Förderschule verlegt Unterricht auf Bauernhof

Spannender „Lernort Bauernho“f: die Förderschüler aus Olpe zusammen mit Julian Quast, Mitglied im Milchausschuss des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes (2. v. l.), Landwirt Thomas Theile (3. v. l.) und Lehrer Martin Rehs (5. v. r.). Auf dem Bauernhof in Fahrenschotten erfuhren sie viel Neues.
Spannender „Lernort Bauernho“f: die Förderschüler aus Olpe zusammen mit Julian Quast, Mitglied im Milchausschuss des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes (2. v. l.), Landwirt Thomas Theile (3. v. l.) und Lehrer Martin Rehs (5. v. r.). Auf dem Bauernhof in Fahrenschotten erfuhren sie viel Neues.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Spannende Stunden verbrachten die Sechstklässler aus Olpe bei Landwirt Thomas Theile in Fahrenschotten. Mit allen Sinnen lernten sie die Besonderheiten der Landwirtschaft kennen.

Fahrenschotten/Kreis Olpe..  Für gewöhnlich stehen in den Ställen von Thomas Theile 77 Kühe im Mittelpunkt, die mit ihrer Milch das Einkommen des Landwirtes aus Fahrenschotten sichern. Am Freitag allerdings dreht sich für ein paar Stunden alles um die Klasse 6 der Olper Förderschule „Hören und Kommunikation“.

Mit ihrem Lehrer Martin Rehs waren die Sechstklässler auf den Hof in dem Drolshagener Ortsteil gekommen, um etwas kennen zu lernen, das ihnen bis dahin so gut wie fremd war. Wie geht es auf einem Bauernhof zu? Was macht eigentlich ein Landwirt? Wie kommt die Milch aus der Kuh in den Tetrapack? Fragen über Fragen. Die passenden Antworten gab’s am Freitag vom Experten.

Der Milchkuhbetrieb Theile zählt zu den 30 landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Olpe, die im Rahmen der Aktion „Lernort Bauernhof“ Schulklassen und Kindergärten anbieten, den Bauernhof mit allen Sinnen kennen zu lernen. Wie wichtig den Landwirten diese Form der Öffentlichkeitsarbeit ist, hob Julian Quast, Mitglied des Milchausschusses beim Landwirtschaftlichen Kreisverband Olpe, auch anlässlich des „Tages der Milch“ am 1. Juni hervor: „Die Bevölkerung soll wissen, wie Milchnutzung funktioniert und Lebensmittel produziert werden.“ Denn leider sorgten „schwarze Schafe“ aus den Reihen der landwirtschaftlichen Betrieben immer wieder dafür, dass in der Öffentlichkeit ein eher negatives Bild gezeichnet werde.

Fahrt auf dem Traktor

Imagefragen spielten für die Jungen und Mädchen der Olper Förderschule am Freitag derweil keine Rolle. Sie hatten vor allem eines: viel, viel Spaß. Die Jungen und Mädchen durften Kälbchen streichen und die raue Zunge der Tiere berühren, auf dem Traktor mitfahren, beim Melken zuschauen.

Und Thomas Theile erklärte ihnen zum Beispiel, dass eine Kuh pro Tag rund 25 Liter Milch gibt, 32 Kilo Futter verputzt und er selbst nicht etwa, wie die Kinder dachten, 2 Euro pro Liter Milch verdient, sondern nur 30 Cent.

Neu war für die Jungen und Mädchen auch, dass ein Landwirt keine geregelte Arbeitszeit hat.

Thomas Theile: „Wir arbeiten mit dem Wetter. Wenn geerntet werden muss, dann wird halt gearbeitet, bis alles fertig ist.“ Was er ihnen nicht erklären musste: Landluft riecht irgendwie anders. Das bemerkten die Förderschüler auch so.

Bezug verloren

Den Respekt vor der Natur haben die Sechstklässler im Alter von elf bis zwölf Jahren auch schon intus: „Die Klasse betreut drei Bienenvölker“, betonte ihr Lehrer Martin Rehs. Seine Resümee des Bauernhof-Besuches: „Ich denke, es hilft wirklich weiter.“

Landwirt Thomas Theile ist überzeugt von der positiven Wirkung der Aktion „Lernort Bauernhof“: „Es ist wichtig, den Kindern und Jugendlichen heutzutage das Landleben auf dem Hof wieder neu zu zeigen.“

Ergänzte Julian Quast: „Auch die Bevölkerung auf dem Land hat zunehmend den Bezug zu ihrer heimischen Landwirtschaft verloren. Wir laden alle Interessenten ein, mit uns Kontakt aufzunehmen, sich persönlich ein Bild von der tatsächlich existierenden Landwirtschaft zu machen und mit uns zu reden.“