Entwaffnende Liebenswürdigkeit

Volker Lechtenbrink glänzt im PZ als freundlich-schrulliger Gentleman in der Komödie „Mein Freund Harvey“
Volker Lechtenbrink glänzt im PZ als freundlich-schrulliger Gentleman in der Komödie „Mein Freund Harvey“
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Idee ist ebenso skurril wie vielschichtig, die Dialoge sind flott, die unumgänglichen Verwicklungen und Verwirrungen überaus unterhaltsamen - „Mein Freund Harvey“ war im Theater der Lennestadt zu sehen.

Meggen..  Hoch waren die Erwartung an die Aufführung im PZ. Der Plot ist gut, die Dialoge flott und witzig, die hieraus entstehenden Verwechslungen und Missverständnisse eigentlich urkomisch. Jedoch können sie in ihren zwar turbulenten, aber variationsarmen Wiederholungen den Spannungsbogen nicht halten, lässt sich der alte Funke nicht immer wieder von Neuem zünden, nutzt sich das anfängliche Lachen ab. Und das laut Programmheft „märchenhafte Plädoyer für die Wirkungskraft der Phantasie“ bleibt völlig verborgen.

Entwaffnende Liebenswürdigkeit

Gut hingegen herausgearbeitet sind die verschiedenen Charaktere: Absoluter Lichtblick und Ruhepol ist Volker Lechtenbrink als schrulliger Gentleman Elwood P. Dowdmit seinem besten Freund Harvey, dem für andere unsichtbaren Hasen. Dem hält er die Tür auf, trägt dessen Mantel und den Hut mit zwei Löcher für die Ohren, spricht mit ihm, ist überhaupt zu jedem, der ihm wie auch immer begegnet, freundlich und hilfsbereit.

Und so wird einem jedes Mal warm ums Herz, sobald er mit der ihm eigenen entwaffnenden Liebenswürdigkeit ins Geschehen tritt. Gegenpol ist seine hysterische Schwester Veta Louise Simmons, treffend von Maria Hartmann dargestellt, die Elwood in die Psychiatrie einliefern will, dort aber versehentlich selber landet.

Durchgedrehter Chefarzt

Originell gibt sich Markus Stolberg als Chefarzt Dr. Chumley, der schließlich, völlig durchgedreht, selbst den Hasen sieht, sogar furchtbare Angst vor ihm bekommt. Anwalt Gaffney (Thomas Cermak) verbreitet in dem ohnehin bestehenden Tohuwabohu mit seinen privaten Problemen noch ein wenig zusätzliche Hektik. Jessica Kosmalla überzeugt in drei kleinen, von ihr prägnant dargestellten Rollen als Chefarztgattin, exaltierte Dame und fremdländischer Taxifahrer. Zum Happy End gibt es dann noch zwei Liebespaare, und Elwood kann mitsamt Harvey wieder nach Hause.