Gaunereien und Betrug am laufenden Band

Bürgermeister Hundt (links) und Landrat Beckehoff (2. von rechts) mit dem Team der Verbraucherzentrale Lennestadt.
Bürgermeister Hundt (links) und Landrat Beckehoff (2. von rechts) mit dem Team der Verbraucherzentrale Lennestadt.
Foto: WP

Lennestadt/Kreis Olpe..  Nichts bleibt so wie es ist. Das gilt auch für die Verbraucherzentrale in Lennestadt. „Wir haben im letzten Jahr festgestellt, wie sehr uns die aktuelle Rechtsprechung betrifft“, sagt Anne Hausmann, Leiterin der Beratungsstelle in Altenhundem, bei der Vorstellung des Jahresberichts für 2014.

Das bedeutet, das Team muss immer schneller reagieren. Eine Nachfragewelle schwappte in die Hundemstraße, nachdem der Bundesgerichtshof Bearbeitungsentgelte für Darlehen für unzulässig erklärt hatte. Insbesondere wurde Unterstützung gesucht, weil Kreditinstitute massenhaft versuchten, die Erstattung mit fadenscheinigen Argumenten zu verweigern. Zudem sorgten fehlerhafte Widerrufsbelehrungen in vielen Immobiliendarlehensverträgen für ausgebuchte Beratungstermine. Denn wurden Bauherren oder Wohnungskäufer falsch belehrt, können sie den Vertrag noch ewig widerrufen und bei Auflösung „eventuell die Vorfälligkeitsentschädigung sparen“, so Hausmann.

Der Ärger mit Banken und Kreditinstituten nimmt ohnehin immer weiter zu. Mit 62 Prozent lagen Verbraucherprobleme im Bereich Finanzen unangefochten an der Spitze. Deshalb wird die Verbraucherzentrale ihre Beratung zu den Thema Altersvorsorge, Baufinanzierung und Geldanlage in diesem Jahr verstärken. Mit dem Diplom-Kaufmann und Finanzökonom Frank Klenner ist jetzt einmal im Monat ein erfahrener Finanzberater zum Beratungstermin in Lennestadt. „Im Finanzbereich herrscht Krieg“ sagt der Verbraucherberater. Weil die Banken durch die Abschaffung der Zinsen weniger Ertrag machen, gibt es eine Vielfalt neuer Produkte, die nicht verbrauchergerecht sind.“ Mittlerweile basieren 35 Prozent aller Insolvenzfälle auf falschen Immobilienfinanzierungen.

Dauerbrenner Telekommunikation

Ein Dauerbrenner war auch im letzten Jahr der Bereich Telekommunikation. Fast jeder Dritte kommt mit einer überhöhten Telefonnrechnung in die Beratung. Dabei gibt es immer neue „Fallbeispiele“. Wenn Kinder zum Beispiel mit dem Handy von Mutti spielen und aus Versehen Werbebanner aktivieren, kann das teuer werden. Anne Hausmann: „Eltern kommen teilweise mit Handyrechnungen von 600 bis 700 Euro zu uns, aber in den seltensten Fällen können die Anbieter nachweisen, dass ein einwandfreier Kauf abgeschlossen wurde.“ Neueste Masche von Handybetrügern: Versandte Virenprogramme verschicken automatisch tausende von SMS-Nachrichten, die je nach Vertrag in Rechnung gestellt werden.

Überrumpelt werden viele Verbraucher nach wie vor von Telefonverträgen. Massenhaft waren auch in 2014 wieder gefälschte E-Mails, getarnt als Rechnung namhafter Unternehmen, im Umlauf.

Einen Boom verzeichnen Inkassobüros. Sie werden von Unternehmen bei Zahlungsverzug immer öfter und aggressiver eingesetzt.

Ein weiterer Knackpunkt ist das Thema Stromverträge. Die Angebote zum Teil mit Rabatten oder Bonuszahlungen sind so verwirrend, dass viele Verbraucher in der teuren Grundversorgung bleiben, obwohl sie allein durch einen Tarifwechsel beim eigenen Anbieter viel Stromgeld sparen könnten.

Landrat Frank Beckehoff und Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt zeigten sich einmal mehr angetan von der guten Abeit der Beratungsstelle in Lennestadt.