Die Bigge-Talsperre bekommt eine neue Abdichtung

So weit ist der Weg vom Ufer zum Boot im Jachthafen selten: Der Pegel der Bigge-Talsperre wird seit Februar wegen der Bauarbeiten am Hauptdamm kontinuierlich abgesenkt.
So weit ist der Weg vom Ufer zum Boot im Jachthafen selten: Der Pegel der Bigge-Talsperre wird seit Februar wegen der Bauarbeiten am Hauptdamm kontinuierlich abgesenkt.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Ein halbes Jahrhundert nach dem Bau der Bigge-Talsperre bekommt der Hauptdamm eine neue Abdichtung. Dafür ist der Pegel bereits merklich abgesenkt.

Attendorn/Essen.. Arbeiten in Schräglage – für Mensch und Maschine. Eine Neigung von 30 Grad hat der Hauptdamm der Biggesees, dessen Asphaltdichtung teilweise erneuert werden muss. Der Zahn der Zeit hat dem mächtigen, 640 Meter langen Bauwerk an sich nichts anhaben können, sondern nur an seiner Oberfläche genagt: 50 Jahre nach dem Bau der Talsperre im Kreis Olpe muss die Außenhaut unterhalb der Dammkrone erneuert werden. Auf der Wasserseite. Am Montag, 1. Juni, geht es los.

Die Ursache

Vorweg versichert Stefan Klahn, Bauleiter beim Ruhrverband: „Es gibt keine Gefährdung, der Damm ist sicher.“ Aber: Es gibt Schäden an der obersten Dichtschicht, die mit bloßem Auge zu erkennen sind, und Schäden, die mir Kernbohrungen festgestellt wurden. „Der Asphalt ist in 50 Jahren ausgehärtet und rissig geworden. Durch Umwelteinflüsse wie Frost und Sonneneinstrahlung“, erläutert Klahn. Insgesamt 404 Risse sind gezählt. Sie zu verfüllen würde zu Nähten von 13 Kilometern Gesamtlänge führen.

Das Projekt

Deshalb lässt der Ruhrverband einen Streifen von rund 14 000 Quadratmetern Fläche unterhalb der Dammkrone abfräsen und eine neue, sieben Zentimeter dicke Schicht aus Asphalt aufbringen. Als Versiegelung gibt es noch eine Schicht aus Bitumen obendrauf. Klingt einfacher, als es ist: Der Damm ist zwar eine ebene Fläche, hat aber eine Neigung von rund 30 Grad. „Sämtliche Geräte müssen mit Seilen an Winden gesichert werden“, so Bauleiter Klahn. Damit nichts und niemand ins Wasser rutscht.

Die Folgen

Um überhaupt die Arbeiten durchführen zu können, wird die Bigge-Talsperre seit Februar abgelassen. Ziel ist es, den Wasserstand um 15 Meter abzusenken. Das ist vergleichbar mit dem Pegel, den die Talsperre nach dem Jahrhundertsommer im Herbst 2003 erreicht hatte. Der Stausee wird dann noch „zu rund 50 Prozent gefüllt sein“, ordnet Markus Rüdel, Sprecher des Ruhrverbands, die aktuelle Absenkung ein. Damit fällt die Bigge als wichtiger (Trink-)Wasserlieferant für die Ruhr-Anrainer aus – dabei schreibt das Ruhrverbandsgesetz vor, wie viel Wasser der Fluss am Referenzpegel in Schwerte führen muss. „Die Versorgung des Ruhrgebiets übernehmen die nördlichen Talsperren: die Möhne-, Sorpe- und Henne-Talsperre“, erklärt Markus Rüdel. Und die seien „überdurchschnittlich gut gefüllt“.

Wasserversorgung für 4,5 Millionen Menschen

Touristen und Anwohner sind von den Bauarbeiten am Damm auch betroffen: Der Weg über die Dammkrone ist gesperrt; ein Schiffsanlegepunkt in die Waldenburger Bucht verlegt.

Die Kosten

Rund sieben Millionen Euro gibt der Ruhrverband aus; den Großteil macht die Sanierung des Hauptdamms aus. Zudem wird an der Lister-Talsperre, dem Schwestersee, eine Bruchsteinmauer saniert und „an Brückenpfeilern und Uferbereichen gearbeitet, an die wir bei normalen Wasserstand nicht herankommen“, so Ralf Stötzel, der Leiter des Talsperrenbetriebs Süd beim Ruhrverband.

Das Geld fließt aus dem Investitions-Haushalt des Ruhrverbands; die Investition „wird über mehrere Jahre abgeschrieben“, so Markus Rüdel. Bezahlt wird das Projekt damit von den „Mitgliedern des Ruhrverbands, die Wasser aus der Ruhr entnehmen“; jeder, der mehr als 30 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr entnimmt, ist Verbandsmitglied. Entsprechend der abgenommenen Menge zahlt er den Mitgliedsbeitrag.

Der Zeitplan

„Bis zum Herbst“ sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Was es dazu braucht: mindestens neun Tage trockenes Wetter, wenn der neue Asphalt aufgebracht wird. In Schräglage. Bei rund 30 Grad.