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Großes Theater für ein großes Thema Theaterklassen des Rivius schreiben eigenes Mobbing-Stück

20.06.2007 | 09:23 Uhr

Attendorn. Jules Umzug ist mehr als nur der Wechsel in eine neue Stadt und eine neue Schule. Mit dem ersten Schultag ist es der Umzug in die Hölle. Dafür sorgen ihre neuen Klassenkameraden, die ihr das Leben schwer machen - bis an die Grenze des Erträgli

"Warum ich?", fragt sie sich, und so lautet auch der Titel des Stücks, den die Theaterklassen des Rivius-Gymnasiums zum Ende des Schuljahres aufgeführt hat. Nicht einmal oder zweimal, sondern sechsmal. Nicht mit einen Ensemble, sondern mit zweien. Pro Aufführung 18 Szenen in zwei Stunden. Großes Theater für ein großes Thema.

Mobbing.

Wer Jules Leiden auf der Bühne verfolgt, könnte hoffen, dass das Stück vielleicht übertreibt, dass es in der Realität nicht wirklich so zugeht. Aber die, die das Stück geschrieben haben, sind Kronzeugen der Anklage: Es sind die Mitglieder des Theaterklassen 6b und 6c des Rivius-Gymnasiums, den Andrea Helmig im sechsten Jahr anbietet.

Mit Spielfreude und der Fähigkeit, das was auf der Bühne gesprochen wird, so zu artikulieren, dass es auch in der letzten Reihe noch verstanden wird, erzählen die Akteure eine Geschichte von Unterdrückung und Bedrohung, Duckmäusertum und körperlicher Gewalt, aber auch von Zivilcourage, Mut und Freundschaft.

Bis am Donnerstag der vergangenen Woche der letzte Vorhang fiel, haben alle Beteiligten viel Arbeit investiert - auch in der Freizeit. 72 Kinder aus den Klassen 6 sowie Darsteller aus den Klassen 7, 8 und 10 haben seit Oktober an dem Stück gearbeitet. Sie haben ihre Stimmen geschult, aus dem Roman "Klassenspiel" von Celia Rees einen Handlungsrahmen für das Bühnenstück entwickelt, Szenen besprochen und dann die Rollentexte geschrieben. Alles zweigleisig, denn die große Zahl der Akteure wurde in zwei Ensembles aufgeteilt, die dann abwechselnd einzelne Szenen auf der Bühne erarbeiteten.

Zwar gab es am Ende nur ein Stück, aber jeder Schauspieler der sich bei den Aufführungen abwechselnden Ensembles hatte den Freiraum, seine Rolle selbst zu interpretieren.

So war die Zicke auf der Bühne einmal zickig und einmal extrem zickig, der Schläger einmal brutal und einmal sehr brutal, Jule litt einmal still und einmal laut.

Zwei Aufführungen gab es für Rivianer und Eltern, vier für die Attendorner grundschulen. "Eigentlich", so Andrea Helmig, "hatte ich gedacht, dass das Thema Mobbing für die Grundschulen vielleicht noch zu kompliziert wäre. Stimmt aber nicht, das ist überall Thema."

Gunnar Steinbach

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