In den Rathäusern bleiben die Lichter aus

Lennestadt/Kirchhundem..  In Zeiten knapper Kassen suchen die finanziell gebeutelten Städte und Gemeinden nicht nur nach neuen Einnahmequellen wie erhöhten Steuern und künstlich in die Höhe getriebenen Gebühren (Eigenkapitalverzinsung bei Wasser und Abwasser). In Lennestadt hat man dabei imVorjahr Neuland betreten. Und eine Lösung für die Zeit „zwischen den Tagen“ gefunden. Mit der Schließung des Rathauses von Heiligabend bis ins neue Jahr hoffte man, Personal- und Energiekosten einsparen zu können. Und auch die Nachbarn in Kirchhundem sind diesen Weg gegangen.

„Wir haben im Vorjahr allein an Energiekosten (Heizung und Strom) 2700 Euro eingespart“, freute sich Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt. Wohl wissend, dass nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch den Verlust der Arbeitstage am Jahresende mit doch verhältnismäßig ruhigen Tagen hellauf begeistert waren und sind. Sein Kirchhundemer Kollege Andreas Reinéry bestätigt ebenfalls Kostenreduzierungen. Doch sei es schwierig, vergleichbare Zahlen zu ermitteln. Einerseits sind da die Personalkosten. In Lennestadt umfasst das Personal samt Bauhof nach Informationen unserer Zeitung rund 170 Mitarbeiter, in Kirchhundem sind es ca. 90. Damit besitze die Verwaltung der Waldgemeinde, so Reinéry, den mit Abstand geringsten Personalschlüssel aller sieben Kommunen im Kreis Olpe, von der Kreisverwaltung gar nicht zu reden. Häufig stoße man daher an die Grenzen der Belastbarkeit der Mitarbeiter, die mittlerweile eine Vielzahl von Überstunden angehäuft hätten.

Überstunden reduzieren

Waren es zum Jahreswechsel 2013/14 noch neun Tage, in denen der Verwaltungstempel geschlossen blieb, so sind es wegen des „günstigen Kalendariums“ diesmal sogar 12 Tage, in denen Zwangsurlaub angeordnet wurde. „Dadurch können wir den Bestand an Überstunden Gott sei dank erheblich reduzieren“, so Reinéry. Was im letzten Jahr aber teilweise auch nur gelang, weil es im milden Winter weitaus weniger Einsätze beim Räumdienst gab. So wie in Lennestadt, wo man auch diesmal auf geringe Kosten für den Winterdienst hofft.

In Sachen Energiesparen in den Verwaltungsgebäuden befinden sich Lennestadt und Kirchhundem längst nicht auf einem Niveau. In Lennestadt hat man schon vor Jahren in den sauren Apfel gebissen und in eine moderne Heizungsanlage investiert. Per elektronischer Regelung ist es möglich, jedes Büro einzeln mit Wärme zu versorgen. Auch das Städtische Gymnasiums ist – neben einer Pellet-Heizung – dazu in der Lage. Die Zeiten, in denen für eine einzelne Abendveranstaltung z.B. der Volkshochschule in einem einzigen Klassenraum ein ganzer Schulblock beheizt werden musste, sind Vergangenheit. So weit ist man in Kirchhundem noch nicht. Eines hat man aber in den letzten Wochen geschafft: Die uralten Fenster wurden gegen neue Kunststofffenster ausgetauscht, um Energie zu sparen.

Uralte Fenster ausgetauscht

Was ebenfalls kein billiges Vergnügen war angesichts der Denkmal-Eigenschaften des Rathauses und den strikten Auflagen aus Münster. Was sich sicherlich bei der Spezialanfertigung der Fenster samt halbrunder Oberlichter finanziell nicht unbedingt positiv ausgewirkt hat.

Im reduzierten Dienst werden auf jeden Fall die Hausmeister sein. Und – mit reduzierten Öffnungszeiten – die Kolleginnen und Kollegen der Standesämter für Beurkundungen z.B. von Sterbefällen.

Komplett geöffnet werden die beiden Rathäuser also erst am Montag, 5. Januar 2015, wieder sein.

Bis dahin können die gesamte Bürgerschaft und die Kämmerer der beiden Nachbarkommunen also nur auf milde Temperaturen hoffen, um zusätzliche Einsparpotenziale nutzen zu können.