, der vorgeschlagen hatte, die akute Parkplatznot, die durch die Bauarbeiten auf dem Feuerteich entstehe, dadurch zu mildern, dass die Stadt den Sportplatz vor dem Konvikt kaufe/pachte. Zwei Fußballmannschaften, die gegeneinander spielen könnten, bringen die Schüler im Kollegium sowieso nicht mehr zusammen.