Für den Hungrigsten 15 Stücke Streuselkuchen

Alle zehn Jahre treffen sich die Kommunionkinder von 1945. So auch an diesem Wochenende wieder im Hotel Platte in Helden
Alle zehn Jahre treffen sich die Kommunionkinder von 1945. So auch an diesem Wochenende wieder im Hotel Platte in Helden
Foto: WP
Was wir bereits wissen
März 1945: 30 Kinder aus dem Kirchspiel Helden sind besonders aufgeregt. In einem Monat sollen sie zur Erstkommunion gehen. Doch es zeichnete sich ab, dass der Krieg in seinen letzten Zügen war.

Helden..  März 1945: 30 Kinder aus dem Kirchspiel Helden sind besonders aufgeregt. In einem Monat sollen sie zur Erstkommunion gehen. Doch es zeichnete sich ab, dass der Krieg in seinen letzten Zügen war. Die Front rückte näher, der propagierte Endsieg in weite Ferne, die Amerikaner waren im Anmarsch. Da entschied Pfarrer Josef Huckestein, die Erstkommunion auf den Palmsonntag vorzuverlegen.

Somit feierten die Jungen und Mädchen, damals gerade acht oder neun Jahre alt, schon am 18. März ihren Weißen Sonntag. Eine gute Entscheidung. Am 11. April marschierten die Amerikaner in Helden ein, drei Tage nach dem offiziellen Termin für den weißen Sonntag gerät Helden unter Beschuss und auch die Kirche wurde getroffen. Eine Panzergranate explodierte im Altarraum.

70 Jahre später

„Am Tag unserer Erstkommunion führten Wehrmachtsangehörige noch französische Kriegsgefangene durch Helden, die auf dem Hof meines Onkels Rast machten“, erinnert sich Bernward Pulte. Er ist einer der Kinder von damals, der sich jetzt, 70 Jahre später, mit 12 anderen Jubelkommunionkindern im Hotel Platte trifft. „Der Tag meiner Erstkommunion war auch der Tag, an dem ich zum ersten Mal Schokolade bekommen habe“, erinnert sich der heute 78 Jährige. „Die Schokolade habe ich von den Franzosen im Tausch mit Kartoffeln bekommen.“ Essen, das war ein großes Thema an dem Festtag. „Wir waren zwar hier auf dem Lande, aber Hunger hatten wir auch“, weiß Wilhelm Mertens. Daher wissen alle noch genau, wie es war, als es nach der Messe Streuselkuchen gab. „Die damalige Haushälterin vom Pastor hatte den gebacken. Nach der Messe bekam jeder eine Urkunde und wir durften diesen Streuselkuchen essen. Einer hat sage und schreibe 15 Stück davon verdrückt.“

Flau im Magen

Immerhin waren die Kinder bis dahin noch nüchtern und den meisten war richtig flau im Magen. „Wir durften die Erstkommunion nur nüchtern empfangen und so eine Messe war ganz schon lang“, erinnert sich Bernward Pulte. „Wir waren 25 Kinder aus Helden und fünf Kinder waren von evakuierten Familien,die im Repetal untergebracht worden waren“, erinnert sich auch Wilhelm Mertens.

Trotz des Krieges hatten aber alle ein Kommunionkleid oder einen Kommunionanzug. Einige Kleider wurden von Nonnen, die in Rieflinghausen wohnten, genäht, andere wurden von Verwandten oder Nachbarn zur Verfügung gestellt. „Man rückte zusammen und half sich“, so Wilhelm Mertens.

Die meisten der Kommunionkinder von damals sind in der Region oder in NRW geblieben und alle zehn Jahre treffen sie sich. „Nur zwei von damals sind gestorben. Wir sind ein zäher Jahrgang“, schmunzelt Bernward Pulte zum Abschied.