Edles Möbelstück mit Grill und Kühlschrank

Kreis Olpe..  Schon der erste Eindruck fasziniert. Unter den fünf Ausstellungsstücken der angehenden Tischlergesellen aus dem Kreis Olpe, die seit Donnerstag im Wohngut Osterseifen in Olpe ausgestellt sind, hebt sich eins besonders ab: ein Grillmöbelstück im Design einer Outdoor-Küche, gefertigt von Nils Beckmann aus Würdinghausen.

„Das absolute Spitzenstück“, wie Udo Wicker, Vorsitzender des Prüfungsausschuss der Tischlerinnung deutlich zum Ausdruck bringt.

Gefertigt hat es der 19-jährige Nils Beckmann aus Teakholz. Auf den ersten Blick nicht erkennbar ist ein Edelstahlgrill enthalten, unter dem ein Gasmodul integriert ist. Darunter ist ein Kühlschrank in einer Schublade. Weitere Schubladen runden die Funktionalität ab.

Das Grillmöbelstück überzeugte Udo Wicker sowie Joachim Langer, Lehrer des Berufskollegs des Kreises Olpe, und Jörg Kuhlmann, Gesellenbeisitzer im Prüfungsausschuss, ferner durch die geölte Oberfläche, die dem Möbelstück einen natürlichen, edlen Charakter verleihen. Nils Beckmann absolvierte seine Ausbildung bei Innenausbau Biermann in Schmallenberg.

Noch nie dagewesen

„Das ist die beste Idee. Sowas ist in dieser Funktionalität noch nie dagewesen. Da muss man erstmal drauf kommen“, zollte Wicker dem Prüfling seinen Respekt.

Bei der besten Verarbeitung punktete David Hessmann aus Saalhausen (Ausbildungsbetrieb Burkhard Kraume Würdinghausen). Der angehende Tischergeselle hatte in den für alle Prüflinge vorgegebenen 100 Stunden ein Phonomöbel gefertigt.

Besonders hoben Udo Wicker und seine Mitstreiter die perfekt eingearbeiteten Scharniere und die unsichtbare überfurnierte Magnethaltung hervor. Heißt im Klartext: Dank der eingearbeiteten Technik lässt sich der Phonoschrank völlig geräuschlos schließen. Der Phonoschrank wird abgerundet von einer programmierbaren LED-Beleuchtung.

Raumteiler aus Eiche

Auf Platz drei landete Christian Kappestein aus Olpe (Ausbildungsbetrieb: Michael und Peter Koch, Wenden), dessen Gesellenstück ein Raumteiler/Vitrine aus Eiche ist.

Mit viel Liebe zum Detail fertigte auch Linus Paul Selter aus Finnentrop (Ausbildungsbetrieb: Markus Lütticke, Attendorn) einen Barschrank aus Esche und Pontalvo De Leon Reyes aus Attendorn (Ausbildungsbetrieb: Detlev Beckmann, Attendorn) einen TV-Schrank, ebenfalls aus Esche. Bei allen Anfertigungen waren Einfallsreichtum, Kreativität und Qualität gefragt.

Für die Bewertungskommission sind Fertigungsqualität in Maß und Form ebenso entscheidend wie die Genauigkeit bei der Übereinstimmung mit der zuvor angefertigten Zeichnung.

Betriebe bilden weniger aus

Beim Gang durch die Ausstellung im WohnGut „Osterseifen“, die bis zum 25. Juni auch für die Öffentlichkeit geöffnet ist, wird eins deutlich: „Manche Stücke sind in der vorgegebenen Zeit nicht zu fertigen, andere eher einfach gestrickt“, wie auch Udo Wicker einräumt. Ebenso augenfällig wie die gute Qualität im Tischlerhandwerk ist leider auch die sinkende Zahl der Auszubildenden.

Waren es im vergangenen Jahr noch neun angehende Gesellen deren Werke ausgestellt wurden, sind es jetzt noch fünf. „Das ist ein Problem“, bedauert Joachim Langer mit Blick auf die sinkenden Zahlen der Auszubildenden.

„Die Tischlerbetriebe bilden weniger aus und es werden weniger Schulabgänger. Die Besten werden vorher von der Industrie abgegriffen.“ Dabei sind sich Udo Wicker, Jörg Kuhlmann und Joachim Langer einig, dass der Beruf mit Kreativität, Eigenverantwortung, Abwechslungsreichtum überzeugt und anspruchsvoll ist.

Aber sie wissen auch: „Wenn das so weiter geht, steht das Angebot der Berufsfachschule für Holztechnik vor der Schließung.“