Einer muss es ja machen

Einer, der das Ehrenamt nicht scheut: Rainer Gothe, erster Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbands Lüdespert/Hespecke, vor dem alten Hochbehälter. Ein neuer muss her – eine Herkulesaufgabe für den kleinen WBV.
Einer, der das Ehrenamt nicht scheut: Rainer Gothe, erster Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbands Lüdespert/Hespecke, vor dem alten Hochbehälter. Ein neuer muss her – eine Herkulesaufgabe für den kleinen WBV.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Rainer Gothe beweist Mut. Er plant ein Riesenprojekt , mit dem die Wasserversorgung von zwei kleinen Orten sichergestellt werden soll.

Lüdespert/Hespecke..  Rainer Gothe strahlt das aus, was man landläufig unter ,Bierruhe’ versteht. Während wir durch hohes Gras auf den Wasser-Hochbehälter zustapfen, spricht er wohl auch deshalb ruhig und gelassen aus, was so manchen Ehrenämtler um den Schlaf bringen würde: Ein 120 000 Euro-Projekt für nicht einmal 100 Einwohner.

Der 46-jährige Kunststoff-Techniker hat das getan, was immer weniger tun: Sich in einem Verein den „Hut aufsetzen“, in die erste Reihe stellen, Verantwortung übernehmen.

„Wollte nur irgendwann nach Hause“

Und fragt man den überzeugten Ureinwohner der ,Metropole’ Hespecke (24 Einwohner) nach dem Grund, warum er sich denn auf den wenig umkämpften Thron des örtlichen Wasserbeschaffungsverbandes für Hespecke und Lüdespert (75 Einwohner, Stand 31. Dezember 2014) habe ,hieven’ lassen, liefert er sofort eine Kostprobe des typisch trockenen Humors, mit dem so mancher Sauerländer Landbewohner reichlich gesegnet ist: „Eigentlich wollte ich nur irgendwann mal nach Hause, denn die Sitzung dauerte schon gut zweieinhalb Stunden.“ Und da sich partout niemand gefunden habe, der sich den Vorsitz ans Bein habe binden wollen, „hab’ ich gedacht: Bevor es keiner macht, mach’ ich es.“

Das war im Februar dieses Jahres und bedeutet für Gothe immerhin eine fünfjährige Amtszeit. Was normalerweise keine unlösbaren Kraftakte nach sich zieht. Wenn nicht, wie in Lüdespert/Hespecke, der bestehende Wasserhochbehälter in die Jahre gekommen wäre. Was nichts anderes bedeutete als die Beantwortung der Frage: Weitermachen als eigenständiger WBV oder unter das Dach der Kreiswasserwerke schlüpfen.

pH-Wert über 8 sehr selten

Aber: „Unser Wasser ist eines der besten im Kreis Olpe“ sagt Gothe nicht ohne einen Anflug von Stolz, „es ist extrem weich, mit einem PH-Wert von knapp über 8. Das ist sehr selten in der Region.“ Und: „Es schmeckt sehr gut.“

Keine Gegenstimme

Und obwohl jedes der rund 30 WBV-Mitglieder seinen Beitrag für die 120 000 Euro-Investition leisten müsse, „hatten wir keine einzige Gegenstimme“, freut sich Gothe über den Rückhalt. Unterstützung gibt es auch seitens der Stadt Drolshagen, die 25 000 Euro beisteuert - verteilt über zehn Jahre.

Grund für den Kraftakt ist der Ende der 50er Jahre gebaute Wasserhochbehälter. Gothe: „Dieser Trinkwasserspeicher besteht aus einem Mauerwerk mit speziellem Putz und Anstrich, der einer Kunststoff-Beschichtung ähnelt.“ Während einer Begehung habe das Kreisgesundheitsamt den Zustand bemängelt. Und bevor man noch einmal in eine teure Sanierung investiere, habe sich der Verband entschlossen, die „eigene Trinkwasserversorgung“ zukunftsfest zu machen. Heißt: „Wir kaufen das von uns anvisierte Wiesengrundstück, bauen einen neuen modernen Hochbehälter und setzen ihn direkt neben eine neue Brunnenbohrung.“ Darüber hinaus würden etwa 850 Meter neue Wasserleitungen verlegt, da auch „das Netz in die Jahre gekommen ist.“

30 Kubikmeter in zwei Kammern

Der neue Hochbehälter nehme dann das Wasser in einer Röhre aus Glasfaser-Kunststoff auf und könne in zwei Kammern etwa 30 Kubikmeter Wasser aufnehmen. „Derzeit brauchen wir etwa 15 Kubikmeter pro Tag“, weiß Gothe. Die liefere der alte Brunnen verlässlich, und die soll auch der neue liefern, für den etwa 100 Meter gebohrt werde.

Bis dahin wartet auf den Vorstand des WBV allerdings noch eine Menge Arbeit: Das sind neben Gothe der 2. Vorsitzende Frank Bock, Klaus-Dieter Stock, Claus Nöldner, Ludger Langenohl und Jürgen Bock.

Einen genauen Termin, wann das neue Bauwerk fertig werden soll, kann Gothe zwar nicht nennen, nur: „So schnell wie möglich.“