Festakt wird ein Appell für die Nächstenliebe

Die Ehrengäste  beim Festakt „125 Jahre St. Josefs-Hospital“ in Altenhundem.
Die Ehrengäste beim Festakt „125 Jahre St. Josefs-Hospital“ in Altenhundem.
Foto: WP

Altenhundem..  Man mag sich kaum vorstellen, wie die Versorgung der ersten 27 Patienten vor 125 Jahren im St. Josefs-Hospital in Altenhundem ausgesehen hat. Eins hat sich seit der Gründung des Hauses am 27. Mai 1890 nicht wesentlich geändert: der würdevolle Umgang mit den Patienten, orientiert an christlichen Werten. Fast alle Redner stellten gestern Nachmittag diesen Aspekt in den Mittelpunkt ihrer Grußworte.

Im Jubiläumsjahr der Klinik sind noch viele Veranstaltungen unterschiedlichster Art geplant. Gestern stand der offizielle Jubiläumsfestakt auf dem Terminplan. Er begann mit einem recht schlichten Gottesdienst in der renovierten Krankenhauskapelle, zelebriert vom Paderborner Weihbischof Matthias König zusammen mit dem Leitenden Pfarrer des Pastoralen Raums Lennestadts Christoph Gundermann und Krankenhausseelsorger Pater Adolf Reiners. Dass sich seit 125 Jahren die Mitarbeiter dafür einsetzen, dass die Patienten neben der medizinische Hilfe auch Nähe und christliche Nächstenliebe erfahren, gebühre Achtung und Wertschätzung, so der Weihbischof. „Tun Sie alles, damit Nächstenliebe nicht zum Schlagwort verkommt, sondern dass dies unmittelbar spürbar ist und den Geist des Hauses prägt“, so der Gast aus Paderborn.

Ein Appell vor einem realen Hintergrund. Denn das Spannungsfeld zwischen medizinischer Machbarkeit, systematisierter Pflegeorganisation, wirtschaftlicher Notwendigkeit und der ethischen Betrachtungsweise, die die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt, wird im modernen Klinikbetrieb immer größer, wie Schwester Mediatrix Nies, Vorstandsvorsitzende der Maria Theresia Bonzel - Stiftung in ihrer Festrede mit dem Titel „Der Mensch im Medizinbetrieb - gestern und heute“ anschaulich und aus eigener Erfahrung darstellte. Sie teilte damit so manchen Seitenhieb auf das etablierte Gesundheitssystem aus.

„Mediziner haben Sterben immer als persönliche Niederlage gesehen und das Leiden eines Menschen wird oft mit Medikamenten verlängert“, so die Ordensschwester. Der Patient sei heute immer mehr Kunde, der eine Dienstleistung in Anspruch nimmt und sie einfordert, weil die Politik die Meinung verbreitet, „dass für alles Wohlergehen andere zuständig sind.“ Auch das Pflegeverständnis habe sich gewandelt, „früher wurde spontan und intuitiv gehandelt, heute ist alles geplant und systematisiert.“ Aber leider führe das mitunter zu chaotischen Verhältnissen, wenn eine geänderte Situation plötzlich doch wieder spontane Entscheidungen verlange. Man müsse trotz allen medizinischen Fortschritts die Grenzen des Lebens anerkennen. „Vieles ist gut, aber manchmal frage ich mich ob es noch um Menschen statt um Prinzipien geht“, so die Ordensfrau.

Karitative Pioniertat

Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe waren die einzigen Motive, mit den vier Schwestern der Olper Franziskanerinnen vor 125 Jahren ihren Dienst in Altenhundem antraten, nachdem sich die Verantwortlichen der kleinen Kapellengemeinde Altenhundem entschlossen hatten, ein Krankenhaus einzurichten. „Die Väter der Einrichtung hatten Mut für eine karitative Pioniertat“, zitierte Landrat Frank Beckehoff den früheren Altenhundemer Pfarrer Hans-Josef Feldhagen. „Wir können froh sein, dass wir dieses Krankenhaus im Kreis Olpe haben“, sagte der Landrat und wünscht der Einrichtung eine gute, erfolgreiche und gesicherte Zukunft. Das wünschte dem St. Josefs-Hospital auch Lennestadts Bürgermeister Hundt. Das Hospital sei ein modernes und anerkanntes Gesundheitszentrum, dessen Mitarbeiter einen hervorragenden Ruf genießen.