Erschreckendes Maß an Kalkül

Zentrale Unterbringungseinheit für Asylbewerber. Wer am Dienstagabend Zeuge der Bürgerversammlung der Stadt Olpe zur geplanten Zentralen Unterbringungseinheit (ZUE) für Asylsuchende in der Kolping-Familienferienstätte Regenbogenland war, dem wurde klar, dass trotz vielfältiger Meinungsbilder zu dieser Planung offenbar zwei Dinge unstrittig sind: Die Ferienstätte bietet Asylsuchenden in Olpe die Möglichkeit einer würdevollen Unterbringung, die von den Anwohnern und den Menschen in der Stadt gleichermaßen begrüßt wird. Gleichzeitig wurde allerdings auch von niemandem wirklich bestritten, dass allein die Konzentration von 400 Asylsuchenden in diesem Gebäude fragwürdig bzw. nicht wirklich wünschenswert ist; sie wird allein von den auf Landesebene vorgegebenen Größen für solche ZUEs bestimmt.

Dass solche Mindestzahlen außerhalb finanzieller und organisatorisch-logistischer Überlegungen eine Begründung haben, ließ sich am Dienstag nicht erkennen. So wirkte es im Gegenteil erschreckend, welches Maß an Kalkül hinter der Einrichtung von ZUEs zu stehen scheint. Man bekam aus den Äußerungen der Bezirksregierung und der Stadt Olpe insbesondere den Eindruck, dass ZUEs „Laufzeiten“ haben, die die Abnutzung dieser Einrichtungen im Laufe der Jahre als Teil der Konzeption eindeutig in Kauf nehmen. „Nach einer gewissen Zeit sind solche Gebäude dann eben auch durch“, ließ Herr Ernst von der Bezirksregierung Arnsberg verlauten.


In ähnlicher Weise wurde klar: ZUEs werden für mindestens 400 oder mehr Asylsuchende geplant, egal ob dieser Standort eine eher kleine ehemalige Tagungsstätte nahe einem Wohngebiet oder ein aufgegebenes randstädtisches Kasernengelände ist. Damit wird die Starrheit einer solchen Vorgehensweise eklatant deutlich. Und somit ist klar: Die geplante Einrichtung einer ZUE in den vom Land vorgegebenen Dimensionen nimmt in Kauf, dass die Eignung der Familienferienstätte als menschenwürdige Unterbringungsmöglichkeit mittel- und langfristig geopfert wird; man mag glauben, für einige Jahre eine (finanziell-logistische) Lösung für die Aufnahme von Asylsuchenden im Rahmen der bestehenden Regelungen des Landes gefunden zu haben. Eine nachhaltige Lösung ist das nicht.


Und genau hieraus erwächst der Appell an die Stadt Olpe, sich gegenüber Bezirksregierung und dem Land stark zu machen für die Möglichkeit flexiblerer Lösungen, die starre Regelungen zu Mindestgrößen in Frage stellen und dann ggf. auch ablehnen. An diese Stelle können eigene Ideen und Konzepte für die würdevolle Unterbringung von Menschen treten.

Die Entwicklung von Ideen und Vorschlägen zu solchen alternativen Konzepten bedürfen ihrer Zeit und einer breiten Diskussion. Ein übereilter Ratsbeschluss am 11. Februar, der eine ZUE in der geplanten Form befürwortet, vergibt möglicherweise unumkehrbar genau diese Chance einer flexiblen und nachhaltigen Lösung für die steigende Zahl der unserer Stadt zugewiesenen Asylsuchenden und Flüchtlinge.