Ein Leben ohne Terminkalender

Drolshagen..  Gestern Abend hat Theo Hilchenbach in der Stadtverordnetenversammlung bekanntgegeben, dass er nicht erneut als Bürgermeister kandidiert.

Frage: Wann ist Ihre Entscheidung gefallen?

Theo Hilchenbach: Die Familie wusste es natürlich schon. Wir haben intern lange darüber gesprochen. Die endgültige Entscheidung fiel im Herbst 2014. Das hing auch zusammen mit der Verabschiedung von Peter Spitzer. Da habe ich gesagt: Als nächstes musst du dich entscheiden. Ich werde nächste Woche 64. Ich bin jetzt 40 Jahre in der Kommunalpolitik. Alles hat seine Zeit. Das war meine Zeit. Irgendwann muss man sagen: Es ist Schluss. Frau und Familie haben unisono gesagt: Wir wollen auch noch etwas von dir haben. Wir haben noch einiges vor.

Das wäre?

Ich habe eine kleine Land- und Forstwirtschaft. Da arbeite ich gerne. Auch handwerklich bin ich nicht ungeschickt. Meine Tochter baut in Bonn. Vielleicht kann ich da helfen. Ich möchte auch noch ein paar Reisen machen. Vielleicht studiere ich in Bonn oder Siegen. Geschichte hat mich immer schon interessiert. Und vielleicht gründen wir in Berlinghausen eine Rentnerband. Um mich herum sind etliche im gleichen Alter.

Was ist der größte Vorteil als Pensionär?

Am meisten freue ich mich darauf, nicht mehr mit dem Terminkalender leben zu müssen. Das ist schon Stress. Es hat mir aber Spaß gemacht. Ich bin jeden Morgen gerne zur Arbeit gegangen. Es lag auch an der Mannschaft hier. Das war ein Dream-Team mit Spitzer und Feldmann. Man verstand sich blindlings. Auch Rainer Lange ist ein absoluter Glücksfall. Stimmung und Solidarität im Hause habe ich immer als sehr angenehm empfunden.

Wird man Sie noch in irgendeiner Funktion erleben?

Ich werde mich aus allen politischen Ämtern zurückziehen. Alles, was mit meinem derzeitigen Amt zu tun hat, gebe ich auf.

Wie ist Ihre Bilanz?

Positiv. Es hat in den letzten 22 Jahren viele positive Entwicklungen in der Stadt und den Dörfern gegeben. Gemeinschaftsprojekte am Kanal wie das Dumicker Model haben den Dörfern großen Aufschwung gegeben. Wir haben über 100 Hektar Gewerbefläche entwickelt. Auch im Baubereich, im sportlichen und schulischen Bereich hat sich viel getan. Ganz besonders habe ich mich immer gefreut, wenn mich Kindergärten und Schulen besucht haben.

War es ein Vorteil, dass Sie zuvor 15 Jahre leitender Angestellter in der freien Wirtschaft waren?

Das war eine gute Ergänzung. Man sieht einiges durch eine andere Brille. Ich habe erkannt, dass man eine Kommune nicht wie ein betriebswirtschaftliches Unternehmen führen kann.

Das ein oder andere Mal sind Sie auch hart angegangen worden, besonders von der UCW.

Ich bin doch nicht dünnhäutig. Das habe ich auch selber als Politiker gemacht. Ich war auch kein Kind von Traurigkeit. Man muss

als Politiker eine gewisse Leidenschaft mitbringen. Aber hinterher muss man wieder miteinander reden.

Bekommt Drolshagen die schwierige finanzielle Situation in den Griff?

Das hoffe ich. Es ist ein Drama, dass zu viel Geld abfließt, wo wir keinen Einfluss drauf haben. Die Kreisumlage ist höher als unsere Gewerbesteuereinnahmen. Wir halten unter dem Strich nichts übrig.

Wie lange wird die kleinste Stadt des Kreises noch eigenständig sein mit einem eigenen Rathaus?

Eine Stadt, die über 500 Jahre alt ist, kann man doch nicht Larifari aufgeben. Die Drolshagener sind stolz darauf, Drolshagener zu sein. Es ist traurig, das man das nur durch die finanzielle Brille sieht. Wie soll denn die Bürgernähe funktionieren? Ich bin absolut dagegen. Allerdings bin ich auch Befürworter interkommunaler Zusammenarbeit, wie beim Abfallverband, der Musikschule oder der gemeinsamen Windkraftfläche mit Olpe und Wenden an der A 4. Es wird Drolshagen noch sehr lange geben. Und ein bisschen träumen muss man ja auch.

Sie sind der letzte des langjährigen Trios an der Verwaltungsspitze mit Peter Spitzer und Gerhard Feldmann, der in Pension geht. Wie ist der Kontakt? Gibt es ab Oktober eine Skatrunde oder Ähnliches?

Den Kontakt halten wir auf jeden Fall aufrecht. Nächste Woche treffen wir uns mit unseren Frauen in der Alten Meierey inWaukemicke. Vielleicht sitzen wir auch ‘mal am Marktplatz auf der Bank und essen ein Eis.

Wen könnten Sie sich als Ihren Nachfolger vorstellen?

Ich bleibe neutral. Egal wer vorgeschlagen wird, ich werde keinen Kommentar dazu abgeben.

Gibt es etwas, was Ihr Nachfolger weiterführen sollte?

Ja. Ich möchte, dass er weiterhin zu Alters- und Ehejubiläen geht. Das sind zwar eine ganze Menge Termine, doch die Menschen freuen sich so sehr, wenn noch jemand an sie denkt. Ich möchte, dass das aufrechterhalten bleibt. Das ist mir ein Herzensanliegen.