Griechenland-Krise bestimmt Wrtschaftspolitik

Unternehmertagung in der Olper Stadthalle mit reichlich Prominenz aus Politik und Wirtschaft.
Unternehmertagung in der Olper Stadthalle mit reichlich Prominenz aus Politik und Wirtschaft.
Foto: WP
Nach 15 Jahren als Chef des Arbeitgeberverbandes erntete Felix G. Hensel verdiente Anerkennung. Ebenfalls im Blickpunkt: Das Referat des Unions-MIttelstandsvorsitzenden Dr. Carsten Linnemann.

Kreis Olpe..  Eine Person und ein Thema standen während der Unternehmertagung in der Olper Stadthalle besonders im Blickpunkt: Zum einen Felix G. Hensel, einer der erfahrensten Unternehmer im Kreis Olpe, dessen Verdienste nach seinem Abschied als Chef des Arbeitgeberverbandes nach immerhin 15 Jahren gewürdigt wurden, und zum anderen das Thema, das derzeit wohl jeden umtreibt: Griechenland und der Euro.

Dafür, dass der politische Dauerbrenner mit rhetorischem Geschick beleuchtet und pointiert wurde, stand Dr. Carsten Linnemann, 37-jähriger promovierter Volkswirt, Bundestagsabgeordneter und seit 2013 Bundesvorsitzender der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung. Der nahm in seinem Referat („Rückgrat oder Melkvieh der Nation - wie steht es um den deutschen Mittelstand?“) wie auch Hensel in seiner Einführungsrede kein Blatt vor den Mund und nahm die EU-Währungsunion und die Griechenland-Politik unter Beschuss: „Je mehr wir nachgeben, desto eher gerät der Euro in Gefahr.“ Kontroll-Versuche kriselnder Staaten seien kläglich gescheitert. Linnemann: „Eine Währungsunion kann nur gelingen, wenn Länder auch haften.“ Wenn Griechenland die Bedingungen einhalte, gebe es Geld, wenn es sie nicht einhalte, auch. Kapital-Verkehrskontrollen müssten her, sonst werde, wie in Griechenland, das Geld einfach außer Landes geschafft. Wenn bei Griechenland nachgegeben werde, stünden Nachahmer in den Startlöchern: „Anfang November sind Wahlen in Spanien“, warnte der Paderborner mit verbal erhobenem Zeigefinger.

Griechenland leide unter lähmender Bürokratie und unter Hemmnissen auch gerade für junge Menschen, die sich selbstständig machen wollten.

Schlimmeres verhindern

Aber auch in Deutschland müsse gegen überbordende Verordnungen aus dem Arbeitsministerium von Frau Nahles vorgegangen werden: „Wir müssen Schlimmeres verhindern.“ Als Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung werde er von den Mitgliedern immer wieder aufgefordert, das Leistungsprinzip, die „Leistungsgerechtigkeit“ im Blick zu behalten. Es sei unsinnig, hervorragenden Leuten Mehrarbeit zu verbieten oder diese finanziell uninteressant zu machen. Linnemann: „Ein Metzgergeselle, der samstags zusätzlich arbeiten möchte, behält von 300 Euro nur 130 Euro übrig. Arbeitet er gegenüber in einer Tankstelle im 400-Euro-Job, lohnt es sich.“ Eine falsche Entwicklung, die auch dem Mittelstand schade. Man benötige dringend Start-Up-Strategien. Über 90 Prozent der Uni-Studenten wollten auf keinen Fall in die Selbstständigkeit, aber mehr als 30 Prozent ins Beamtentum. Das gebe zu denken. In Sachen Parteipolitik appellierte Linnemann, die Volksparteien müssten sich spürbar unterscheiden: „Derzeit fehlt die große Linie in der Politik.“

Charakter und Persönlichkeit

Felix G. Hensel warnte ebenfalls vor einer verfehlten Griechenlandpolitik: „Wir dürfen uns nicht erpressen lassen.“ Ansonsten fühlten sich Portugal oder Spanien „vorgeführt“. Lobende Worte fand abschließend Hensels alter Weggefährte Arndt G. Kirchhoff, Präsident der NRW-Metall-Industrie: „Er ist einer, der sich nicht wegduckt.“ Und das, obwohl Hensel schon früh in der eigenen Firma Verantwortung übernommen habe. Die 15 Jahre mit ihm seien „eine tolle Zeit“ gewesen, die Hensel mit „Charakter und Persönlichkeit“ geprägt habe.