„Es war auch mal Zeit für einen Wechsel“

Attendorn..  Brauchtum in geballter Form, zahlreiche Andachten und feierliche Messen zum Osterfest – Thorsten Schmehr hätte sich keinen besseren Einstieg für seinen Dienstantritt aussuchen können, um Attendorner Tradition und gelebten Glauben im Pastoralverbund Attendorn kennenzulernen.

Thorsten Schmehr – Kirchenmusiker aus Berufung und Leidenschaft, trat zum 1. April die Nachfolge von Josef Weber an und war bei seiner Premiere am Mittwochmorgen gleich angetan. „Für eine Werktagsmesse ist die Kirche ja richtig gut besucht und der Gesang war kräftig“, freute sich Schmehr, den die Gottesdienstbesucher erstmals an der Orgel der Pfarrkirche St. Johannes Baptist hören konnten.

Wenngleich die äußeren Bedingungen mit typischem April-Wetter und Sturm nicht sehr einladend waren, fühlt sich der geborene Saarländer in neuer Region schon recht wohl. Bis er richtig Fuß gefasst hat und seine Frau Alexandra und der 16-monatige Sohn Marlon auch nach Attendorn ziehen, wohnt Thorsten Schmehr vorübergehend in einer Ferienwohnung und pendelt so gut es geht der jungen Familie wegen noch.

„Im Bistum Augsburg war ich nun 18 Jahre beschäftigt, da ist auch mal Zeit für einen Wechsel“, erklärt Schmehr, den die Stellenausschreibung der „Leuchtturmstelle“ als Kirchenmusiker in Attendorn aber sofort angesprochen hat. „Die ersten Kontakte waren hier sehr angenehm. Und Pfarrer Neuser ist ein Mann der Praxis. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“

Vom Klavier fasziniert

Gemeinsam mit Tatiana Hundt wird Thorsten Schmehr den Kinderchor weiterführen. „Es war sehr wertvoll von ihr, den Chor zu leiten. Im Teamwork wollen wir weiter Kinder früh an die Musik heranführen.“ Den Dom-Chor übernimmt Schmehr als Leiter und wird wohl auch den Dünscheder Chor betreuen.

„Kirchenmusik hat mich schon früh begeistert“, erinnert sich Thorsten Schmehr: „Mein Vater war Vorsitzender des Kirchenvorstandes und ich habe ihn schon als 3-Jähriger oft in die Kirche begleitet, wenn der damalige hauptamtliche Organist gespielt hat.“ Später im Kindergarten hat ihn ein Klavier fasziniert, was „da so stand“. Eine Tanz-Veranstaltung wurde mit Klaviermusik begleitet, seine Aufmerksamkeit galt ganz diesem Instrument als begeisterter Zuhörer. „Über das Klavier bin ich dann selbst zum Orgelspiel gekommen“, so Schmehr, der die Vielseitigkeit des Studiums der Kirchenmusik hervorhebt: Orgel, Orchester und Chor.

„Ach, ich bin da sehr offen aufgestellt“, möchte sich Schmehr nicht auf musikalische Vorlieben festlegen, nennt aber dann doch einige spannende Gebiete wie Gregorianischer Gesang oder französische Orgelmusik. „Das liegt sicher auch an der Nähe des Saarlands zu Frankreich.“

Für seine Magisterarbeit hat Schmehr eine Messe aus dem 18. Jahrhundert editiert. „Das hat viel Freude gemacht, wenn sie dann auch noch aufgeführt wird, ist es großartig.“ In seiner Aufzählung merkt man, dass die Kirchenmusik viel zu bieten hat: das 19. Jahrhundert war die Zeit der Sinfonien und der Vokal-Musik. „Aber ich verschließe mich auch nicht der modernen Musik“, verrät der Saarbrücker.

Bleibt noch Zeit für andere Hobbies? „Laufen und Fahrradfahren, um auch körperlich fit zu bleiben“, so Schmehr, und sein besonderes Steckenpferd: Das Eisenbahn-Wesen – aber nicht in Miniatur, sondern die großen Züge, Bahnhöfe und auch Fahrpläne.

Die Premiere an der neuen Orgel am Mittwochmorgen ist ihm geglückt, das kirchliche Osterprogramm setzt sich nun bis Montag Non-Stop fort. Dann ist die Bewährungsprobe auch schon geschafft.