Ein Aquädukt mitten in der Olper Idylle

Olpe..  Nur ein paar Meter zu Fuß - und der lärmende Verkehr der Martinstraße wird vom rauschenden Wasser des Olpebachs und der grünen Idylle des Weierhohls abgelöst. Wer den Durchgang in Höhe des Krankenhaus-Parkplatzes benutzt und dann über die hölzerne Olpe-Brücke geht, bewegt sich auf historisch bedeutsamem Areal. Denn die Brücke war früher ein Aquädukt. Die so genannte „Rinne“ sorgte dafür, dass eine beiden städtischen Mühlen nicht auf dem Trockenen saß.

„Das ist den meisten Menschen gar nicht bewusst“, sagt Olpes Stadtarchivar Josef Wermert. Vor sich hat er eine Stadtkarte von 1831 ausgebreitet. Sie zeigt sehr anschaulich, wie ausgeklügelt das Bewässerungssystem der Mühlen konstruiert war.

Die Stadt Olpe besaß zwei Mühlen: die Unterste Mühle und die Oberste Mühle. „Weil alle Bürger verpflichtet waren, ihr Korn dort mahlen zu lassen, waren sie eine wichtige Einnahmequelle“, so Wermert.

Ans Tageslicht geholt

Die Oberste Mühle befand sich im Bereich des Wasserrades unter dem Hexenturm. Und dort, wo früher die Unterste Mühle stand, befindet sich heute das Olper Kino. Viele Bürger der Kreisstadt werden sich noch an den Abriss des alten Hansa-Kaufhauses erinnern. Unter dessen Parkplatz tauchten bei Grabungen des Westfälischen Museums für Archäologie die Reste der Mühle auf.

Mit Wasser versorgt wurden die beiden Mühlen durch den alten Mühlengraben, der in der einschlägigen Literatur zum ersten Mal im Jahr 1502 erwähnt wird. Die Olper Ausgrabungen belegten aber, dass sowohl der Graben als auch die beiden Mühlen schon im Spätmittelalter existiert haben.

Der alte Mühlengraben wurde etwa in Höhe der Stadthalle aus dem Olpe-Bach abgeleitet und endete hinter dem Rathaus in der Bigge. „Dennoch hatte man von Anfang an Probleme mit der Wasserversorgung“, weiß Stadtarchivar Wermert. Zeitweise habe die Stadt deshalb den Günsebach in die Olpe umgeleitet. Außerdem wurde im Jahr 1580 ein neuer Mühlengraben angelegt, um der Untersten Mühle weiteres Wasser aus der Bigge zuzuführen. Die Genehmigungsurkunde des Drostes des Amtes Bilstein gehört zu den ältesten Beständen des Olper Stadtarchivs.

„Am 15. Dezember 1580“, zitiert Josef Wermert aus der wertvollen Urkunde, „erteilte der Droste des Amtes Bilstein, Caspar von Fürstenberg, Bürgermeistern und Rat der Stadt Olpe die Genehmigung für die auf Befehl des Erzbischofs von Köln und nach geschehener Erkundigung bereits begonnene Leitung des Wasserstroms samt Wehr aus der Bigge auf ihre Stadtmühle, und zwar bis auf Widerruf.“

1967 zugeschüttet

Der „neue“ Mühlengraben begann bei Rüblinghausen, unterquerte das heutige Krankenhaus und wurde durch die jetzige Gasse der Häuserzeile an der Martinstraße mit Hilfe eines Aquäduktes (die so genannte „Renne“ /=Rinne) über den Olpebach in den alten Mühlengraben geleitet.

Wer also auf der Holzbrücke den Anblick der renaturierten Olpe genießt, der steht quasi auf der uralten Wasserleitung, die für die Existenz der Mühlen so wichtig war.

Die haben den Wandel der Zeit ebenfalls nicht überlebt. Die Oberste Mühle fiel 1902 einem Brand zum Opfer, die Unterste Mühle wurden 1960 stillgelegt. Sieben Jahre später verschwand dann auch der Mühlengraben. Er wurde zugeschüttet - und mit ihm ein wichtiger Mosaikstein der Stadtgeschichte.