En molligen Moll

Willi und Dora, die Ferienkinder, sitzen mit Onkel Walter und Tante Hilde beim Frühstück. Da kommt der Sebastian, die Ulknudel Nummer eins, hereinspaziert und stellt sich vor Onkel Walter auf: „Waller, ihr müsst da was machen. Ihr habt ne molligen Moll da draußen auf der großen Wiese; ich hab’ euch das schon vorige Woche verklickert. Unternehmt wat!“

Dabei lauert er zu den Kindern herüber, und richtig: Dora und Willi haben ihr Besteck beiseite gelegt und das Essen vergessen. Sebastian nimmt sich in Acht, dass er nicht laut losplatzt vor Lachen. Im Stillen denkt er sich: Na, die beiden tappen gewiss wieder in die Falle. Muss doch mal Mäuschen spielen.“ Und – leider hat er recht.

Sofort nach dem Frühstück flitzen die Kinder nach draußen auf die große Wiese, von der Sebastian gesprochen hat.. „Ein Moll – was mag das sein?“ fragt Willi seine Schwester Dora. „Oh“, meint Dora, „das soll doch en molligen Moll sein – weißt du was? Onkel Sebastian hat gewiss sagen wollen: en molligen Mops.“

Aber Willi gibt sich damit nicht zufrieden: „Ach was. Weißt du, Dora, unsere Lehrerin hat gesagt, da oben an der Waterkant, da wird ein Backtrog Molle genannt. Vielleicht hat der Moll damit zu tun!“ „Backtröge sind aber nicht mollig!“ wirft Dora ein, und das muss ihr Bruder einsehen.

Sie gucken alles ab – aber sie finden nichts als ein paar so kleine Erdhaufen, die ragen aus dem Gras heraus. Die Kinder sind ratlos. Da ruft Dora: „Was quälen wir uns lange damit herum! Wir gehen Tante Hilde fragen, die weiß bestimmt, was en molligen Moll ist, oder Onkel Walter, der kann uns sicher auch helfen.“

„Och was“, meint Willi, „fragen wir doch den Sebastian, der hat doch dieses komische Wort gesagt!“ „Den?“ fragt Dora gedehnt, „der hält uns doch mit Sicherheit wieder für’n Läppken, dem trau ich nicht über den Weg! Wo der einen reinlegen kann, da macht der das!“

Dann steht jemand Fremdes vor den beiden Kindern, den sie noch nicht seit ihrem Aufenthalt gesehen haben. Der hat aber alles mitgekriegt, der Viktor Verbalis, und der sagt: „Ihr könnt mal eurem Sebastian sagen, dass mit Moll ein Maulwurf gemeint ist. Seht ihr die Häufkes da in der Wiese? Die kommen von dem Maulwurf her, das is en ganzen Lästigen is das!“ Aber den Geschwistern genügt die Erklärung nicht. „Ja, aber wieso en molligen Moll?“ wirft Dora wissbegierig ein. „Och,“ erklärt Viktor, „das sagt der Sebastian nur, weil „mollig“ so ähnlich klingt wie „Moll“. Und vielleicht ist der Maulwurf da in der Wiese so’n bisschen dick und rundlich, und das ist ja „mollig.“

Zufrieden gehen die Kinder nach Hause. Sie laufen dem Sebastian genau in die Quere, der von dem Gespräch mit Viktor Verbalis nichts mitbekommen hat. Er grinst und fragt dabei: „Na, was habt ihr dann auf der Wiese gesucht oder gefunden? Eine Molle für Brot zu backen, ne ganze große, woll? Oder war’s doch so’n molligen Köter?“

„Nein,“ ruft Willi laut, „aber du könntest Onkel Walter die Arbeit abnehmen und dafür sorgen, dass der Maulwurf aus der Wiese verschwindet. Döü bis doch sau’n klauken Keerl, met nem Moll do weers döü doch ferrig met. (Du bist doch so ein kluger Mann, mit einem Maulwurf wirst du doch fertig.)“ Da kriegt der Sebastian die Maulsperre und sagt gar nichts mehr.