„Infrastruktur und Finanzlage müssen solider werden“

Lennestadt..  Zum Jahreswechsel stellte die Redaktion fünf Fragen an Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt.


Frage: Was war für Sie das einschneidendste Ereignis 2014 in Lennestadt, in Deutschland, auf der Welt?

Stefan Hundt: Die intensivste Diskussion gab es in Lennestadt im vergangen Jahr sicherlich um die Entwicklung der weiterführenden Schulen. Die ständigen Änderungen in den Schulgesetzen hatten die Eltern und die Entscheidungsträger verunsichert. Insofern war dann endlich der Start der neuen Sekundarschule Hundem-Lenne in der Kooperation mit der Gemeinde Kirchhundem ein wesentlicher Aufschlag für eine neue nachhaltige Schulstruktur vor Ort.

Städtebaulich hat die Lennestadt einen Gewinn mit der Regionale erfahren. Viele Projekte, die hier vor Ort mit den Bürgern entwickelt wurden, befinden sich nun in den Umsetzungsphasen. Es ist sehr erfreulich, dass diese städtebauliche Entwicklung, die im Moment auch dringend notwendig für unsere Stadt ist, mit öffentlichen Mitteln unterstützt wird.

In Lennestadt wie auch in Deutschland mussten wir neu nachdenken über die Hilfen neuer zahlreicher Asylanten, vornehmlich vom afrikanischen Kontinent. Die Unterbringung ist eine große Herausforderung für die Städte und Gemeinden. Wichtig ist allerdings auch, dass die Flüchtlinge hier bei uns freundlich aufgenommen und in die Gesellschaft integriert werden. Darauf sind wir vorbereitet mit der Unterstützung aktiver ehrenamtlich tätiger Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Die Zuwanderungen erinnern natürlich auch täglich an die internationalen Unruhen wie in der Ukraine, in Korea oder Arabien.

Was war der emotionalste Moment?

Menschlich am stärksten getroffen haben mich das Elend und die Not in Syrien und im Nordirak. Aber auch die Ebola-Epidemie in Westafrika. Das große Leid und die Hilflosigkeit der Menschen zeigen die eigene Ratlosigkeit. Insbesondere weil ich die Region besucht habe, macht mir deutlich, wie wichtig unsere Hilfe ist. Bewundernswert ist für mich der Einsatz einer Lennestädter Ärztin, die im Auftrag der Organisation Ärzte ohne Grenzen selbstlos mitgeholfen hat, die Not mit dieser Krankheit zu lindern.

Worüber haben Sie sich in Lennestadt am meisten geärgert und am meisten gefreut?

Am meisten geärgert habe ich mich über die ungerechte Finanzpolitik des Landes den Kommunen im ländlichen Raum gegenüber. Und die unbegründete Zurückhaltung des Bundes bei der Beteiligung an den Sozialkosten der Kommunen.

Am meisten gefreut habe ich mich über den lebendigen und konstruktiven Bürgerdialog sowie die tätige Mithilfe bei ehrenamtlichen und städtischen Projekten. Natürlich habe ich mich über das große Vertrauen der Bevölkerung bei der Bürgermeisterwahl im Mai gefreut und über die große Auszeichnung der polnischen Republik im November.

Was kann, sollte, muss sich im kommenden Jahr zum Positiven hin verändern?

Die Infrastruktur und die Finanzlage der Stadt Lennestadt müssen solider werden. Darüber hinaus muss das Umweltministerium von seinen derzeitigen Windkraftplänen für das Sauerland abrücken. Ich wünsche mir diesbezüglich eine rücksichtsvolle Planungsgrundlage für die Städten und Gemeinden im hiesigen Raum.

Und wie wollen Sie das bewerkstelligen?

Der Haushalt der Stadt Lennestadt für 2015 steht derzeit noch auf dem politischen Prüfstand mit allen im Rat vertretenden Fraktionen und der Verwaltung. Ich denke, dass mit der Verabschiedung vernünftige Zeichen für unsere gemeinsame Zukunft gesetzt werden.

Was die Windenergie im Sauerland angeht, möchte ich meine Rolle im Regionalrat Arnsberg nutzen, um Einfluss auf die Entscheidungen in Düsseldorf auszuüben. Wir haben Verantwortung zu übernehmen, was unsere Beteiligung an der Energiewende angeht. Andererseits halte ich bei der Suche von neuen Standorten für Windkraftanlagen ein maßvolles und rücksichtsvolles Planungsspektrum als wesentliche Basis für ein gesundes Leben in unserer Heimat für angebracht.

Mit Bürgermeister Stefan Hundt sprach Werner Riedel