Geriatrie sieht immer den ganzen Patienten

Attendorn..  Alter ist zum Glück keine Krankheit – doch im Alter kommen oft mehrere Krankheiten zusammen und können sich gegenseitig verstärken. Auf solche Fälle ist die medizinische Fachrichtung Geriatrie spezialisiert. Sie behandelt ältere Menschen mit Blick auf das Zusammenspiel von Krankheiten, Alterserscheinungen und Medikamenten. Doch für wen macht eine solche Behandlung Sinn?

Das Angebot der Geriatrie gibt es in Attendorn bereits seit mehr als 25 Jahren. Patienten können hier sowohl stationär, aber auch ambulant in der Geriatrischen Tagesklinik behandelt werden. Dass es an der Attendorner Klinik Spezialisten für Altersmedizin gibt, ist zwar bei den niedergelassenen Ärzten bekannt – allerdings sind viele manchmal noch unsicher, wann ein Patient sinnvollerweise in die Geriatrie eingewiesen werden sollte und was die Therapie genau bringt.

Um hier Aufklärungsarbeit zu leisten, luden Chefarzt Dr. Thomas Heimig und sein Team Mitglieder des Ärztevereins des Kreises Olpe zu einer Fortbildungsveranstaltung in die Helios-Klinik Attendorn ein. Sie berichteten, wie man den geriatrischen Behandlungsbedarf erkennt. „Wenn Ihnen Angehörige berichten, dass der Patient plötzlich gar nicht mehr aus dem Bett kommt, wenn eine Verwirrung fortschreitet, der Hilfebedarf immer größer wird, wenn organische Erkrankungen sich verschlimmern und die Instabilität größer wird, so dass die Sturzgefahr steigt; hinzu kommt häufig auch eine depressive Stimmungslage. Das alles sind Symptome, bei denen Sie an eine geriatrische Komplexbehandlung denken sollten“, so Chefarzt Dr. Thomas Heimig in seinem Vortrag.

Schlechter Medikamentenmix

Häufig nehmen ältere Menschen Medikamente, die zum Teil nicht oder nicht mehr optimal zusammen wirken oder durch Nebenwirkungen sogar selbst Symptome wie Verwirrtheit auslösen können. Die Geriater untersuchen den ganzen Patienten und betrachten alle Erkrankungen und Einschränkungen. Nach der Diagnostik stellen sie ein Behandlungskonzept für den Patienten auf, bei dem jedes Medikament auf den Prüfstand kommt und neueste Erkenntnisse der Altersmedizin und Pharmakologie berücksichtigt werden. Zur medikamentösen Therapie kommen eine intensiv aktivierende Pflege sowie Ergo- und Physiotherapie, bei Bedarf auch Logopädie. So werden die Patienten wieder für ihren Alltag fit gemacht, lernen häufig Fertigkeiten neu, die schon verloren waren. Schluckbeschwerden werden ebenso therapiert wie etwa Untergewicht oder Inkontinenz. Dementielle Erkrankungen stehen in der Gedächtnissprechstunde besonders im Fokus.

Rückkehr gemeinsam geplant

Eine Rückkehr in das häusliche Umfeld oder Pflegeeinrichtungen wird mit den Patienten und Angehörigen gemeinsam geplant, die notwendigen Hilfsmittel bestellt oder rechtliche Fragen geklärt. Viele Patienten können sogar ohne Krankenhausaufenthalt behandelt werden: Zur geriatrischen Tagesklinik werden sie abgeholt und nach Hause zurückgebracht. „Unsere Patienten lernen bei uns, mit ihren Beschwerden anders umzugehen. Wir zeigen ihnen, wie sie sich selbst helfen können. Viele bekommen einen ganz neuen Lebensmut“, berichtet Heinrich Steibert, leitender Oberarzt.