Gelungene PR-Aktion

Zukunftsoffensive der Volksbank..  In den letzten Wochen hat die Volksbank Bigge Lenne eG ihre Zukunftsoffensive für Vereine durchgeführt und rund 60 000 Euro Preisgeld ausgeschüttet. Für die Vereine sind die Gelder wichtig, ohne Frage. Und vorweg: Der Verfasser dieses Briefes war auch an Bewerbungen beteiligt und wir sind mit den erreichten Platzierungen sehr zufrieden.


Mir erscheint es aber dennoch wichtig, einmal kritisch zu hinterfragen, was hier passiert. Die Bank ist nach ihrer Satzung verpflichtet, einen Teil ihres Gewinns an lokale, gemeinnützige Aktivitäten zu vergeben und das Gemeinwohl zu stärken (dass sie diese Ausgaben wieder steuerlich geltend macht und somit von der Gesamtgesellschaft gegenfinanziert wird, sei mal hinten angestellt). Doch statt selbst aktiv zu schauen, wo es gute und unterstützenswerte Initiativen gibt, wird das Ehrenamt in einen Wettbewerb untereinander gebracht. Es gilt, sich mit den besten Präsentationen, den besten Konzepten, dem besten Schein zu präsentieren und andere auszustechen. Kapitalismus pur – nun auch im Non-Profit-Bereich, im gesellschaftlichen Engagement. Und die Vereine machen mit und investieren Dutzende Stunden in Powerpoint-Präsentationen oder Filme, eben weil sie das in Aussicht stehende Geld für ihre Arbeit natürlich gut gebrauchen können. Welchen Effekt hätte es für die Vereinsarbeit gehabt, wenn diese Stunden in konkrete Vereinsprojekte gegangen wären? Allein die Stunden, die Ehrenamtler bei der Preisverleihung verbracht haben, ergeben summiert sicherlich annähernd 1000.


Und was bedeutet dieses, ja man kann es so nennen, zur Ware machen des ehrenamtlichen Engagements für die Praxis? Werden nur noch die Vereine eine Chance haben, die die Kompetenzen der perfekten Medieninszenierung über ihre Mitglieder in ihren Reihen vorfinden?


Für die Bank war es eine gelungene PR-Aktion. Zehntausende Homepage-Aufrufe, Tausende Klicks beim Voting und Facebook- Kontakte sowie Presseberichterstattung lassen sie in einem guten Licht stehen. Doch ist es das, was eine Bank auszeichnet? Und ist es wirklich fair, wenn ein Online-Voting durchgeführt wird, wo große und kleine Vereine gegeneinander antreten müssen und die Stimmenverteilung auch noch in die Endbewertung mit einfließt? Und welche Rolle wird dem Internet und sozialen Netzwerken zugewiesen?


Die Nutzer müssen ihre Daten angeben und es wird sicher durch die Bank genau ausgewertet werden, wer sich von wo beteiligt hat. Die Leichtsinnigkeit und der unreflektierte Umgang mit hochsensiblen Daten wird gefördert und indirekt banalisiert – es ist ja für meinen Verein, für einen guten Zweck. Ist dies wirklich förderlich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit unser Zukunft, für das Gemeinwohl? Zukunftsoffensive 2015 – vielleicht der direkte Weg in eine Vermarktwirtschaftlichung des Ehrenamts?


Dies sind nur einige Gedanken und Fragestellungen – eine abschließende Meinung hat der Verfasser selbst noch nicht.


Dr. Gregor Kaiser, Lennestadt