Frierende Spatzen

Fritzken ist ein lieber kleiner Kerl, der auch gern Heinzelmännchen spielt. Damit hat er auch den Erwachsenen schon oft große Freude bereitet. Aber eine Unart hat er doch an sich: Ihm sind oft die Formen im gesellschaftlichen Leben gleichgültig, darum gibt er nichts.

Wenn er schon die Hand reichen muss, ist es oft die linke statt die rechte, das Essen mit Messer und Gabel ist für den Jungen eine der schlimmsten Katastrophen, statt sich die Nase zu putzen, schluckt er lieber „frische Austern“, und das in einer unanständigen Lautstärke, und die Hände sind auch nicht oft in einem akzeptablen Zustande der Reinlichkeit. Und das trübt natürlich die Freude an dem sonst so hilfsbereiten kleinen Kerl.

Cordula greift zu

An einem Wochentage in der Osterwoche hat der Pastor die Kommunionkinder in der Kirche versammelt, zu denen auch Fritzken gehört. Was sieht er da? Fritzken hat doch wahrhaftig seine Bommelmütze auf dem Kopf! Der Pastor ruft dem Jungen zu, dass er schleunigst die Mütze abziehen soll – aber Fritzken unterhält sich gerade angeregt mit Fränzken und hört gar nichts.

Beherzt greift Cordula zu und zieht sie dem Jungen vom Kopf. Für diesmal ist alles gut, und man sollte meinen, dass Fritzken von nun an die Mütze nicht mehr auf lässt, wenn es der Anlass erfordert.

Aber Fritzken bleibt, was gesellschaftliche Formen angeht, weiterhin äußerst phlegmatisch. Das erfährt der Lehrer gleich am ersten Schultag nach den Osterferien. Kaum ist er in der Klasse und hat noch nicht einmal Zeit zu grüßen gehabt, da hört er schon den Fritzken – er schnieft so laut mit der Nase, dass man es ganz und gar nicht überhören kann.

Der Lehrer schaut in die Richtung des Geräusches – und nun wird er bald wütend. „Fritzken! Hast du eine Verletzung am Kopf?“ „Nein!“ kräht der Junge, „warum auch? Ick hewwe mey’n Kopp nau nit stott. (Ich hab mir den Kopf noch nicht gestoßen.)“

„Ach sau!“ fährt der Lehrer auch auf Platt fort, „awwer dann heäste Luilinge unger diär Müske, woll? (Ach so, aber dann hast du Spatzen unter der Mütze, woll?) Fritzken ist ganz Staunen. „Wat? Heer Klaukmann, ick brenge doch kenne Vuile met in de Schaule! (Was? Herr Klugmann, ich bringe doch keine Vögel mit in die Schule.“

Lautes Gelächter

Herr Klugmann kippt auf Hochdeutsch um: „Dürfte ich dich dann bitten, die für einen Klassenraum so ungeeignete Kopfbedeckung im Falle des Nicht-Vorhandenseins gewisser gefiederte Tiere darunter abzunehmen?“ Alle brechen in lautes Gelächter aus. Fritzken aber wird puterrot und reißt sich die Mütze vom Kopf. Aber ein Gutes hatte diese theaterreife Vorstellung am Ende dann doch: Fritzken nahm von nun an jedes Mal rechtzeitig seine Mütze vom Kopf, wenn es der Anlass verlangte.