Hohe Ehrung für Dr. Gerhard Schneider

Bundesverdienstkreuz für Dr. Gerhard Schneider: (von links) Markus Bröcher, stellv. Olper Bürgermeister, Ingrid und Dr. Gerhard Schneider sowie Landrat Frank Beckehoff.
Bundesverdienstkreuz für Dr. Gerhard Schneider: (von links) Markus Bröcher, stellv. Olper Bürgermeister, Ingrid und Dr. Gerhard Schneider sowie Landrat Frank Beckehoff.
Foto: Wagner
Was wir bereits wissen
Dr. Gerhard Schneider hat sich lange Jahre seines Lebens Kunst aus der Nazizeit gewidmet und verfemte und vergessene Künstlern jener Jahre wiederentdeckt und ihnen zu Anerkennung verholfen.

Kreis Olpe..  Bundespräsident Joachim Gauck hat Dr. Gerhard Schneider aus Olpe das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

In einer Feierstunde im Kreishaus Olpe händigte Landrat Frank Beckehoff die Auszeichnung aus. Dabei würdigte er die Verdienste des 76-jährigen Kunsthändlers, der sich durch sein jahr­zehn­­te­­­langes Engagement im kulturellen Bereich auszeichnungswürdige Verdienste erworben habe.

Der studierte Lehrer war zunächst von 1970 als Gymnasiallehrer im Schuldienst des Landes Nordrhein-Westfalen tätig, aus dem er sich auf eigenen Wunsch 1979 als Oberstudienrat entlassen ließ.

Förderer verfemter Kunst

Bereits 1975 hatte Gerhard Schneider begonnen, ein Kunstantiquariat aufzubauen, das nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst seinen Lebensunterhalt sicherte. Im Laufe der Jahre widmete er sich verstärkt und uneigennützig der durch den Nationalsozialismus unterdrückten und verfemten Kunst und ihrer zum großen Teil vergessenen Künstlerinnen und Künstler. Seit etwa Mitte der achtziger Jahre entwickelte Dr. Schneider sich zu einem Spurensucher dieser „verscholle­nen Künstler-Generation“ und zu einem Sammler ihrer in der Nazi­dikta­tur verfemten Kunst.

Viele Jahre im Vorstand

1991 war er Mitbegründer des Kunstvereins Südsauerland e.V. und gehörte seitdem bis 2007 dem Vorstand als Mitglied an. Er war der Experte für Kunstausstellungen, die er zu während der Nazi­zeit verfemten und später vergessenen Künstlerinnen und Künstlern initiierte und - zunächst regional begrenzt - aus seiner ständig wachsenden Privatsammlung mehrmals jährlich zeigte. 1999/2000 führte Dr. Schneider dank der Unterstützung des Museumsdirektors des (Kunst)“Museum Baden“ in Solingen die erste große Präsentation „Verfemt - Vergessen - Wiederentdeckt“ mit über 400 Exponaten aus der eigenen Sammlung ehrenamtlich durch. Fortan präsentierte er in einer umfassenden „Ausstellungstournee“ (acht Stationen) zwischen 2001 und 2004 die vergessenen Kunstwerke mit hohem kunsthistorischem Sachverstand im ganzen Bundesgebiet und machte sie auf diese Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Seit Ende 2004 hat ein Teil der Sammlung im „Museum Baden“ in Solingen eine feste Bleibe gefunden. Die Sammlung gilt mittlerweile als Meilenstein in der Aufarbeitung der Wirkungsgeschichte des Expressionismus, speziell der expressiven Gegenständlichkeit. Dr. Schneider erhielt für seine Ausstellungen keine finanzielle Entschädigung. Darüber hinaus ist er Herausgeber von vier Büchern (1999 bis 2012), die seine Sammlung in wesentlichen Teilen dokumentieren.

Initiative ergriffen

2003 ergriff Dr. Schneider die Initiative zur Gründung der „Fördergesellschaft ‘Museum für verfem­te Kunst’ e.V.“ Er übt seitdem das Amt des Vorstandsvorsitzenden aus. Die Idee ihrer Gründung entstand sowohl angesichts ausbleibender Hilfszusagen staatlicherseits im Vorfeld einer Stiftungs­errichtung als auch aus der Überzeugung in die kunsthistorische Notwendigkeit, Interesse für ein Museum für verfemte Kunst zu wecken. 2004 folgte auf sein Betreiben die Grün­dung der „Bürgerstiftung für verfemte Künste mit der Sammlung Gerhard Schneider, Solingen“.

2 Mio. Euro von Landschaftsverband

Der Landschaftsverband Rheinland brachte sich mit zwei Mio. Euro in die Stiftung ein. Danach hat die Stiftung mit Dr. Schneider als Vorsitzendem eine engere Zusammenarbeit mit der „Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft“ und ihrer „Stiftung für verbrannte und verbannte Dichter-/Künstler/-innen“ aufgenommen. Der zwischenzeitlich umbenannten „Fördergesellschaft ‘Zentrum für verfemte Kunst’ e.V.“ gehören mittlerweile 140 Mitglieder an. Der LVR beabsichtigt derzeit in Kooperation mit der Bürgerstiftung und der Stadt Solingen, ein „Zentrum für verfemte Kunst“ zu gründen, das dem Zweck dient, den vom Sammler und den weiteren Stiftern überlassenen Kunstbesitz zu erforschen, zu dokumentieren und durch Erwerb zu erweitern. Dem Wissen von Gerhard Schneider über die Künstler wird dabei eine große Bedeutung zukommen. Er gilt quer durch Deutschland als d e r Ansprechpartner vieler Nachlassverwalter zu Unrecht vergessener Kunst, dem es ein Anliegen ist, dass die Diffamierten mit ihren Werken von künstlerischem Rang im kulturellen Gedächtnis einen ehrenden Platz finden. Dr. Schneider ist verheiratet und Vater zweier Söhne.