Großes Theater über Habgier der Menschen

Olpe..  „Man hat mir mein Herz herausgerissen…“ Harpagon ist außer sich, ringt nach Luft, verdächtigt die ganze Welt, sogar sich selbst, seine Geldkassette gestohlen zu haben. Dank eines hervorragenden Ensembles nebst Nikolaus Parylas dynamischer und geistvoller Regie erheitert und fesselt „Der Geizige“ von Molière in der Stadthalle.

Gratwanderung

Gleichzeitig verkörpert Paryla so lebensecht die Gestalt des Geizigen, dass man den Schauspieler dahinter völlig vergisst: Harpagon, der sich nach seinem Geld verzehrt, der sich mit einer Mischung zwischen verschmitztem und verschlagenen Lächeln immer wieder einen neuen Kniff einfallen lässt, um zu sparen.

Dem Wahnsinn nahe ist er nach Bekanntwerden des Diebstahls und im diesbezüglichen Monolog gelingt Paryla vortrefflich die Gratwanderung zwischen der Tragik in Harpagons getriebener, zwanghafter Persönlichkeit und der Lächerlichkeit seines Auftretens.

Spontanen Applaus gibt es auch für den Schlagabtausch zwischen ihm und Heiratsvermittlerin Frosine (Undine Brixner), wie er dank ihrer Schmeicheleien mit stolzgeschwellter Brust umher gockelt, bei ihrer Bitte um ein wenig Geld dann qualvoll sein Gesicht in Falten legt.

Ohne Mitgift

Seine Kinder empfindet er nur als lästige Geldausgaben, was seinen fiesen Charakter darlegt und sehr traurig stimmt. Gleichzeitig ist es urkomisch, wie er in seinen Schnabelpantoffeln über die Bühne wuselt, um vor seinem Vertrauten Valère - nicht wissend, dass der seine Tochter Élise liebt (frisch und anmutig: Laura Antonella Rauch) - den Beweggrund seiner Wahl des viel zu alten Schwiegersohns verteidigt: „Ohne Mitgift“.

David Paryla glänzt in der Rolle des Valère mit einer Mischung aus rasanter, im siebenten Himmel schwebender Spielfreude und wohlüberlegtem Handeln als Harpagons Angestellter, hat offensichtlich die große Begabung seines Vaters Nikolaus geerbt. Paul Brusa strotzt als Sohn Cléantenur so vor Temperament; Wolfgang Grindemann amüsiert mit Wortspielereien in seiner Diener-Rolle und mimt gleichzeitig Vater Anselm, dank dessen Großzügigkeit das böse Spiel ein gutes Ende nimmt. Auch wenn das romantische Bühnenbild und die Kostüme im damaligen Zeitkolorit betören, so verbergen sie nicht die bittere Erkenntnis, dass der Mensch heutzutage noch genauso habgierig wie damals ist. Begeisterter Beifall für großes Theater.