Ein Opfer in fast jeder Familie

Fretter..  „Franz Baumann 24 Jahre, Peter Schurmann 34, Werner Lohr 16, Heinrich Rawe 22, Martin Vollmert 38 ...“ Schier endlos schien die Liste derer zu sein, deren Namen und Alter in einer ökumenischen Gedenkandacht zum 70-jährigen Ende des Zweiten Weltkrieges in der Pfarrkirche St. Matthias in Fretter verlesen wurden. Dennoch herrschte in der gut gefüllten Kirche eine andächtige Stille. Zahlreiche Einwohner aus allen Ortschaften der Gemeinde hatten sich versammelt, um der Gefallenen, Vermissten und Ziviltoten sowie der weiteren Opfer des Nationalsozialismus aus ihrer Heimat zu gedenken. Über 800 Personen waren davon betroffen, fast jede Familie hatte ein Opfer oder gleich mehrere zu beklagen. Auf private Initiative der Familie von Plettenberg-Lenhausen hatte sich ein Arbeitskreis gebildet, um ihnen zu Ehren eine würdevolle Gedenkveranstaltung vorzubereiten.

Eine Kerze pro Pfarrei

Im Zentrum der von Pastor Werner König und Pfarrerin Rose-Marie Warns geleiteten Andacht stand das individuelle Gedenken an die Opfer. In vier Blöcken wurden ihre Namen von Vertretern der Ortschaften verlesen, während gleichzeitig eine Kerze pro zugehöriger Pfarrei an der Osterkerze entzündet wurde. Erfreulich groß war die Anzahl Jugendlicher und junger Erwachsener, die sich bereit gefunden hatten mitzuwirken. Unter ihnen war auch Barbara Rohr aus Rönkhausen, deren Großonkel Franz Rohr im Alter von 21 Jahren im Krieg sein Leben gelassen hat. „Ich halte das bewusste Gedenken an jede einzelne Person für wichtig, um auch in unserer Generation, die direkt nichts mit dem Krieg zu tun hat, die Erinnerung lebendig zu halten. In Rönkhausen gab es nicht so viele Kriegstote in meinem Alter. Aber als ich die Namen aus den anderen Orten gehört habe, war ich erschrocken, wie viele junge Menschen, darunter auch Kinder, gestorben sind“, fasste die 18-jährige Abiturientin bewegt ihre Eindrücke nach der Andacht zusammen.

Ein besonderes Gedenken galt auch den vier Personen aus dem Gemeindegebiet, die wegen des unbeugsamen Einstehens für ihre christliche Überzeugung von den Nationalsozialisten verfolgt und getötet wurden. Pastor König erinnerte an diese echten Märtyrer unserer Zeit: an seinen Onkel Vikar Robert König aus Serkenrode, den Bäckermeister Josef Quinke aus Fretter, an Pater Kilian Kirchhoff aus Rönkhausen und an Schwester Angela Autsch aus Bamenohl, genannt auch der „Engel von Auschwitz“.

Jüdische Opfer nicht vergessen

Nicht vergessen wurden natürlich die vier Mitglieder der jüdischen Familie Jacob aus Lenhausen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. Das Verlesen der Namen wurde jeweils durch Kyrie-Rufe und Chorgesang unterbrochen. Dazu hatten der Katholische Kirchenchor Fretter und der Kleine Chor Lenhausen anlassgerechte Lieder ausgewählt.