Gutachter im Amtsgericht Olpe: Steuerungsfähigkeit vorhanden

Im Olper Amtsgericht Olpe muss sich derzeit ein mehrfach vorbestrafter Serienbetrüger verantworten.
Im Olper Amtsgericht Olpe muss sich derzeit ein mehrfach vorbestrafter Serienbetrüger verantworten.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Im Prozess gegen einen Serienbetrüger aus Attendorn ging es am 2. Prozesstag um dessen Spiel- und Alkoholsucht.

Olpe/Attendorn..  Es zieht sich wie ein roter Faden durch den Betrugs-Prozess vor dem Olper Schöffengericht: Nahezu alle Zeugen im Prozess gegen den 47-jährigen Attendorner sagen aus, von Anzeichen für eine schwerwiegende Alkoholsucht hätten sie bei Kontakten zum Angeklagten nichts bemerkt. Hinweise für eine krankhafte Spielsucht gibt es aber reichlich.

„Das hab’ ich unter Kontrolle“

Allen voran ein ehemaliger Attendorner Gastwirt versicherte gestern im Zeugenstand glaubhaft, der Angeklagte sei an den Spielautomaten in seinem Lokal kaum zu bremsen gewesen. Für Spielsüchtige, so der 36-jährige Ex-Gastwirt, habe er in den Jahren ein Auge entwickelt: „Wenn die die Lichter blinken sehen, werden sie rappelig.“ Und wenn man Spielsüchtigen rate, mal Gewinne einfach einzustreichen, erhalte man stets die gleiche Antwort: „Das hab’ ich unter Kontrolle.“ In ,Spitzenzeiten’ habe der Angeklagte schätzungsweise rund 1 500 Euro in die Automaten geworfen.

Zur Erinnerung: Der 47-Jährige sitzt wegen zahlreicher Betrugs-Delikte derzeit eine über vierjährige Haftstrafe ab, hatte aber noch vor Haftantritt über einige Monate hinweg mehr als ein halbes Dutzend weitere Betrugsdelikte in Attendorn, Finnentrop, Sundern, Arnsberg und Siegen verübt (wir berichteten ausführlich) - stets nach ähnlichem Muster: Vor allem bei Haushaltsauflösungen war er zur Stelle, nahm sich Antiquitäten, Möbel oder Münzen mit, bezahlte aber nie. Dabei, so der 47-Jährige während des ersten Prozesstages, habe seine Spiel- und Alkoholsucht eine mitentscheidende Rolle gespielt.

Doch genau diese Schlussfolgerung bestätigte gestern Dr. Michael Matthes in seinem psychiatrischen Gutachten nicht.

Kein Zusammenhang

Selbst die durchaus vorhandene pathologische Spielsucht sei nicht die eigentliche Ursache für die zahlreichen Betrugsdelikte. Und sie habe ebenso wie ein vielleicht überdurchschnittlicher Alkoholkonsum keineswegs eine verminderte Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit ausgelöst. Matthes wörtlich: „Es besteht aus meiner Sicht kein symptomatischer Zusammenhang.“ Denn während der Taten, das hätten alle Zeugen bestätigt, habe der Angeklagte keinerlei Anzeichen dafür gezeigt. Anders als beispielsweise bei typischer Beschaffungs-Kriminalität, sei der Angeklagte in der Lage gewesen, seriös aufzutreten, erfolgreiche Verhandlungen und Verkaufsgespräche zu führen.

Bevor Richter Richard Sondermann nach dem Gutachten die Beweisaufnahme schloss, ging er Stück für Stück das Vorstrafenregister des 47-Jährigen durch.

Beeindruckendes Vorstrafenregister

Der Umfang konnte sich sehen lassen: Schon Mitte der 80-er Jahre begann die kriminelle Karriere des damals Jugendlichen. Es folgten Urteile, Bewährungsstrafen, die meist aufgehoben werden mussten, und letztlich mehrjährige Gefängnisstrafen. Meist wegen Betrügereien, Diebstahl und Unterschlagung, aber auch wegen Hehlerei, Raub, Körperverletzung, Beleidigung. Fast in jedem Jahr mussten Gerichte seit Ende der 80-er Jahre tätig werden, längere Unterbrechungen gab es meist nur, wenn der Attendorner hinter Gittern saß.

Jetzt droht dem chronischen Straftäter erneut eine mehrjährige Haftstrafe, die seiner laufenden hinzuaddiert werden dürfte. Gesprochen wird das Urteil am kommenden Freitag. Prozess-Beginn: 9 Uhr. Zunächst werden Staatsanwältin Hartmann und Verteidiger Soujon (Finnentrop) plädieren.