Erlebte Zeitgeschichte fesselt Schüler

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Altenhundem..  Dr. Wolfgang Hesse, gebürtig aus Kirchhundem und Abiturient des Jahrgangs des Jahrgangs 1964 am damaligen Gymnasium Altenhundem, dem heutigen Städtischen Gymnasium, besuchte jetzt seine alte Schule und hatte einen besonderen Gast dabei: Heinz Aulfes. Der Buchautor las im Forum der Schule für die Schüler der 9. Klassen, aus seinem Buch „Ihr seid die beste Jugend des tüchtigsten Volkes“.

Ohne Schaden an der Seele

Geboren im Februar 1927, in der niedersächsischen industriellen Kleinstadt Bramsche, begann sein Schülerleben im Frühjahr 1933, kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Heinz Aulfes beschreibt den Zwiespalt, in dem er aufwuchs: „Im sozialdemokratisch geprägten Elternhaus herrschte eine unerbittliche Gegnerschaft zu den Nazis und im öffentlichen Leben gewannen diese immer mehr Macht über die Menschen. Mein Vater hatte mir als Richtschnur mitgegeben: Draußen alles mitmachen, ohne Schaden an der Seele zu nehmen. Das befolgte ich in der Schule, als Pimpf und späterer Hitlerjunge in der Hitlerjugend.“

Nach der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad unter Generalfeldmarschall Paulus war es zu Ende mit dem normalen schulischen Leben für die Schüler des Schuljahrgangs 1926/1927.

Heinz Aulfes und seine Mitschüler wurden in Osnabrück drei Monate lang an der Flak ausgebildet, um dann bis Ende September 1944 in verschiedenen Flakstellungen in und um Osnabrück Flaksoldaten zu ersetzen, die an die Ostfront geschickt wurden.

Ein Zuhörer in der Öffentlichen Lesung traf Wesentliches, als er fragte:

„Wie konnten Eltern ein Kind in einen solchen Zwiespalt bringen?“, und meinte damit den Balanceakt des Kindes Heinz Aulfes zwischen öffentlicher Anpassung und häuslicher Wahrheit. Aulfes erwiderte: „Meine Eltern konnten sich darauf verlassen, dass ich draußen nichts davon erzählte.“

Stehende Ovationen

Die Schüler der 9.Klassen, die den Zeitzeugen Aulfes in einer Doppelstunde in der Aula des Städtischen Gymnasiums erlebten, verabschiedeten ihn nach 90 Minuten mit „standing ovations“ und dieser gestand beeindruckt: „Einen solchen Beifall hatte ich noch nie.“

Eine Art Heimspiel

Wieder einmal zeigte sich, wie ein Zeitzeuge einen Abschnitt der Zeitgeschichte für Schüler lebendig machen kann, wenn dieser authentisch ist und mit realem Leben und Erleben verbunden ist.

Für den aus Kirchhundem stammenden Verleger Dr. Wolfgang Hesse war es eine besondere Freude, an sein „altes“ Gymnasium zurückzukehren und wie Heinz Aulfes es ausdrückte „eine Art Heimspiel“ zu haben.