In Wenden werden Fahnen für Fußball-Bundesliga hergestellt

Unternehmerin Roswitha Merz in Wenden hat sich auf Fußball-Fahnen spezialisiert.
Unternehmerin Roswitha Merz in Wenden hat sich auf Fußball-Fahnen spezialisiert.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Die gelernte Damenschneiderin Roswitha Merz hat sich in Wenden höchst erfolgreich auf die Herstellung von Fahnen und Banner spezialisiert. Zum Beispiel für Stadien.

Wenden.. Ein warmer Frühsommer-Abend im Berliner Olympiastadion. Pokalendspiel. Erwartungsvolle Stimmung. Überall flattern Fahnen, Tribünenbanner, Wimpel, hängen Transparente. Den Mittelkreis ziert ein so genannter Aufleger von etwa 18 Meter Durchmesser aus Stoff, den meist Kinder ins Stadion tragen. Wer weiß schon, dass der Großteil davon in Wenden genäht wurde - bei der Signum Trikora GmbH. „Wir nähen auch für die Fußball-Bundesliga“, berichtet Inhaberin Roswitha Merz (63), der man die knallharte Geschäftsfrau nicht auf den ersten Blick ansieht. „Und für Filmproduktionen von historischen Stoffen“.

Das weiß nur keiner. Im einen Fall, weil sich die Falschen angesprochen fühlen könnten und im anderen, weil Werbeagenturen mit Argusaugen darüber wachen, dass ihnen kein Geschäft im lukrativen Spitzenfußball entgeht. „Wir machen das schon ewig“, entfährt es Roswitha Merz, dabei besteht das Unternehmen doch erst seit 1998. Und seit 2007 ist man im großen Stil im Fußball-Geschäft. „Wir sind froh, dass wir mit auf dieser Welle schwimmen“, so die Inhaberin.

Vor Fußball-Boom lief es traditionell

Zwar wurden Fahnen, Banner und Wimpel schon immer hergestellt, aber der Fußball hat der Signum Trikora GmbH noch einmal einen kräftigen Schub gegeben. Deutschland-Fahnen etwa, die seit der Fußball-WM 2006 im eigenen Land jeder vor seinem Ferienhaus oder seinem Schrebergarten hängen haben wollte. „20 Euro“, schätzt Roswitha Merz kurz den Preis der Polyester-Ware - für Stadien wird B1-Polyester genommen, das brennt nicht. Und vor dem Fußball-Boom? Da ging es ganz traditionell zu: Schützenfest- und Fronleichnams-Fahnen, die gehörten im katholischen Kreis Olpe in jedes Dorf, berichtet Merz.

Die berufliche Selbstständigkeit ist ihr nicht in die Wiege gelegt worden. In Heimarbeit nähte sie Fahnen für ein Olper Textilgeschäft und gab gleichzeitig an der Volkshochschule Nähkurse. Als der Ladeninhaber aufgab und sie entließ, nahm sie ihre Arbeitskolleginnen mit: Zuerst nach Sassmicke in eine alte Scheune. 100.000 D-Mark musste sie sich bei einer Bank leihen, davon gingen 30.000 D-Mark für Nähmaschinen drauf und 20.000 für die Renovierung.

Auf Mundpropaganda angewiesen

Wer den heutigen Produktionsraum betritt, ist überrascht: Etwa 18 x 30 Meter, vier Meter hohe Decke, große Glasflächen, hell und freundlich. Eher Atelier als Werkshalle. 15 Näherinnen sitzen an der Fensterfront an bis zu 8000 Euro teuren Nähmaschinen. In der Mitte lange weiße Tische mit den Stoffbahnen. Man ist per Du.

Die Chefin wuselt umher, hat alles im Blick. Sie ist auf Mundpropaganda angewiesen und das Internet als Werbemedium. Das wird auch genutzt. „Wir bekommen auch viele verrückte Anfragen“, erzählt Roswitha Merz, die Damenschneiderin gelernt hat. Eine Fahne von den Ausmaßen 1000 x 60 Meter etwa. „Die schaffen Sie nur mit einem Kran weg.“

Viel Einsatz zeigen

Und der Preis? Roswitha Merz bleibt beim Mittelkreisaufleger: 260 Quadratmeter Stoff sind dafür nötig, einen mittleren vierstelligen Betrag verlangt sie für zwei Tage Nähen. Vor Jahren brauchte sie mit ihrem Team noch zwei Wochen. Die Agentur verdient auch noch daran. Aber zunächst wird um den Cent gefeilscht. Oft sind die Aufträge termingebunden, die Näherinnen müssen Überstunden machen. Das ist die Nische: Schnelligkeit und Flexibilität. Den Umsatz beschreibt Merz so: mal sechs- und mal siebenstellig.

Für ihre Aufträge muss Roswitha Merz zuweilen viel persönlichen Einsatz zeigen: Einmal reiste sie mit ihrer Nähmaschine bis nach Nizza. Ein anderes Mal waren zur Eröffnung einer Bundesliga-Saison zwei Schals gegeneinander zu nähen, Vor- und Rückseite unterschiedlich beschriftet. Insgesamt 18 Schals von je 2 x 18 Meter. „Der Stoff blähte sich auf, und das störte den Kunden“, berichtet sie. Alle mussten noch durchgenäht werden. „Wir haben bis morgens um 3.30 Uhr daran gearbeitet.“