Ein Leben lang gern zur Arbeit gegangen

Kreis Olpe..  Der Eintritt in den Ruhestand ist für viele Menschen ein Zeitpunkt der Freude. Nicht so für Annette Neuhaus aus Varste. Die 66-jährige Beschäftigte der Olper Werthmann-Werkstätten hätte eigentlich schon im letzten Jahr ihren wohlverdienten Ruhestand antreten können.

Um ein Jahr verlängert

Doch sie hat um ein Jahr verlängert. „Ich bin jeden Tag gern zur Arbeit gegangen. Ich mag es, unter Leuten zu sein und habe hier Freunde gefunden. Es fällt mir sehr schwer, nicht mehr arbeiten zu dürfen“, sagte Annette Neuhaus an ihrem letzten Arbeitstag. 37 Jahre war sie beschäftigt bei den Werthmann-Werkstätten des Caritas-Verbandes für den Kreis Olpe. Eingeschränkt durch Erkrankungen seit dem Kindesalter fand sie als junge Frau keine Ausbildungsstelle. 1978 machte sie ihr Onkel auf die Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Attendorn aufmerksam, wo sie noch im gleichen Jahr aufgenommen wurde. Sie durchlief die Schlosserei, Elektroabteilung und lernte Kochen. Lange war sie in der früheren Außengruppe in Attendorn-Petersburg in der Verteilerküche eingesetzt und hat in der täglichen Verpflegung von über 20 Menschen mitgearbeitet, häufig auch gekocht. Als der Caritasverband 1988 die neu gegründete Abteilung für psychisch kranke Menschen von Petersburg nach Olpe verlegte, wechselte Neuhaus dorthin.

Zuverlässige Kraft

„Annette war zu 100 Prozent eine zuverlässige Kraft und ein Energiebündel. Sie hat sich an alles herangetraut“, zollten ihr Gruppenleiterin Monika Marburger und Diana Friedrichs vom Begleitenden Dienst Respekt für ihre Einsatzbereitschaft. In den 37 Jahren sei sie kaum krank gewesen. Man habe sie sogar bewegen müssen, Urlaub zu nehmen. Durch ihre freundliche und hilfsbereite Art hat Annette Neuhaus auch das Betriebsklima bereichert.

„Ich habe immer ihre urige und bodenständige Art bewundert“, meinte Teamleiter Achim Scheckel. „Sie war immer sehr freundlich“, zog auch Peter Noswitz vom Werkstattrat positive Bilanz. „Alle sind traurig, dass sie geht“, brachte Monika Marburger die Beliebtheit der frischgebackenen Rentnerin auf den Punkt.

Laterne als Geschenk

Annette Neuhaus ist sehr dankbar für die Zuwendung, die sie in den Werthmann-Werkstätten erfahren konnte. Sie fand einen angemessenen Platz in der Gesellschaft, indem sie einen strukturierten Arbeitsablauf und Gemeinschaft erlebte und im Arbeitsleben gefördert wurde. Mit Vorliebe hat sie früher an den Ferienfreizeiten und Zeltlagern teilgenommen. Auch die Kreativangebote nutzte sie gern. „Ich werde meine Kolleginnen und Kollegen sicher noch oft besuchen und freue mich auch, meine Vorgesetzten wiederzusehen. Sie waren alle nett“, so die 66-Jährige.

Künftig wird sie zwei Tage in der Woche in der Tagesstätte des Sozialwerks St. Georg in Altenhundem tätig sein. Sie wohnt mit ihrem Bruder zusammen und will dem gelernten Koch bei der Hausarbeit helfen, puzzeln und malen. Als Abschiedsgeschenk ihrer Abteilung bekam sie eine große Laterne.