Gülle in Fernholte: Skandal oder normal?

Auf dem Gelände des geplanten Industriegebietes Fernholte wurde auch angrenzend an die umstrittenen Quellen Gülle aufgebracht.
Auf dem Gelände des geplanten Industriegebietes Fernholte wurde auch angrenzend an die umstrittenen Quellen Gülle aufgebracht.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Verein Eckenbachtal beklagt, dass auf dem Gelände des geplanten Industriegebietes auch in der Nähe der umstrittenen Wasserläufe Gülle ausgebracht wurde.

Attendorn..  Ist die Attendorner Stadtverwaltung ein schlechter Verlierer und vergreift sich an der in ihrer Obhut befindlichen Natur? Diese Frage stellen Mitglieder des Vereins Eckenbachtal, nachdem auf dem Gelände des von der Stadt geplanten, vom Verwaltungsgericht Arnsberg per Beschluss vorerst gestoppten Industriegebiets Fernholte großflächig und auch in der Nähe der umstrittenen Wasserläufe Gülle aufgebracht worden ist.

Damit sollen, so befürchtet man in Reihen des Vereins Eckenbachtal, der gegen das neue Industriegebiet kämpft und mit dem verhängten vorläufigen Baustopp einen juristischen Teilerfolg erzielt hat, die umstrittenen Quellen durch Düngung und böschungsnahe Bearbeitung nachhaltig geschädigt werden. Derartige Unterstellungen weist Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil vehement zurück: „Wir befinden uns hier in einem schwebenden Verfahren, da gießen wir doch kein Öl ins Feuer.“

Gesetzliche Vorgaben eingehalten

Pospischil hatte bei Bekanntgabe des Baustopps bereits angekündigt, dass die Stadt die bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen in dem Gebiet für dieses Jahr verpachten werde. Das ist an einen Attendorner Landwirt geschehen, der dort Mais und einjähriges Weidegras anbauen will.

Bürgermeister Pospischil wie der Umweltbeauftragte der Hansestadt Plückebaum weisen darauf hin, dass der Landwirt in Gesprächen und auch im Pachtvertrag ausdrücklich darauf hingewiesen worden sei, dass er die gesetzlichen Vorschriften zum Aufbringen von Gülle, insbesondere in Gewässernähe, einzuhalten habe. Der nahm sich Rudolf Kreiser, einen ehemaligen Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer, als Berater, der die für eine sachgemäße Düngung richtige Güllemenge berechnete.

Schweinegülle aus den Niederlanden

In der vergangenen Woche wurde an drei Tagen mit Tankwagen Schweinegülle aus Deutschland, aber auch aus den Niederlanden angeliefert, auf den Feldern aufgebracht und eingearbeitet. Dabei kamen im Durchschnitt circa 30 Kubikmeter Gülle auf einen Hektar Acker.

Der informierte Attendorner Umweltschutzbeauftragte Plückebaum konnte vor Ort ebenso wie der ebenfalls eingeschaltete, bei der Landwirtschaftskammer für die Kooperation Landwirtschaft-Wasserwirtschaft zuständige Mitarbeiter keine Verstöße feststellen.

Dies anerkennend ist man beim Verein Eckenbachtal trotzdem empört darüber, dass nicht mehr Rücksicht auf die Quellen genommen wurde und das Gelände „intensiv mit Gülle gedüngt wurde“.

Bürgermeister Pospischil verweist darauf, dass jetzt genau das geschehe, was sich die Gegner des Industriegebiets wünschten: „Dass die Fläche so genutzt wird wie zuvor. Das Aufbringen von Gülle ist kein Skandal, sondern normal.“