Faustrecht verhindern

Bigge-Randweg..  Mit Ihrem Artikel nehmen Sie sich eines inzwischen etablierten Unwesens an. Offensichtlich gibt es in Ihrer Redaktion eine Pro- und Kontra-Meinung. Dass es bei diesem Thema eine Kontra-Meinung gibt, ist zulässig, aber unverständlich. Schließlich gibt es eine Straßenverkehrsordnung, in der ständige Vorsicht, gegenseitige Rücksichtnahme und die Vorgabe, „sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird“ klar geregelt sind (STVO §1).


Rechte und Beschränkungen der Verkehrsteilnehmer regelt die STVO unter anderem durch Verkehrszeichen, im diskutierten Fall Zeichen 240 – „Gemeinsamer Geh- und Radweg“. Dieses Zeichen gilt auch im privaten Bereich. Der Fußgänger ist, da er der „schwächere“ Verkehrsteilnehmer ist, geschützt. Der Radfahrer hat bei gemeinsamer Nutzung eines Weges sein Tempo entsprechend des § 1 STVO einzurichten. Das bedeutet, in Streckenabschnitten mit hoher Fußgängerfrequenz unter Umständen Schritttempo einzuhalten. Streckenabschnitte mit geringer oder keiner Fußgängerfrequenz erfordern nur bedingt eine Anpassung der Geschwindigkeit – es sei denn, sie wird durch entsprechende Verkehrszeichen gefordert.


Die Situation am beschilderten Beispiel „Leuchtturm“ fordert sogar „Radfahrer absteigen“ - wird aber regelmäßig missachtet. Dieser Vorgabe kann offensichtlich nur zum Recht verholfen werden, wenn in diesem Streckenabschnitt wirksame Sperren eingerichtet werden, die den Radfahrer zum Absteigen zwingen. Die Kosten für Aufbau und Betrieb dieser Sperren muss in Befolgung der Verkehrssicherungspflicht derjenige übernehmen (Leuchtturm), der den wirtschaftlichen Nutzen von deser Regelung hat. Jede Vorschrift verfehlt ihr Ziel, wenn sie nicht verstanden und befolgt wird. Deshalb empfiehlt der Seniorenrat: Radfahrer müssen ihre Fahrweise den jeweiligen Verkehrsverhältnissen anpassen. Bei starkem Aufkommen von Fußgängern reduzieren sie ihre Geschwindigkeit und klingeln rechtzeitig – eventuell mehrfach, fahren rechts und halten damit Abstand zu Fußgängern. Übrigens: Die Klingel ist vorgeschrieben.


Fußgänger gehen aus Sicherheitsgründen in Gehrichtung links und nehmen nicht mehr als die Hälfte der Breite in Anspruch, ihren Hund halten sie an der kurzen Leine und führen einen Beutel für den Hundekot und eine Tasche(Beutel) für Leergut oder sonstige Abfälle mit. Sollten Ausweichmanöver notwendig werden – immer in Gehrichtung nach links. Wenn nicht möglich, einfach stehen bleiben und warten. Gegenseitige Rücksichtnahme verhindert das Faustrecht.


Jürgen Aubert, Vorsitzender des Seniorenrates der Stadt Attendorn