Im Galileo-Park lernt man, dem Auge nicht mehr zu trauen

Die Gesichtsmasken erscheinen hervorstehend, sind aber in Wirklichkeit nach innen gerichtet. Dieses optische Phänomen nennt man Tiefenumkehr oder Hollow-Face-Illusion.
Die Gesichtsmasken erscheinen hervorstehend, sind aber in Wirklichkeit nach innen gerichtet. Dieses optische Phänomen nennt man Tiefenumkehr oder Hollow-Face-Illusion.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Der Galileo-Park in Lennestadt-Meggen zeigt eine Mitmach-Ausstellung zu optischen Täuschungen. Wir zeigen, was Besucher dort erwartet.

Lennestadt.. Marilyn Monroe und Albert Einstein sehen sich überhaupt nicht ähnlich. Und doch passen beide in ein einziges Bild. Wie das möglich ist, können die Besucher im Galileo-Park in Lennestadt-Meggen selber ausprobieren. In der Ausstellung „Wahrnehmungsphänomene – Wie sich unsere Sinne täuschen“ gehört das sogenannte Hybridbild zu den verblüffenden Effekten, bei denen man seinen Augen buchstäblich nicht zu trauen glaubt.

So spannend ist Lernen durch Ausprobieren

Manfred Liedtke von der Astronomiestiftung Trebur hat die Ausstellung im Galileo-Park entwickelt. Im Hauptberuf lehrt der Designer Mediengestaltung an der Hochschule Mainz und muss sich entsprechend viele Gedanken über das Abenteuer Wahrnehmung machen. Die Ausstellung möchte beweisen, wie spannend Wissensvermittlung durch Ausprobieren sein kann. „Uns geht es darum, viele Sachen zu haben, die man anfassen kann“, unterstreicht Liedtke.

Ausstellung Bei der virtuellen Achterbahn ist es schon fast zu viel des Selbstversuchs. Denn den Sehnerven ist es egal, ob der Körper in der Realität schwindelerregende Kurven vollführt oder durch eine Occulus Rift Brille, wie sie im Galileo-Park bereit steht. Die 3-D-Simulation ist so intensiv, dass der gesamte Organismus auf den optischen Reiz reagiert, obwohl der Betrachter unbewegt auf einem Stuhl sitzt.

Wer lange rosa sieht, sieht irgendwann grün

An den Stationen werden wie im Labor viele optische Versuche vorgestellt. Blau ist gelb und umgekehrt, das nennt sich Umstimmung. Die Wahrnehmung von hellen und dunklen Kontrasten wird zeitlich unterschiedlich verarbeitet, so kommt es zu Bewegungsillusionen etwa bei den flinken Fischlein. Schiefe Linien sind in Wahrheit parallel. Und wer zu lange auf einen magentafarbenen Punkt blickt, sieht grün – die Komplementärfarbe.

Alle diese Täuschungen und Rätsel sind naturwissenschaftlich beschriebene Effekte. Sie beruhen auf der Tatsache, dass unsere Wahrnehmung subjektiv ist und vom Gehirn beeinflusst wird. „An den Stationen kann man erleben, wie sehr uns diese visuellen Phänomene insgesamt im Alltag in Beschlag nehmen“, erläutert Manfred Liedtke. Nicht nur die Traumfabrik Film beruht auf den Gesetzen des Daumenkinos. Optische Illusionen liefern ein ganzes Manipulations-Arsenal etwa für die Zwecke der Werbung. Gegen Farbumwidmungen kann sich das Sehorgan zum Beispiel überhaupt nicht wehren, wie man an den Rot-Grün-Blau-
Beamern erforschen kann.

Manchmal reicht es, die Brille abzusetzen

Staunen und lernen ist das Ziel der Ausstellung, deshalb ist sie besonders für Familien und Schulklassen interessant. Auch die hochentwickelte Technik, mit der die Besucher selber zum Gegenstand der Illusionen werden, trägt zum Reiz des Erkundens bei. „Für mich ist es wichtig, dass wir diese Ausstellung begleiten und darauf mit Live-Experimenten reagieren“, verspricht Liedtke noch weitere Abenteuer. Und da der Galileo-Park mit der Astronomie-Stiftung Trebur kooperiert, blickt der Ausstellungsmacher bereits in die Zukunft: „Übernächstes Jahr werden wir eine begehbare Sonne bauen.“

Aber wie funktioniert jetzt die Sache mit Einstein und der Monroe? Hybridbilder entstehen durch die Überlagerung zweier ähnlicher Bilder im Computer. Eines davon ist weichgezeichnet, das andere scharf. In der Nähe dominiert das detailreichere Bild. Geht man einen Schritt zurück, verschwimmen dessen feine Konturen und das andere Gesicht kommt stärker zum Vorschein. Die Fähigkeit des Auges, Details wahrzunehmen, nimmt mit der Distanz ab. Manchmal reicht es also einfach schon, die Brille abzusetzen.

www.galileo-park.de