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Höffken-Prozess - ungenierter Griff in die Kasse

12.06.2012 | 18:09 Uhr
Höffken-Prozess - ungenierter Griff in die Kasse
Foto: WR/Franz Luthe

Attendorn / Dortmund.   Was führte zur Insolvenz der Firma RH Alurad im Oktober 2008? Dieser Frage ging die große Strafkammer des Landgerichts Dortmund nach. Fast fünf Stunden lang bemühte sich der ehemalige Mitarbeiter Jörg S., Antworten auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Beumer zu geben.

Für das Unternehmen RH Alurad wird die Luft ab dem Jahr 2007 laut S. immer dünner. Der Winter 2006/07 war keiner. Die Folge: Das Geschäft mit den Winterrädern ist katastrophal. Der Winter 2007/08 beginnt spät, mit den gleichen Konsequenzen und der Absatz von Neuwagen geht in dieser Zeit zurück, was für den Nachrüstmarkt ebenfalls Folgen hat. Die Umsätze der RH Alurad GmbH gehen von 37,2 Millionen Euro (2006) auf 26,6 Millionen (2007) zurück.

Hausgemachte Probleme

Aber nicht nur der Markt ist schwierig, auch hausgemachte Probleme drücken: Die polnische Tochter RH Alurad Wheels Polska ist eine Fehlinvestition. Sie verlangt hohe Investitionen, hat zu viele Mitarbeiter, und es müssen Verträge eingehalten werden, „die nie hätten unterschrieben werden dürfen“, so S.

2007 macht RH Polska einen Bilanzverlust von rund einer Million Euro. Bemühungen, das Unternehmen aus den roten Zahlen zu bekommen, schlagen fehl.

Auch die zweite Auslandstochter RH Alurad Suisse schreibt Verluste. Sie soll RH-Produkte in der Schweiz vertreiben, kann aber die Kosten nicht decken.

Banken werden nervös

Ende 2007 werden die ersten Banken nervös und fordern eine höhere Beteiligung der Familie Höffken. Eine Forderung, der auf komplizierte Weise nachgekommen wird. „Eine Idee“, so S, „von Rüdiger Höffken.“ Auf Sylt steht ein Haus, das für fünf Millionen DM gekauft worden war und der Schweizer Firma Atticus gehört. Atticus-Präsidentin ist die Ehefrau Höffkens. Auf das Haus wird bei einer Sylter Bank ein Kredit von zwei Millionen Euro aufgenommen, der dann über die RH Suisse auf die polnische Tochter (1,5 Millionen) und RH Rentals (500.000 Euro) verteilt wird. RH Rentals gehören die für den Guss von Alurädern notwendigen Kokillen und Patente. Der Kredit wird dann an die ICW weitergereicht, um Liquidität ins Unternehmen zu bringen.

Allerdings beruhigt sich die Lage nicht. Im Februar 2008 wird auch die Commerzbank als Hausbank nervös und es kommt in April und Juni zu zwei „Bankenrunden“, in denen ein Sanierungskonzept erstellt wird.

"Völlig sinnfreie Aktion"

Den Todesstoß erhält RH Alurad aus Sicht von S. im Juni 2008. Rüdiger Höffken erfährt von seinem Anwalt, dass er rund eine Million Euro benötigt, um die Nachzahlungen und Strafe aus dem ersten Steuerverfahren gegen ihn zu begleichen. Höffken ordnet an, dass RH Alurad von der Ladenburger Tochter „Aluguss“ eine Lackieranlage für eine Million Euro kauft. Eine laut S. völlig sinnfreie Aktion, die nur den Grund hatte, dass Höffken aus der Ladenburger Tochter das Geld leichter entnehmen konnte.

Als die Banken von der Aktion Wind bekommen, gibt es im August eine dritte Runde, in der sie Höffken die Pistole auf die Brust setzen: Unter anderem fordern sie die Einsetzung eines neuen Geschäftsführers, der die Gruppe verkaufen soll, und eine Rangabstufung des Zwei-Millionen-Kredits mit der Wahrscheinlichkeit, dass er nicht zurückbezahlt wird.

Gold im Schweizer Bankschließfach

Rüdiger Höffken weigert sich, den Forderungen nachzukommen und meldet am 15. Oktober Insolvenz an.

Die Staatsanwaltschaft wirft Höffken vor, diese Entwicklung spätestens im Dezember 2007 vorausgesehen und den Entschluss gefasst zu haben, „den Konzern auszuplündern“. Vermögenswerte sollen auf die faktisch von ihm beherrschte ICW übertragen worden sein. Um Privatvermögen vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters zu sichern, habe er es auf seine Frau übertragen und 750.000 Euro in Gold und bar in einen Schweizer Bankschließfach deponiert.

Um die komplizierten Zusammenhänge zu entwirren, sind mehr als 40 Verhandlungstage angesetzt, das Urteil wird kurz vor Weihnachten erwartet.

Gunnar Steinbach



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