Fast 100 Jahre hatten die Theiles das Sagen

Olpe-Rosenthal..  Spätestens, wenn man die tiefgeschwärzten Deckenbalken über dem Kopf riecht, beschleicht einen der Gedanke, das Haus kann kaum vorgestern gebaut worden sein. Das stimmt: Der altehrwürdige Gasthof im Olper Rosenthal ist, so versichert jedenfalls Stadtarchivar Josef Wermert, „das älteste Fachwerkhaus in Olpe. Es ist 1732 erbaut worden.“

Das erste Kapitel übers Rosenthal und seine landwirtschaftliche Geschichte wird schon im 14. Jahrhundert aufgeschlagen, wie dem heimatgeschichtlichen Buch „Beiträge zur Geschichte des südlichen Sauerlandes“ von Norbert Scheele (1903 bis 1979) zu entnehmen ist. 1360 beispielsweise verkauft ein Hanneman von Luterinchusen die Hälfte des Gutes des verstorbenen Gerhardt van me Rosendale an das Kloster in Drolshagen, das über Jahrhunderte Eigentümer von Ländereien bleibt und sie offenbar an wechselnde Landwirte verpachtet. Im 17. Jahrhundert tauchen die Namen Holterhoff und Bonzel auf, im späten 18. Jahrhundert ein Tillman Stam aus Kirchesohl. 1851 brannte ein Teil des Anwesens ab, 1870 erwarb ein Franz Alterauge einen Teil des Gutes.

Zeitzeuge: Reinold Theile

Ende des 19. Jahrhunderts rückt dann der Familienname Theile in den Mittelpunkt, der die Gastronomie im Rosenthal fast ein Jahrhundert lang prägen sollte.

Und diese Geschichte braucht man glücklicherweise nicht in einem Buch nachzuschlagen, denn mit Reinold Theile lebt der heute 77-jährige Enkel dieses Wilhelm Theile noch in Olpe. Er zeigt uns bei einem Besuch einen alten Stammbaum mit den Geburtsdaten von Opa Wilhelm (30. 6. 1866) und Oma Emilie, geb. Sasse (24. 10. 1863), alte Fotos aus den 30-er und 40-er Jahren des vorigen Jahrhunderts - und die Original-Urkunde über die Schankerlaubnis des Großvaters: „Die stammt aus dem Jahr 1898“, zeigt er stolz das Original, auf dem unter anderem zu lesen ist: „Dem Wilhelm Theile zum Rosenthal wird hierdurch auf Grund des § 33 der Gewerbe-Ordnung für das Deutsche Reich vom 1. Juli 1883.... die Erlaubniß ertheilt, in dem Wohnhause Nr. 1 ... die Schankwirtschaft zu betreiben. ... .“ Datiert vom 13. September 1898. Ein Jahr zuvor wurde Reinold Theiles Vater Franz geboren, am 27. August 1897, fast genau 40 Jahre später Reinold Theile, der den Gasthof bereits mit Mitte 20 übernahm und vielen älteren Olpern noch ein Begriff sein dürfte. Theile: „1963 habe ich den Gasthof übernommen und genau 30 Jahre, bis 1993 geführt.“ In diese Zeit sei u. a. eine grundlegende Renovierung Ende der 60-er Jahre, Anfang der 70-er Jahre gefallen - mit dem Einbau einer Heizung und der Verlegung des Treppenhauses.

Die weiteren Stationen des Anwesens kann Reinold Theile ebenfalls noch gut aus dem Gedächtnis rekonstruieren: 1993 habe er die gesamte Immobilie an den Olper Dr. Elmar Reuter verkauft, der die Gastronomie mehrmals verpachtet habe, u. a. an einen ehemaligen Mitarbeiter des Olper „Löwen“, an ein Ehepaar aus dem Siegerland, an eines aus der Pfalz und später an ein albanisch-türkisches Duo, das aus dem Traditions-Gasthof ein mexikanisches Restaurant gemacht habe. Durchschlagenden, mehrjährigen Erfolg habe aber niemand mehr gehabt.

Zum einen habe das gastronomische Know how gefehlt, manchmal auch kaufmännisches Geschick. 1999 sei die Immobilie an einen Pyrotechnik-Unternehmer aus dem Olper Raum verkauft worden, der es im Rahmen einer Zwangsversteigerung wieder habe abgeben müssen.

Von einem zum nächsten

Die jüngere Geschichte ist bekannt: Ersteigert wurde der Gasthof mit den Nebengebäuden schließlich von einem in der Region bekannten Trockenbauer, der eine grundlegende Sanierung vornahm und es wieder verkaufte - an einen Olper Bankangestellten, der es jetzt an das Ehepaar Manfred Eisfeld und Nicole Bergmann veräußerte.

Und damit soll die wechselvolle Geschichte des Traditions-Gasthauses für viele Jahre zur Ruhe kommen: „Als ich das hier gesehen habe - das war Liebe auf den ersten Blick“, strahlt Manfred Eisfeld, der wie Reinold Theile übrigens gelernter Koch ist. Und mit Blick zu seiner Frau fügt er hinzu : „Hier wollen wir bleiben.“