Eine Herzensangelegenheit seit 150 Jahren

Reinhard Geuecke (links), der Leiter des Josefshauses,  und die Redner des Abends präsentieren das neue Jubiläumsbuch.
Reinhard Geuecke (links), der Leiter des Josefshauses, und die Redner des Abends präsentieren das neue Jubiläumsbuch.
Foto: WP

Olpe..  Die Auftaktveranstaltung zum 150-jährigen Bestehen des Josefshauses begann mit Bildern statt Worten. Das ist untypisch für einen Festakt, war aber passend. Denn untypisch ist auch die Arbeit des Heilpädagogischen Heims für Kinder und Jugendliche in Olpe.

„Was ich hier tue - ist mir eine Herzensangelegenheit“, das ist nicht nur die Schlüsselaussage des neuen Imagefilms, der gestern Abend zum Auftakt in der Mutterhaus-Kirche erstmals gezeigt wurde, es prägt auch die Arbeit des Josefshauses und seiner Mitarbeiter:

Zum Auftakt der Feierlichkeiten blieben die derzeit etwa 170 betreuten Kinder zu Hause, mit ihnen wird im Sommer groß gefeiert. Gestern waren die Partner des Hauses aus allen Bereichen der Jugendhilfe und die pädagogischen Mitarbeiter geladen, deren bisweilen harte Arbeit mit den Kinder und Jugendlichen viel Herzblut erfordert.

Wie vor 150 Jahren, als Maria Theresia Bonzel, die Ordensstifterin der Olper Franziskanerinnen, sich der Jugend annahm und die damaligen Ordensschwestern ein Haus eröffneten, in dem sie sich um elternlose, arme, kranke oder verwahrloste Kinder kümmerten – das spätere Josefshaus, viele Jahre bekannt als Olper Waisenheim. Damit sei die Kinderhilfe genauso so alt wie der Orden, erinnerte Schwester Mediatrix, Vorsitzende der Maria-Theresia-Bonzel-Stiftung. Das Waisenheim von damals ist heute eine hoch geachtete Einrichtung, die durch die dezentrale Struktur ein Alleinstellungsmerkmal in der überörtlichen Jugendhilfe habe, so GFO-Geschäftsführer Markus Feldmann, und „ein unverzichtbarer Ort der stationären Betreuung von Kindern und Jugendlichen“ sei, fügte Landrat Frank Beckehoff als Vertreter von Kreis und Jugendamt in seinem Grußwort hinzu. Dem Festredner Prof. Dr. Klaus Wolf von der Universität Siegen ging es mehr um die Arbeit als die Einrichtung.

65.000 Heimkinder

Seine 40-minütige Einlassung auf die Frage „Wozu brauchen wir eigentlich Heimerziehung“ war ein motivierendes Plädoyer für die Arbeit des Hauses: „Wenn Sie trotz aller Krisen in Ihrer Arbeit die Kinder nicht aufgeben, dann ermöglichen Sie den Kinder sensationelle Erfahrungen.“ Das könne der Wendepunkt in der Biografie der Kinder sein. „Wenn es Ihnen gelingt, das Schicksal der Kinder vom Schicksal ihrer Eltern zu entkoppeln, ohne die Eltern schlecht zu machen, dann haben Sie Großes geleistet“, so Wolf. „Wir arbeiten an einer großen Aufgabe“ gab Wolf, der selbst 10 Jahre lang Leiter eines Heims in Hamburg war, den Mitarbeitern mit auf den Weg. „Leider gibt es Kinder, denen ist soviel passiert, dass ambulante Hilfen und das Zusammenleben in Pflegefamilien nicht möglich ist. Deshalb brauchen wir die Heimerziehung“, so Wolf zu seiner Ausgangsfrage. Der Leiter des Josefshauses Reinhard Geuecke erinnerte in seinem Schlusswort daran, dass 65.000 Kinder in Deutschland in Heimen leben, vor allem auch weil zuhause die Grundversorgung mit Essen und Trinken nicht gegeben sei. Armut und Kindernot gehöre leider oft zusammen.