Dumpfen Ressentiments entgegentreten

Rahrbach..  Es war schon außergewöhnlich, dass 30 Menschen über zweieinhalb Stunden aufmerksam und fast regungslos zuhörten, als Walter Wolf, pädagogischer Leiter des Josef-Gockeln-Hauses in Rahrbach, im Rahmen der Lesung „Wie ich Auschwitz überlebte – ein sauerländischer Jude berichtet“ vom Leben des jüdischen Schmallenbergers Hans Frankenthal berichtete. Die Zuhörer waren von den authentischen Berichten gefesselt und blieben selbst in den kurzen Pausen auf ihren Plätzen.

Fast schon dokumentarisch

Das Josef-Gockeln-Haus in Rahrbach hatte in Zusammenarbeit mit dem Kreisheimatbund zu dieser Lesung anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz eingeladen.

Gekommen waren Menschen, die mit Hans Frankenthal befreundet waren oder mit ihm seinerzeit in geschäftlichem Kontakt standen, aber auch Personen aus dem Kreis Olpe, die sich für Menschenrechte in aller Welt einsetzen, wie Mitarbeiter von Amnestie International.

Auch eine Gruppe Jugendlicher lauschte gebannt, als Walter Wolf, die zunehmende Ausgrenzung der jüdischen Familien, die Schikanen, die sie in ihrem Heimatort erleiden mussten, und schließlich die Verhaftung und Deportation nach Auschwitz aus den Texten von Hans Frankenthal darstellte.

Keine Heldengeschichte

Die fast schon dokumentarisch zu nennenden Beschreibungen der Verfolgung und Vernichtung in Auschwitz-Monowitz, die brutale Behandlung der Häftlinge einschließlich sadistischer Willkür einzelner SS Mitglieder wurden an diesem Abend ebenso erwähnt wie auch der Überlebenswille und die vielen kleinen Zufälligkeiten, die den Brüdern Frankenthal das Leben retteten.

„Die verweigerte Rückkehr“, so der Titel des Buchs, das Verschweigen der Gräueltaten und die absolut unzureichende juristische Aufarbeitung auch in unserer Region, zeichneten noch einmal ein düsteres Bild, das durch die Darstellung der Menschen, die sich ganz gleich zu welcher Zeit und unter welcher persönlichen Gefährdung für die Verfolgten eingesetzt hatten, auch zuversichtliches Licht erhielt.

Der Mut dieser Menschen, den Anfängen zu wehren, ist gleichzeitig ein Appell, sich den dumpfen Ressentiments von heute entgegen zu stellen.

Programmatisches Signal

„Es sollte“, so Walter Wolf in seiner Einleitung, „keine Heldengeschichte werden, auch kein vordergründiges Opferpathos oder pauschalisierte Schuldzuweisung, sondern eine Aufforderung, auch in der Gegenwart Verantwortung zu zeigen, damit nirgends auf der Welt Menschen wegen Hautfarbe, Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder Religion verfolgt, gequält und getötet werden.“ Die KAB, zu der das Josef-Gockeln-Haus gehört, ist ihrem Selbstverständnis nach auch eine Bewegung für die Menschenrechte.

So war auch diese Veranstaltung gemeinsam mit dem Kreisheimatbund anlässlich der Befreiung von Auschwitz ein programmatisches Signal aus dem „Bildungszentrum Süd“.