Die eigene Tankstelle in der Garage ist Pflicht

Welschen Ennest..  Für die einen sind sie die Zukunft der Mobilität, für andere ökologisch gefärbte Spielzeuge, die im mobilen Alltag nichts zu suchen haben: Elektroautos. Wir machten den Alltagstest.

Familie Ochsenfeld aus Welschen Ennest fährt seit genau einem Jahr „elektrisch“. 10200 Kilometer hat ihr Renault Zoe auf dem Tacho.

Die Entscheidung

Als der Smart der Ehefrau wegen der Enkelkinder zu klein wurde, musste ein neuer Viertürer her. Und da Holger Ochsenfeld eine Handelsagentur für Elektroindustrieprodukte betreibt, fiel die Wahl schnell auf den Strom fressenden Exoten. „Natürlich aus Neugier“, sagt der 51-Jährige, aber das wichtigste Argument war, dass seine bewegungsbehinderte Frau Monika mit dem Auto klar kommt. Kommt sie, denn nichts ist so einfach wie Elektrofahren. Nur die Reichweitenanzeige neben dem Tacho unterscheidet den „Stromer“ von einem „normalen“ Auto. Ein kurzer Druck auf den Startknopf, es erklingt ein warmes Pling und es kann losgehen.

Der Komfort

Und wie: Nur 65 Kw Leistung hat der Elektromotor, aber beim Tritt aufs Gaspedal sprintet der kleine Kompakte los wie ein ganz Großer. Das leichte Surren des Motors ist dabei kaum zu hören. Das tolle Drehmoment ist charakteristisch für alle E-Autos. Weiterer Vorteil: Er mus nicht erst warm werden. Klimaanlage oder Heizung funktionieren nach wenigen Sekunden, „wie ein Heizöfchen“, so Holger Ochsenfeld. Das ist angenehm gerade bei Kurzstrecken. Dafür wird der Zweitwagen im Hause Ochsenfeld zu 90 Prozent eingesetzt und dafür reichen die rund 140 Kilometer, die der Stromer mit einer „Batterieladung“ schafft, im Alltag aus. Getankt wird zu 98 Prozent zuhause. Einfach den Stecker des Ladekabels in die Buchse am Auto stecken und nach zwei Stunden (bei 16 Ampere Kraftstrom) ist der Akku voll. Einfacher geht`s nicht.

Die Kosten

Mit rund 21 000 Euro bei prima Ausstattung (inklusive Navi, das alle alle Stromtankstellen in der Umgebung anzeigt) kostet der Wagen so viel wie ein vergleichbarer Benziner in der Poloklasse. Bei Renault kommt eine monatliche Akkumiete von 69 Euro dazu, bei anderen Herstellern ist der Akku im höheren Anschaffungspreis enthalten.

Das Auto verbrauchte bei „ganz normaler Fahrweise“ 1605 Kilowattstunden für 10106 Kilometer, also rund 16 Kilowattstunden oder umgerechnet 4,32 Euro pro 100 Kilometer, das sind weniger als halb soviel wie die Spritkosten eines Benziners. Billiger ist auch die Unterhaltung. E-Autos sind steuerfrei und wartungsfreundlicher, brauchen zum Beispiel kein Motoröl. Die 10000-Kilometer-Inspektion kostete nur 80 Euro. Allerdings schlägt die Leasinggebühr für den Akku zu Buche. Holger Ochsenfeld schätzt, dass Benziner und Elektroauto unterm Strich gleich teuer sind. Fazit: Wer einen komfortablen Zweitwagen für Kurzstrecken sucht, ist auch im Sauerland mit einem Elektroauto gut bedient, vorausgesetzt er hat eine eigene „Tanke“ in der Garage. Für Vielfahrer wie Holger Ochsenfeld, der mit seinem Diesel-Pkw rund 50 000 Kilometer fährt, ist ein Elektroauto wegen der Reichweite kein Thema. „Noch nicht, aber der Aufbau unseres Tankstellennetzes hat auch 100 Jahre gedauert“, so Ochsenfeld.