Golddorf Niederhelden auf dem Weg nach Europa
19.12.2011 | 18:49 Uhr 2011-12-19T18:49:00+0100
Niederhelden.Es ist das erste Mal in den vergangenen 40 Jahren, dass Niederhelden nicht am Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teil nimmt. Als Bundesgolddorf ist der rund 300 Einwohner große Ort im Repetal in den kommenden Jahren für eine Teilnahme gesperrt. Jetzt könnte man sich theoretisch auf den erreichten Lorbeeren ausruhen, aber das ist in Niederhelden nicht vorstellbar.
„Sie sind vom Virus des Dorfwettbewerbs infiziert“, stellte Referatsleiter Dr. Ing. Michael Schaloske vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW bei einem Treffen in Niederhelden fest, denn nun bewirbt sich das Bundesgolddorf um den „Europäischen Dorferneuerungspreis 2012“, ausgerichtet von der Europäischen ARGE für Landentwicklung und Dorferneuerung.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn es geht nicht vorrangig darum, bei einem Wettbewerb dabei zu sein, sondern weiterhin die Entwicklung des Dorfes aktiv und langfristig zu gestalten.
Dieser Wettbewerb ist Mittel zum Zweck, denn „bei einem Wettbewerb werden wir gefordert und gefördert“, weiß Ortsvorsteher Johannes Jürgens. Das unterstützen auch die Dorfbewohner. 60 Niederheldener waren zu der Versammlung in das Landhotel Struck gekommen um zu hören, was es mit dem Wettbewerb auf europäischer Ebene auf sich hat.
Außerdem, die Idee, an diesem europäischen Wettbewerb teilzunehmen, wurde von der Bezirksregierung an die Niederheldener herangetragen. Nach anfänglichem Zögern und Rücksprache mit der Stadt Attendorn, die auch das Startgeld übernimmt, entschlossen sich die Niederheldener, auf europäischer Ebene mitzuspielen. Nun müssen bis Anfang Februar die Bewerbungsunterlagen, die sich in diesem Jahr auf das Motto „der Zukunft auf der Spur“ beziehen, in Wien bei der Jury vorliegen.
„Ich kann ihnen versichern, alles, was sie schreiben, wird dort auch gelesen“, betonte Günter Scheid aus Eicherscheid. Das Dorf an der belgischen Grenze hatte 2010 an diesem europäischen Wettbewerb teilgenommen und knapp den Sieg verpasst. Im Mai/Juni kommt eine dreiköpfige Jury nach Niederhelden und macht sich ein Bild vor Ort. „Dabei kann es gut sein, dass diese Jury auch Dinge sehen will, die sie eigentlich nicht in ihrem Zeitplan vorgesehen haben. Seien sie also flexibel“, lautet ein Tipp von Günter Scheid. Nachdem alle teilnehmenden Orte besucht worden sind, entscheidet die Jury, wer den Wettbewerb gewinnt.
Auf jeden Fall werden alle Orte zur Siegerfeier nach Langenegg im österreichischen Bundesland Vorarlberg geladen. Langenegg hat den letzten Wettbewerb gewonnen und ist damit automatisch neuer Ausrichter der folgenden Siegesfeiern. „Unter den Wettbewerbsdörfern sind richtige Freundschaften entstanden und auch Netzwerke haben sich gebildet“, berichtete Günter Scheid.
Dieser Aspekt ist auch für die Niederheldener wichtig. „Man kann von anderen auch lernen“, weiß Johannes Jürgens. Lernen will Niederhelden auch aus einem Dorfinnenentwicklungskonzept.
Das soll im kommenden Jahr durch ein qualifiziertes Entwicklungsbüro erstellt werden. „Hier soll sich mit der Frage befasst werden, was im Ort entwickelt werden soll und welche Ideen auch wir mit einbringen können. Hier sollen die zukünftigen Ziel für den Ort festgelegt werden und das Konzept als Start für die Dorfinnenentwicklung soll in festgelegten Zeitfenstern umgesetzt werden“, so Johannes Jürgens.
Finanziert wird dieses Konzept je zur Hälfte von der Stadt und durch die ILEK-Mittel (integriertes ländliches Entwicklungskonzept). Das Konzept kann sicher zum Teil auf andere Orte übertragen werden. „Man muss nur anfangen“, lautete eine Niederheldener Erkenntnis.
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Man kann auch dem Größenwahn erliegen.