Das aktuelle Wetter Attendorn 14°C
Wut im Stadtrat

Die Dörfer verschwinden

20.02.2014 | 16:27 Uhr
Die Dörfer verschwinden

Attendorn.   Mit ihrem Entwurf eines neuen Landesentwicklungsplanes (LEP) hat die Regierung Kraft hierzulande den Nerv getroffen. Die Reaktionen im Attendorner Rat waren am Mittwochabend ähnlich begeistert wie die von jemandem, dem der Zahnarzt eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung verpasst.

Mit ihrem Entwurf eines neuen Landesentwicklungsplanes (LEP) hat die Regierung Kraft hierzulande den Nerv getroffen. Die Reaktionen im Attendorner Rat waren am Mittwochabend ähnlich begeistert wie die von jemandem, dem der Zahnarzt eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung verpasst.

Im LEP legt die Landesregierung die mittel- und langfristigen Ziele zur räumlichen Entwicklung Nordrhein Westfalens fest. Wie sollen sich bestimmte Regionen entwickeln, wo wird investiert und wo nicht?

Der jetzt von Rot-Grün vorgelegte Entwurf wäre, würde er denn in dieser Form verabschiedet, gleichbedeutend mit der Aufgabe des ländlichen Raums. Dörfer bekommen noch eine Gnadenfrist und werden dann irgendwann einfach „geschlossen“.

Sätze wie der folgende treiben die heimischen Parlamentarier auf die Palme: „In Ortsteilen, in denen weniger als 2000 Menschen leben, kann erfahrungsgemäß die Nahversorgung nicht gesichert werden. Solche kleineren Ortsteile, die nicht über ein räumlich gebündeltes Angebot an öffentlichen und privaten Dienstleistungs- und Versorgungseinrichtungen verfügen, werden im Regionalplan in der Regel dem Freiraum zugeordnet.“

Für die Düsseldorfer Ministerialbürokratie hätten sie also schon aufgehört zu existieren.

Der Knebel, mit dem die Entwicklung im ländlichen Raum blockiert wird, heißt „strikte Beschränkung auf die Eigenentwicklung“. Keine neuen Baugebiete mehr, kein Ausbau der Infrastruktur.

Johannes Jürgens (CDU): „Das ist eine Respektlosigkeit vor dem ländlichen Raum, man hat das Sterben unseres Lebensraumes eingeleitet. “ Erbost und mit Blick auf die Abundanzumlage, mit der die maroden Großstädte subventioniert werden, erinnerte der Niederheldener daran, dass diese Region in Düsseldorf noch nie um Almosen gebettelt habe.

Spielball für Ideologen

Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Im Bereich der Stadt Attendorn gibt es lediglich ein Dorf, das mehr als 2000 Einwohner hat: Ennest. Alles andere würden im LEP künftig als „Freifläche“ dargestellt. „Der ländliche Raum“, so Jürgens, „als Ausgleichsfläche für die Metropolen, Fläche für Windkraftanlagen und Spielball für Ideologen.“

Zustimmung findet die Landesregierung auch nicht bei den Attendorner Sozialdemokraten. Christian Pospischil, der zwar das ehrbare Motiv anerkannte, Flächen sparen zu wollen, sagte: „Gut gemeint ist hier aber das Gegenteil von gut gemacht.“ Der LEP stelle die Entwicklungsmöglichkeiten der Städte und darüber hinaus die gesamte kommunale Selbstverwaltung ist Frage: „Der Entwurf geht davon aus, dass ganz NRW eine Metropolregion ist, und das entspricht nicht der Realität.“

Auch Bürgermeister Wolfgang Hilleke sieht im LEP einen „Frontalangriff auf den ländlichen Raum“, gegen den man sich mit aller Kraft wehren müsse.

Einstimmig forderte der Stadtrat Bürgermeister Hilleke auf, gegebenenfalls auch mit juristischen Mitteln gegen den LEP vorzugehen und gleichzeitig den Schulterschluss mit anderen Kommunen zu suchen.

Gunnar Steinbach

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Schützenfest Olpe - Montag II
Bildgalerie
Schützenfest 2016
Schützenfest Olpe - Montag
Bildgalerie
Schützenfest 2016
Schützenfest Olpe - Sonntag
Bildgalerie
Schützenfest 2016
Schützenfest in Olpe - Samstag
Bildgalerie
Fotostrecke
article
9019053
Die Dörfer verschwinden
Die Dörfer verschwinden
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-attendorn-und-finnentrop/die-doerfer-verschwinden-id9019053.html
2014-02-20 16:27
Nachrichten aus Attendorn und Finnentrop