Impressionen eines grauenvollen Krieges

Wendenerhütte..  Im Museum Wendener Hütte wurde die Fotoausstellung „Front 14/18“ eröffnet. Bei den Bildern, die hier gezeigt werden, handelt es sich um stereoskopische Amateuraufnahmen, die von zwei deutschen Frontoffizieren in der Etappe und in den Frontlinien in Flandern und Frankreich von 1914 bis 1918 gemacht wurden. Sie stammen aus privatem Familienbesitz und wurden dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe unabhängig voneinander und innerhalb von wenigen Wochen zur Übernahme und Nutzung angeboten.

Die beiden Offiziere - der eine ein gewisser Karl Bußhoff aus Walstedde in Westfalen und 31-jährig 1918 gefallen, der andere ein gewisser Otto Mötje aus Berlin und 1962 friedlich verstorben – sind sich wahrscheinlich nie begegnet. Auch über ihre Lebensbiografien ist nur wenig bekannt.

Was sie letztendlich verbindet sind die Bilder, die sie hinterlassen haben. Kurzum: ihre ganz persönliche Perspektive dieses ersten im industriellen Maßstab geführten grauenvollen Völkerkrieges, die sich eben genau darin so evident von den parallel entstandenen Aufnahmen beauftragter Kriegsberichterstatter unterscheidet. Dazu entwickelt die Räumlichkeit und Tiefenwirkung der 3D-Aufnahmen eine eigenartige Wirkung, bringt die Wirklichkeit des Krieges unglaublich nah und macht den Betrachter zum Teil dessen, was er sieht.

Einzigartiges Material

Insgesamt beläuft sich der Gesamtbestand dieses von nationaler wie internationaler Wissenschaft bestätigten einzigartigen Materials auf mehrere hundert Fotografien. Neben der katalogbegleiteten Zentralausstellung im Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen, die aus Anlass der 100. Wiederkehr des Beginns des I. Weltkrieges seit September 2014 zu sehen ist, befindet sich nun eine konzentrierte Auswahl von 40 Aufnahmen auf Reisen.

In mehreren Sprachen

Nach zwei Stationen im Rheinland – in Moers und in Hilden – ist die in der Wendener Hütte die erste Station auf westfälischem Boden. Viele andere Städte werden folgen, nicht nur in Deutschland, sondern ebenso in Großbritannien oder Belgien, was den Initiatoren des Projektes von Anfang an am Herzen lag. Nämlich die „Bilder bewusst aus der nationalen Einengung befreien und sie multiperspektivisch in einen transnationalen Kontext stellen, um sie europäisch ausdeuten zu können“, so Dr. Volker Jakob vom LWL-Medienzentrum, der die Einführung bei der Eröffnung in der Wendener Hütte hielt. Und weil das so ist, sind der Katalog wie die bildbegleitenden Informationstafeln der Ausstellung in mehreren Sprachen und damit auch Perspektiven gestaltet.

„Verpflichtendes Erbe“

Um es weiter mit den Worten von Dr. Volker Jakob, der das „gemeinsame Erinnern“ als „verpflichtendes Erbe“ betonte, zu halten: „Die Bilder dieser Ausstellung zeigen ganz unmittelbar Gewalt, Zerstörung und Tod. Was sie nicht zeigen, nicht zeigen können, ist die permanente Angst, das Grauen, die Verlassenheit und das Sterben. (…) Die eigentliche Botschaft, die diese Ausstellung vermittelt, zielt entgegen der gezeigten Gewalt auf Frieden und Verständigung, wie sie nur im gemeinsamen, grenzüberschreitenden Erinnern entstehen können.“

Die Erinnerung an die Geschichte zu bewahren und das Bewusstsein an ein friedliches Miteinander wachzuhalten, unterstrich ebenso Ludger Wurm, 1. stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Wenden: „Wir müssen jeden Tag dankbar sein, dass wir in Frieden zusammen leben.“