Geld für Gewinner – Trost für Verlierer

Kreis Olpe..  Die erste Hälfte des Jahres ist fast rum, Anlass für die Redaktion, die Pegelstände in den Stadtkassen abzufragen. Wie sieht es aus mit den Gewerbesteuer-Einnahmen? Werden die in den Haushalten prognostizierten Ziele erreicht?

Keiner weiß warum

Erste Erkenntnis: Es gibt Gewinner und Verlierer, und keiner weiß so richtig, warum. Überall ist zu lesen, dass die Wirtschaft brummt und die Steuern sprudeln, aber an Drolshagen und Finnentrop geht dieser Trend bislang vorbei. Drolshagen hatte ohnehin schon nur bescheidene 7,1 Millionen Euro Gewerbesteuer veranschlagt, wenn es so bleibt, wie es sich derzeit abzeichnet, endet die kleinste Stadt im Kreis Olpe bei etwas über fünf Millionen Euro. „Der Dezember ist immer noch ein spannender Monat“ tröstet sich Kämmerer Rainer Lange, da könne noch etwas passieren. Allerdings in beide Richtungen „und Jubelschreie hat es bei uns im Dezember schon lange nicht mehr gegeben“, berichtet Lange.

Auch nicht richtig rund läuft es in Finnentrop. Wenn’s so bleibt, wird Bürgermeister Heß zu Beginn seiner nächsten Amtszeit wohl nicht aus dem Vollen schöpfen können. Statt der geplanten 8,4 Millionen Euro sieht es derzeit nach gut sieben Millionen aus. Warum? Kämmerer Josef Baußmann hat auch nicht wirklich eine Erklärung, hofft aber, dass die zweite Jahreshälfte der Gemeinde „noch mal in die Karten spielt“.

Im Mittelfeld liegen Olpe (14,5 Millionen), Lennestadt (17 Millionen) und Kirchhundem (7,1 Millionen), die alle berechtigte Hoffnung haben, ihre Haushaltsansätze Ende des Jahres noch zu erreichen. Kirchhundem mit Hilfe von neuen Steuerbescheiden.

Ziel erreicht

Deutlich entspannter ist Wendens Kämmerer Bernd Clemens, der in diesem Monat davon ausgehen kann, dass der Haushaltsansatz von neun Millionen Euro um knapp zehn Prozent übertroffen wird. Damit lässt sich leben.

„Damit kann man leben“ wäre auch ein typischer Satz von Attendorns Kämmerer Klaus Hesener, der in der kommenden Woche dem Rat seinen Finanzzwischenbericht vorlegen und alles daran setzen wird, den Ratsmitgliedern aufkeimende Feierstimmung auszutreiben. Denn man erinnere sich: Von jedem Euro Gewerbesteuer, den Attendorn einnimmt, bleiben nur etwas mehr als 10 Cent in der Hansestadt!

Paralleluniversum

Trotzdem, in dieser Hinsicht leben die Attendorner in einer Art Paralleluniversum: 28 Millionen Euro waren im Haushalt eingeplant, nach dem jetzigen Stand werden es rund fünf Millionen Euro mehr, also 33 Millionen. „Die klagen auf hohem Niveau“ sagt Bernd Clemens, kann aber auch verstehen, dass sich Attendorn über die Umlagehaushalte ärgert: „Die müssen ja wirklich immer ein großes Stück abgeben.“

Das ist auch der Trost, mit dem Drolshagens Kämmerer Rainer Lange über den Dezember kommt, wenn die Jubelschreie ausbleiben: „Wenn es den Attendornern schlechter ginge, würde für uns ja auch noch die Kreisumlage steigen. Ist also ganz gut, wenn die hohe Einnahmen haben.“

Ähnlich sieht das Finnentrops Kämmerer Josef Baußmann. Es sei schon gerecht, wenn in einer Solidargemeinschaft der Stärkere den Schwächeren unterstütze. „Aber ich würde sofort tauschen mit Attendorn, da ist mir das Hemd näher als die Hose.“