Handwerk muss um jeden Lehrling kämpfen

Bei der Podiumsdiskussion in der Bäckerfachschule (von links): Petra Crone, Sabine Poschmann, Norbert Wichmann, Elmar Moll und Leo Trumm.
Bei der Podiumsdiskussion in der Bäckerfachschule (von links): Petra Crone, Sabine Poschmann, Norbert Wichmann, Elmar Moll und Leo Trumm.
Foto: Nicole Voss

Olpe..  Noch liegt das Handwerk nicht am Boden, aber es wird höchste Zeit gegenzusteuern. Mit sachlichen und überzeugenden Argumenten positionierten sich SPD-MdB Sabine Poschmann, Kreishandwerksmeister Elmar Moll und Norbert Wichmann als Vertreter des DGB in einer Podiumsdiskussion zum Schwerpunkt Bildung und Ausbildung in der Bäckerfachschule in Olpe, zu der SPD-MdB Petra Crone unter dem Motto „Der Handwerker von nebenan, eine bedrohte Art?“ eingeladen hatte.

Das Motto sei bewusst provokant formuliert worden, sagte Crone zu Beginn. Das Handwerk bekomme den demografischen Wandel besonders zu spüren. Junge Leute gehen weg und die oberste Maxime vieler junger Menschen sei ein Studium. „Ich plädiere für die duale Ausbildung. Wir müssen die jungen Menschen da abholen, wo sie stehen. Die Handwerker ergreifen bereits die Initiative. Viele junge Menschen, die als Flüchtlinge kommen, sind intelligent. Das ist ein Schatz, den wir hegen müssen“, so Petra Crone.

Auch SPD-MdB Sabine Poschmann warnte: „Der Kampf um Fachkräfte auf dem Land und in den Städten ist vorhersehbar. Meine Prognose ist es, dass es die Großstädte mehr treffen wird und ohne Einwanderer schrumpft die Zahl der Fachkräfte bis zum Jahr 2050 um 15 Millionen“, so Sabine Poschmann. Man dürfe das inländische Potenzial nicht aus den Augen verlieren. Dazu gehörten auch Frauen, für die flexiblere Arbeitszeiten und beispielsweise Betriebskindergärten geschaffen werden müssten. Junge Menschen sollten zielgerecht von der Schule in den Beruf begleitet werden. Ferner sprach sich die Bundestagsabgeordnete dafür aus, Duale Ausbildung, die auch an Gymnasien eine Perspektive sein sollte, und Studium auf eine Stufe zu stellen.-

Elmar Moll, Kreishandwerksmeister, glaubt nicht an die „aussterbende Art“. „Wir haben einen Meisterbrief, auf den die Welt schaut, und 4,8 Millionen Beschäftigte bundesweit.“ Die Politik müsse das Handwerk mehr unterstützen. Die Einstellung junger Menschen sei die Gretchen-Frage. „Die Rückführung von Studienabbrechern halte ich nicht für gut. Das kostet Geld und dann sind die weg.“

Noch kein Mangel

Norbert Wichmann: Wir haben noch keinen Fachkräftemangel. Wir müssen uns auf einen höheren Aufwand einstellen. Jugendliche verdienen im Handwerk bis zu einem Drittel weniger als in der Industrie. Jugendliche lassen sich nur mit Perspektiven motivieren.“ Wichmann plädierte für die integrative Fachhochschule mit zusätzlicher Ausbildung.

Reinhard Hesse, Bäckermeister und Vorstandsmitglied der Bäckerinnung Westfalen-Lippe: „Die Ausbildung ist das Problem. Ein Nägelbrenner ist die strukturelle Veränderung. Die Probleme im Handwerk sind gravierend. Wir müssen unsere ganze Kraft zusammen nehmen, um die Lust nicht zu verlieren.“

Leo Trumm, Leiter der Bäckerfachule begrüßte es, dass der Wegfall der Meisterbriefe in einigen Berufen auf den Prüfstand gestellt werde. „Wichtig ist es, nicht nur die Eltern, sondern auch die Lehrer auf das Handwerk hinzuweisen.“ Thomas Kramer, Gartenbautechniker und Mitglied im Prüfungsausschuss der Landwirtschaftskammer NRW: „Wenn ein Handwerker ein Problem hat, krempelt er die Ärmel hoch und beseitigt es. Existenzbedrohend ist das Gewährleistungsrecht. Wenn das Thema nicht schnell angepackt wird, sterben Existenzen.“ Elmar Moll: „Wir müssen in die Schulen tragen, welche Chancen das Handwerk und der Meisterbrief bieten.“