In sehr guten Lagen bröckeln die Ladenmieten

Kreis Olpe..  Die Ladenmieten im Kreis Olpe geben leicht nach. Der jüngste „Gewerbliche Mietpreisspiegel“ der IHK notiert für Mieten in sehr guter Lage durchweg Quadratmeterpreise, die einen Euro unter dem letzten Mietspiegel liegen. Spitzenwerte werden nach wie vor in Olpe erzielt, wo in sehr guter Lage zwischen 13 und 19 Euro verlangt werden, in Attendorn zwischen 10 und 14 und in Lennestadt zwischen 8 und 14 Euro. Die ­Quadratmeterpreise für „gute“, „mittlere“ und „einfache“ Lagen bleiben stabil.

Die hohen Mieten sind es, die – vor allem in Attendorn – für die nicht wenigen Leerstände in den Innenstädten verantwortlich gemacht werden. Nach Aussage von Stephan Jäger von der IHK Siegen haben Vermieter den Mietspiegel allerdings auch nicht immer richtig interpretiert. „Man darf nicht nur nach Lage gehen, der Zustand der Immobilie spielt auch eine ganz wesentliche Rolle.“ Deshalb werde im neuen Mietspiegel ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Merkmale wie Barrierefreiheit, Bausubstanz, Innenausstattung, Energetik zunehmend eine Rolle spielen würden. Wichtig sei auch der Hinweis, dass „sehr gute Lagen“ nur in einem begrenzten Bereich des Stadtkerns zu finden seien. „Von Vermietern wird das“, so Jäger, „oft anders gesehen.“

In Drolshagen, Wenden, Finnentrop und Kirchhundem listet der IHK-Mietspiegel keine sehr guten Lagen auf. Gute Lagen erzielen 6 bis 9 Euro in Wenden, 4,50 bis 8,50 Euro in Finnentrop, 5 bis 8 Euro in Drolshagen und 4,50 bis 6,50 Euro in Kirchhundem. Stephan Jäger: „Die Mieten spiegeln damit auch die Zentralisierung im Einzelhandel wider: Das über den alltäglichen Bedarf hinausgehende Sortiment konzentriert sich zunehmend in den Mittel- und Oberzentren.“

Lennestadt behauptet sich

Eine Tendenz, unter der alle Kommunen im Kreis Olpe leiden, allerdings die einen mehr, die anderen weniger. Die Kaufkraft der Bewohner steigt seit 2009 wieder konstant an, die Umsätze stagnieren aber, mit Ausnahme von Wenden, wo es sogar bergab geht. Der heimische Einzelhandel profitiert also relativ wenig von der Tatsache, dass die Bürger mehr Geld in der Tasche haben.

Unabhängig von der zunehmenden Orientierung in Richtung Mittel- und Oberzentren, werden die sieben Kommunen im Kreis sehr unterschiedlich mit der Situation fertig. Die Gewinner im Kreis waren auch im letzten Jahr ganz eindeutig Olpe und Lennestadt, weil beide Städte es schaffen, die vor Ort vorhandene Kaufkraft an die Stadt zu binden. Aufschluss gibt die sogenannte „Handelszentralität“, die ausdrückt, wie viel Prozent der Kaufkraft in den heimischen Städten verbleibt. In Olpe lag der Wert 2014 bei 108,1, in Lennestadt immerhin bei 97,5. Es folgen Finnentrop (69,5), Attendorn (65,7), Wenden (52,8), Drolshagen (49,9) und Kirchhundem (32,9). Ganz klar: Kirchhundem liegt im Schatten von Lennestadt, Drolshagen und Wenden in dem von Olpe.

50 Millionen fließen ab

Das eklatanteste Missverhältnis zwischen dem was ist und dem, was sein könnte, besteht in Attendorn. Attendorn verfügt mit 148,8 Millionen Euro laut IHK über das größte Kaufkraftpotenzial im Kreis Olpe, noch vor Olpe (144,3) und Lennestadt (139,5). 51 Millionen Euro fließen aus Attendorn ab in andere Städte.

Würde Attendorn also die Handelszentralität von Lennestadt erreichen, könnte der Einzelhandel in der Hansestadt rund 50 Millionen Euro jährlich mehr umsetzen.